Über uns:

Wir sind Steffen Glaeser und Dana Heidrich. 2007 gründeten wir zuversichtlich unser Catering, welches nun nach mehr als 10 Jahren endlich erfolgreich läuft. 2014 haben wir geheiratet.

Im Sommer 2018 wurde bei meinem Mann Krebs diagnostiziert. In diesem Blog möchten wir Wege aufzeichnen, mit und trotz Krebs zu arbeiten und zu leben.

Dieser Blog ist ein Erfahrungsbericht der Mut machen soll und helfen möchte, mit Rezepten und Sarkasmus das ganze zu überleben. Die Rezepte werde ich von Zeit zu Zeit hinzufügen.

Wir möchten auch anderen Betroffenen Mut machen und deren Angehörigen helfen.

Krebs ist ein Arschloch, bedeutet aber nicht zwangsweise gleich Tod. Auch wenn Hollywood uns das ständig suggeriert. Krebs ist nicht

Einzelzimmer – Glatze – Schläuche – Tod.

Nein! Er hat viel mehr Facetten.

Wir möchten auch anderen Betroffenen und deren Angehörigen helfen und Mut machen. Begleitet uns bei unserer Daily Krebs Soap aus der Hölle. Bitte lest den Blog vom ersten Tag an, vielen Dank!

Der Blog wird nicht tagesaktuell gepostet, da ich über einen Monat gebraucht habe, mir etwas klarer zu werden, wie es weiter gehen könnte. Daher die Zeitverzögerung um einen Monat.

Klicke da:
Beginnt am 10.07.2018

28.08.2018 – 23 Grad – Tag 49

Endlich habe ich mal Energie. Nach zwei Tagen herumschippern in meinem persönlichen energetischen Mariannengraben kann ich Licht sehen. Ich springe aus dem Bett und setze mich direkt an den PC an diesen wunderbaren Blog und schreibe mein erstes Rezept. Und weil es so schön ist, habe ich es gleich noch mal für Euch überarbeitet und hochgeladen:

Reisbowl mit Gewürztofu

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Steffen beschäftigt sich immer tiefer mit Instagram. Mittags muss ich zu meiner Pilatesrunde. Diese rettet definitiv mein Leben bzw. meinen porösen Körper in diesen psychisch und körperlich schweren Zeiten. Meine liebe Lehrerin muss jedesmal meinen Körper neu entwirren und gerade biegen. „Dana, you are completely twisted“ … Der Rücken ist steif wie ein Brett. Am Empfang liegt ein Rezept für Cannabisöl für Steffen bereit. Ich freu mich, dass es mit der Verschreibung so reibungslos passt.

Nach der Pilatesstunde bin ich immer leicht verleiert und fahre mit dem Fahrrad nach Hause. Ich komme mir vor, wie Mister Burns bei den Simpsons, als er nach der Therapie leuchtend durch den Wald wandelt und „ich hab euch alle lieb“ säuselt. Daher verpasse ich zuhause direkt im Fahrstuhl Steffen, der mit dem anderen Fahrstuhl nach unten fährt. Bedeutet, er fährt runter, ich fahre rauf. Kein Problem, schnell haben wir uns zusammentelefoniert und fahren zum Araber am Mehringplatz Mittagessen. Falafel, Halloumi und Ayran. Vernünftig, extrem lecker, gesund und vegetarisch. Ich war nämlich kurz davor, mir ein Stück Buttercremetorte zu kaufen.

Danach fährt Steffen sich ein Stativ für seine Kamera kaufen, ich arbeite weiter an Angeboten und dem Blog. Es ist alles gerade sehr spannend. Abend machen wir uns eine Monsterportion Spinat mit Rührei und Kartoffeln, denn ab morgen is(s)t Steffen wieder in der Charité. Kennt ihr das? Ihr habt einen schön angerichteten Teller und dann vermanscht ihr alles zu einer homogenen Masse? Ich liebe das. Nichts ist schlimmer, als eine Gabel, auf der nicht alles zu gleichen Teilen darauf verteilt ist. Ja, das ist vielleicht etwas gaga, aber lecker!

Davor testen wir noch schnell Steffens neues Cannabisöl, welches er heute in der Apotheke hat herstellen lassen. Der Apotheker war auch ganz aufgeregt, da er das noch nie gemacht hatte. Wir wollen die neutrale Wirkung des Öls ohne die Chemotherapienebenwirkungen testen. Man träufelt 3 bis 4 Tropfen auf ein Stückchen Brot und gibt es unter die Zunge. Steffen haut es direkt weg, er macht ein Video für Freunde, welches plötzlich 10 Minuten lang wird und die Freunde schlafen beim zuschauen fast ein. Bei mir wirkt natürlich nichts. Ich kann sogar noch super mit meinem Papa telefonieren. So soll es auch sein, ist ja nicht für mich, sondern für Steffen. Und bei dem wirkt es. Top!

Mein Papa sagt mir am Telefon, dass meine liebe Tante Dana, ja, Dana wie mein Name – ich wurde nach ihr benannt – in Bratislava Brustkrebs hat und nun werde ich ihr gerne Tipps zur Nahrungsumstellung und Rezepte geben. Dieser Blog soll helfen!

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Reisbowl mit Gewürztofu

ich liebe dieses Rezept, man schaut an einem faulen Abend in den Kühlschrank, sucht sich die kläglichen Gemüsereste und Tofureste aus dem Kühlschrank und macht los.

Wichtig ist, dass man immer eine Flasche Teriyaki BBQ-Soße im Kühlschrank hat. Ansonsten kann man sich auch ganz leicht aus Sojasoße, Ketchup, Sesamöl und Chilliöl eine eigene Soße kreieren. Aber mit der Teriyakisoße ist es halt einfacher.

Und fertig ist das schnelle und gesunde Abendessen. Oder Mittag. Oder einfach so.

Der absolute Geheimtipp hierbei ist jedoch Crispy Chili Oil. Einfach beim Anbraten mit zum Gemüse geben.

Wenn Du das beim Asiaten Deines Vertrauens bekommst, schätze Dich glücklich. Es ist scharf und macht süchtig! Es gab schon erbitterte Streits bei uns, als dieses Öl alle war. Und in China wurde ein Mitarbeiter verurteilt, der das Rezept stehlen wollte. Ich kann das verstehen.

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Reisbowl mit Gewürztofu
Reisbowl mit frischen Zutaten für eine schnelle und gesunde Hauptmahlzeit. Das Gemüse kann individuell variiert werden. Hauptsache, man kommt am Ende auf die angegebene Gramm-Zahl
Menüart Hauptspeise
Küchenstil asiatisch, vegan, vegetarisch
Keyword Reis
Vorbereitung 15 Minuten
Kochzeit 30 Minuten
Portionen
Personen
Menüart Hauptspeise
Küchenstil asiatisch, vegan, vegetarisch
Keyword Reis
Vorbereitung 15 Minuten
Kochzeit 30 Minuten
Portionen
Personen
Anleitungen
  1. Koche den Reis nach Anweisung in einem separaten Topf, bis er fertig ist. Nimm eine große asiatische Schüssel und gebe gut 3-4 Esslöffel gekochten Reis auf den Boden
  2. Erhitze etwas Öl in einer Antihaftpfanne, bis es fast qualmt. Nun gib immer nur eine Sorte Gemüse oder Tofu ins heiße Öl. Schau, dass nicht zuviel Bratgut in der Pfanne ist, so dass es scharf angebraten wird, ohne Wasser zu lassen.
  3. Nach ca. 1 Minute gebe einen Teil frischen Ingwer und einen Teil Frühlingszwiebeln, die Teriyaki-Soße und wahlweise noch Sojasoße, Sesamöl und Chilliöl und einen Teil Teriyakisoße an das Bratgut. Kurz durchschwenken und auf den Reis in der Schüssel geben
  4. wiederhole den Vorgang, bis alles Gemüse und der Tofu gebraten ist
  5. Sesam darüber streuen, fertig
Rezept Hinweise

1 Teil bedeutet 1/3 wenn 3 separat zu bratende Gemüse/Tofu da sind = Zutaten auf den Vorgang dritteln

Achtung! Werbung! unbezahlt!

27.08.2018 – 19 Grad – Tag 48

Seit Steffens Krebserkrankung gönnen wir uns den Luxus, Montag und Dienstag frei zu haben. Natürlich ist das kein „frei haben“ wie am Sonntag, wo man legitim frei hat und wirklich gar nichts machen braucht und will und möchte, sondern eher freie Zeit, um sich selbst zu verwalten und für die Computerdinge zu haben, wie zum Beispiel Buchhaltung, Angebote, Pläne und diesen Blog. Aber auch das ist Luxus. Normalerweise, vor dem Krebsimpact, habe ich das jeden Morgen von 03:00 Uhr bis 05:00 Uhr – bevor es mit dem Aufträgen los ging, erledigt oder eben halbtot und völlig geschafft am Nachmittag und Abend nach den jeweiligen Aufträgen. Aber nun muss und will auch ich kürzer treten.

Nun, dies ist also ein Montagmorgen, wir haben aus vorgenannten Gründen keinen Wecker gestellt. Seit 07:30 Uhr ist Steffen auch schon wieder wach, und sitzt aufrecht im Bett und macht Instagram, also bearbeitet seine Fotos und stellt diese online. Er ist voller Energie, unglaublich. Er möchte auch Dinge machen, aber ich habe ihm verboten zu arbeiten. Er muss lediglich und vor allen Dingen gesund werden. Was ja schon eine Menge ist.

Aber gutes Feedback und likes sind auch gut für die Seele, Also möchte er nach dem Feedback zu seinem Foto über die Nebelschwaden des Waldbrandes vor Berlin:

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by Steffen Glaeser

seine Bilder populärer machen.  Also sucht er sich Nebenschauplätze. Wer also Interesse an seinen Fotos hat, schaue sich gerne sein Profil an, einfach auf das Bild klicken:

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Ich jedoch habe an diesem Morgen eher die Motorik und das Benehmen eines Zombies. Wir machen Frühstück, ich starte reflexmäßig den Rechner. Ich schaue in den Rechner. Ich muss arbeiten. Aber mehr als die Augen öffnen und schließen ist nicht drin. Es tut mir leid. Ich muss wieder ins Bett. ich bin immer noch völlig kaputt. Ich schlafe bis 13:30 Uhr. Es ist unglaublich. Als ob die ganze Anspannung der letzten Wochen abfällt und mein Körper sich erholen muss.

Ich träume wirr, Ich träume, dass meine Mama da ist und mich fragt, ob wir auch ausreichend Kuchen haben. Ich bestätige und verweise auf die Petit Fours aus der Metro. Meine Mama stellt Biergarnituren in meiner Wohnung auf. Steffen ist nicht da. Was ist los, das ist alles komisch. Langsam verstehe ich, wir bereiten den Leichenschmaus für Steffens Beerdigung. Und als Austausch, dass Steffen tot ist, ist meine Mama wieder lebendig.

Und in der Realität ist es anders herum? Komische Psyche.

Aber ich bin endlich munter, wir fahren schnell noch in die Metro um uns mit neuem Salat und Biodingen einzudecken. Das ist praktischer für uns, wir können Großpackungen kaufen und wir wissen blind, wo alles steht, da die Metro ja schon ein zweites Zuhause geworden ist.

In der Metro treffen wir unseren Lieblingsverkäufer, der der mich am ersten Tag der Hiobsbotschaft aufgefangen hat, wer es noch mal lesen und die Reise rückwärts machen will, hier. Er freut sich, nach 2 Monaten mal Steffen wieder zu sehen, der offensichtlich mindestens 5 Jahre jünger aussieht. Was wirklich stimmt. Frechheit. Danach bringen wir das ausgeliehene Video zurück und fahren direkt zum Termin bei der Traditionellen chinesischen Medizin. Bevor es in die neue und letzte Chemorunde geht, soll er noch mal fit gemacht werden. Da Steffen eigentlich eine Nadelphobie hat, ist er etwas aufgeregt, wie die Akupunktur bei ihm wirkt und ob er direkt umkippt. Aber dank des Ports und die vielen Injektionen und Blutabnahmen in den letzten Wochen wurde er desensibilisiert. Alles hat sein Gutes, die Akupunktur funktioniert wunderbar. Die Akupunktur ist unglaublich, er spürt das kribbeln unter einigen Punkten, an anderen Stellen gar nichts. Danach bekommt er noch ein neues Rezept für einen Heiltee, den er chemobegleitend trinken soll. Alles ist wieder sehr faszinierend.

Danach kaufen wir noch schnell Brot im Bioladen, lassen uns den chinesischen Tee in der Apotheke zurecht mischen und dann geht es endlich zu unserem Lieblingsinder. Da wollten wir schon gestern hin. Die Erwartungskurve ist hoch und wird belohnt:

Im Uhrzeigersinn: Dosa, Linsencurry, Paneer in Kichererbsenmehl frittiert, auf Wunsch extra scharfe selbstgemachte grüne Chillisoße, Hühnchencurry für mich und salziges Lassy mit Cumin.

Endlich. Südindisch essen. Heimwehladen. Heimweh nach Indien.

Wer in Berlin wohnt und auch mal will:

Restaurant ammAmma
Urbanstraße 28A
10967 Berlin
www.ammamma.de

Achtung! Werbung – unbezahlt 🙂

26.08.2018 – 18 Grad– Tag 47

Sonntagmorgen 07:30 Uhr. Steffen hat unglaubliche Energie. Er springt direkt aus der Kiste, kocht sich seinen Chaga-Tee, macht sich einen frischen Smoothie, bereitet das Frühstück vor. Ich kann mich nicht so einfach vom Fleischmagneten lösen und wälze mich noch faul hin und her. Und diese Aktivität schon am morgen beäuge ich skeptisch.

Nun, jemand hat in der Lagerhaltung versagt, die Butter fehlt… Ok, Butter in Kreuzberg – eine kleine Odyssee, aber eine türkische Bäckerei auf der Wrangelstraße hilft uns aus. Endlich können wir frühstücken.

Wir wollen heute mit den Rädern ins Brandenburgische. Es ist wunderbar kühl und klar. Septemberherbstluft und Septemberwolken und Septemberhimmel. Mit dem Finger auf Google suchen wir uns Lindow aus, ca. 2 Stunden von Berlin entfernt. Wir fahren mit dem Auto hin, die Fahrräder haben wir hinten eingeladen.

Steffen fährt! Das ist die eigentliche Attraktion. Er kann klar sehen und fokussieren und hat große Lust Auto zu fahren. Der Weg ist schon wunderschön. Angekommen, besuchen wir dort ein altes zerstörtes Kloster und beginnen mit den Fahrrädern die Seeumrundung. Es geht über Stock und Stein, Treppen hoch, über Sandwege mit leichtem Wind und klarer Sonne. Es ist wunderschön.

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Steffen hat sich energetisch so verändert, dass er plötzlich freundlich die Leute anspricht, sich Tipps geben lässt. Das ging früher nur auf Arbeit, nie privat. Ein wunderschöner Ausflug.

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Nach weiteren zwei Stunden haben wir den See umrundet und belohnen uns mit Matjes und Bratkartoffeln in dem schnuckeligen Café am See mit dem Bootsverleih daneben. Alle anderen essen Torten, Eis und Kaffee, die Torten sehen fantastisch aus. Aber! Das ist nichts für Steffen (war es glücklicherweise noch nie) und Matjes ist schön fett und hat Omega 3 Fettsäuren.

Danach geht’s nach Hause, wir wollen ja noch zu unserem Lieblingsinder. Da wir aber gerade gegessen haben, lassen wir uns Zeit und nehmen uns einen extra großen Bogen über Neuruppin und Neustadt an der Dosse fahren wir aus dem Westen kommend nach Berlin.

Ich sage zu Steffen, wir fahren über Falkensee, wollen wir unsere Freunde dort spontan besuchen? Er findet die Idee super, also fahren wir zu den beiden. Auf dem Weg dahin schlafe ich, ich bin noch total kaputt.

In Falkensee angekommen sind unsere Freunde in der Tat da und freuen sich tierisch. Freunde kommt vielleicht von freuen. Haha. Scherz. Nein, es ist wunderbar bei den beiden. Wir quatschen, besser gesagt, Steffen quatscht. Er redet schon den ganzen Tag, ich bin froh, dass andere es auffangen und sich sein Geschnatter anhören. Er brodelt über vor Energie. Unglaublich.

Plötzlich ist es um 7 und wir schaffen es nicht mehr zum Inder, also ab nach Hause, unterwegs Sushi bestellt – ich liebe Berlin und die Technik – und es geht nach Hause. Nachdem beide in der Dusche waren, klingelt pünktlich der Japaner und wir schauen uns das gestern ausgeliehene Video „Shape of Water“ endlich an. Sehr schön.

25.08.2018 – 23 Grad– Tag 46

Es ist Samstag und es sind Schuleinführungsfeiern in Berlin. Aufgeregte Eltern bringen Ihre Schützlinge in fremde Obhut und das muss natürlich gefeiert werden. Die Anfragen für das Catering wurden bereits im Frühling bestellt. Aber das ist noch nicht wirklich zeitig, ich habe zum Beispiel jetzt schon Anfragen für die Schuleinführungsfeiern im nächsten Jahr.

Mein Wecker klingelt also 05:30 Uhr – ich bin wieder genau eine Minute vorher munter. Ich stehe auf, mach mich frisch und fahre direkt in die Metro. Bis Mittag habe ich zwei Cateringaufträge für die Schuleinführungen in Privathaushalten.

Das ist zugegeben wenig, in 2016 hatten wir an einem Tag acht verschieden Aufträge an verschiedenen Orten in Berlin. Ulf und Steffen machten eine Sternfahrt in mit Essen beladenen Autos in der ganzen Stadt. Aber dieses Jahr habe ich mit Beginn der Erkrankung und Bekanntgabe des ersten veranschlagten OP-Termins die die Nasenkorrektur von Steffen im August (ja, das hat sich natürlich dann alles geändert, aber so war das im Mai/Juni) sämtliche Termine im August abgesagt. Ich dachte, die Heilung der Nase nach der Nasenscheidewandkorrektur würde mindestens 4 Wochen dauern. Haha, ganz großes Haha. Ich dachte, das wäre ein Problem, das ich im August zu handlen hätte, aber danke Schicksal, dass Du uns eines „besseren“ belehrt hast mit deinem Potpourri aus beschissenen Optionen.

Nach diesen beiden Aufträgen muss ich noch für nachmittags die BlueManGroup fertig machen und ausliefern. Logistisch ist das nicht allein machbar, also habe ich mir wieder meine besten Personaler Ulf bestellt.

Kurz nach 11 kommt Ulf und holt die Chafing Dishes vom Vortagesauftrag bei der netten Familie am Rande Berlins ab, bringt diese zurück zu mir und liefert gleich im Anschluss die beiden frischen neuen Schuleinführungsaufträge aus. Ulf der Gute hat mir auch eine Zimtschnecke mitgebracht. In einer kleinen freien Minute essen wir diese schnell. Wie lieb, bis dahin hatte ich noch nichts gegessen und ein ordentliches Loch im Bauch.

Leider kommt man an solchen Tagen aus unerfindlichen Gründen nie dazu, eine Pause zu machen oder etwas zu essen. Nun bin ich schon seit 7 Stunden auf den Beinen und diese Zimtschnecke ist neben den Litern von Kaffee das erste Essen für mich. Der Vorteil ist, so kann man auch nicht Speck ansetzen. Der Nachtteil ist, ich ursche ganz schön mit meinem Körper herum.

Nachdem Ulf nach dem Ausliefern wieder zurückkommt, hilft er mir noch, das Auto mit dem Essen für die BlueManGroup zu beladen. Der Einfachheit halber gibt es heute Spaghetti Bolognese mit Fleisch bzw. vegan mit Tofu. Auf dem Weg zum Potsdamer Platz lade ich zuhause schnell Steffen ein, er muss mal nach seinem Briefkasten schauen.

Nach dem Ausliefern geht’s noch fix die Warmhaltebehälter und Platten von den beiden Schuleinführungsfeiern in den Privathaushalten abholen und in die Küche bringen. Steffen bleibt brav im Auto. Er darf nicht arbeiten und wir wollen ja nicht, dass bei der ersten Muskelanstrengung der Port herausploppt. Auf dem Heimweg von der Küche noch fix ein Video in der Videothek geholt und endlich sind wir zu Hause.

Ich habe einen Bärenhunger. Beachte: mein Energiehaushalt kommt immer noch nur von der Zimtschnecke und dem Kaffee. Aber, ohne Fleiß kein Preis.

Da ja Wochenende ist, darf Steffen heute ausnahmsweise Fleisch essen. Wir haben gesagt, einmal pro Woche gibt es Fleisch, aber dafür Bio und von nicht gequälten Tieren. Der Satz „Du bist, was Du isst“ macht immer mehr Sinn. Man merkt es schon, wenn man in der LPG, einem örtlichen Biomarkt, einkauft, die Leute sind extrem gechillt und überhaupt nicht aggressiv. Wenn ich zum Beispiel im Gegensatz den Einkauf in der Metro oder gar mit dem Einkauf in billigen Läden vergleiche. Nun also, heute gibt es Fleisch.

Und auf Wunsch eines einzelnen Herrn mal wieder Jiaozi, dies sind chinesische Teigtaschen bzw. japanische Teigtaschen, Gyoza.

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Die Japaner haben das Rezept von den Chinesen und, natürlich, verbessert. Sagen Sie. Die Japaner ist ja die kleine Herrenrasse des Ostens. Aber Essen machen sie fantastisches, die Japaner. Also machen wir Jiaozi/Gioza/chinesische Teigtaschen.

Mit chinesischem Essig als Dip und japanischen Chiliöl vereinen wir die fertig gegarten Teigtaschen und leckerer Misosuppe in unseren Mägen.

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Danach bin ich platt und verschwinde todmüde 21:30 Uhr im Bett.

Eigentlich wollten wir heute in einem Paralleluniversum nach Wien zu unseren Freunden fliegen, die Tickets waren auch schon gebucht, aber das hat sich Steffen noch nicht zugetraut. Wegen der ganzen Keime und Menschen und der Aufregung an den Flughäfen. Und, wenn wir schon nicht fliegen können, wollte ich im Bett liegend auf meiner Nerd-Flugzeugsverfolgungs-App dem Flieger mit dem Finger verfolgen. Aber, wer 21:30 Uhr ins Bett geht und sofort einschläft, verpasst einfach mal den Flieger um 22:00 Uhr.

24.08.2018 – 24 Grad– Tag 45

Da heute ein straffer Tag vor mir liegt, klingelt mein Wecker 04:30 Uhr. Da ich aber aufgeregt bin, wie immer, wenn das Arbeitsvolumen wieder anzieht, bin ich vorher munter. Die ersten Momente, bevor ich die Augen öffne und realisiere wo ich bin, wähne ich mich in Indien im Urlaub. Es riecht so, es klingt ein bisschen so. Mein Herz hüpft vor Freude. Aber dann knallt die Realität wieder rein, ich bin immer noch in Berlin, in Kreuzberg und es riecht einfach nur nach verbranntem Holz. Waldbrände bei Potsdam. 400 ha Wald brennen. Nach diesem Sommer ohne Regen geht alles in Rauch auf wie Zunder. Was für ein Wahnsinn!

Verschlafen schaue ich auf mein Handy, ob irgendwas passiert ist und siehe da, Steffen ist auch schon wach. Er ist genauso aufgewacht, weil er die ganze Nacht an mich und die bevorstehende Arbeit gedacht hat und wähnte sich ebenfalls in Indien. Er hat wunderbare Bilder aus dem 19. Stock der Charité gemacht. Hier sieht man richtig, wie die Rauchschwaden durch die ganze Stadt wabern:

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Er ist zusätzlich auch noch aufgeregt, da er heute nach Hause kommen soll und die Natriumwerte noch mal ausgewertet werden. Und er hofft, das alles gut ist, damit er endlich aus diesem Krankenhaus kommt, da es ihm ja sonst super geht. Und siehe da, später am Vormittag kommt der Chefarzt, die Natriumwerte haben sich komplett von selbst reguliert. Also lag es definitiv an den Einläufen!

Merke: wenn er das nächste Mal ins Krankenhaus kommt, keine Einläufe. Nicht dass die Ärzte wieder irritiert sind.

Für mich geht es gleich 5:30 Uhr in die Metro, um alles für den heutigen Tag einzukaufen. Ich habe heute ein kleines Meeting und später noch ein Buffet für ein Abendessen zur Schuleinführungsfeier auszurichten. Für das Meeting braucht es Unmengen von Bohnenkaffee und belegte Brötchen und Wraps. Also koche ich 12 Liter Bohnenkaffee und schmiere dabei belegte Brötchen und rolle Wraps. Dann geht es pünktlich zu 08:00 Uhr mit dem Auto, vollgeladen mit Mietgeschirr, Getränken und den Speisen in Thermoboxen in den Dorfkern von Berlin Heinersdorf. Genauer gesagt in den Gemeindesaal der evangelischen Gemeinde. Eine alte, muckelige Dorfkirche mit daneben gelegenem Saal erwartet mich. Der Saal ist wunderschön, müsste leider auch renoviert werden, aber wie immer fehlt auch hier das Geld. Aber genau durch diesen Zustand hat es einen wunderbaren Charme.

Hinter der Kirche sind traumhaft schöne alte Obstgärten mit alten Apfelsorten. Das liebe ich so an Berlin, dass man eigentlich überall noch die alte Struktur der zu einer Stadt zusammen gewachsenen Dörfer erkennt. Wir warten auf den Pfarrer, dass er diesen aufschließt, dann baue ich meine sogenannte „Meetingsituation“ auf:

Nun aber hurtig zurück zur Küche, im morgendlichen Berufsverkehr lassen mich die Handwerkerautos aus dem Umland schnell wieder in den Stau eingliedern. Auf einmal merke ich, wir Transporter- und Hundewagenfahrer sind eine verschworene Gemeinde. Man lässt sich rein und wartet und nimmt Rücksicht. Auch ein neuer positiver Aspekt des Auslieferns.

Nun ab ans Werk, abends habe ich, wie schon gesagt, noch ein Catering zur Schuleinführungsfeier. Das muss natürlich auch ausgeliefert werden.

In der Zwischenzeit trudelt Steffen wieder zuhause ein und trifft auf das von mir hinterlassene Chaos. Das kann ich nämlich gut. Ordentliche Wohnungen unordentlich machen. Da es aber Steffen gerade richtig gut geht, hilft er mir und hält meinen Rücken frei und beräumt die ganze Wohnung.

Das ist der einzige Punkt, an dem ich regelmäßig versage. Diese weiblichen Qualitäten gehen mir völlig ab. Lieber mache ich die Buchhaltung, die Organisation, schaue Panzer an, liebe Autos, mache Witze, also ich mache alles lieber, als dass ich zu Hause putze und aufräume. Normalerweise endet bei mir ein Anfall von Putzwut nach einer halben Stunde mit einem Bier in der Hand über der Kiste mit den alten Fotos hockend. Naja, vielleicht jetzt ohne Bier, aber im Prinzip genau so. Ich hasse es aus tiefstem Herzen und das viel proklamierte Glück beim Aufräumen finde ich einfach nicht. Diese Synapse ist bei mir nicht vorhanden, kläglich veruckert, quasi der emotionale Blinddarm meines Hirns. Glück durch Putzen ist in meinem Gencode nicht vorhanden. Ich bin Steffen unendlich dankbar.

Aber ich greife vor: Erst einmal geht es 17:00 Uhr nochmal mit einer Ladung leckerem warmen Essen, wobei hierzu dieser Rote Beete Salat mit Fetakäse und Rucola gehört, in den Norden von Berlin. Dorthin, wo es nur noch Einzelheime und Baumärkte gibt.

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Angekommen, erwartet mich eine reizende Familie. Das Haus ist voll, sämtliche Gäste drängen sich im Wohnzimmer und schauen, was ich so aufbaue. Das ist verständlich, sie haben das erste Mal ein Catering bestellt. Die Herren des Hauses helfen mir sogar, die ganzen Thermosboxen und Warmhaltebehälter aus dem Auto zu wuchten.

In dieser Situation baue ich das Buffet auf und mir geht ganz schön die Flatter. Auslieferdesensibilisierung vom Allerfeinsten. Ich hatte vergessen, die 6 Kleinkinder zu erwähnen, die um mich herum springen und lärmen. Also ganz genau mein Ding. Aber hey, alles lief super, die Eltern waren reizend und haben sich riesig auf das Essen gefreut, die Kinder wurden in den Garten geschickt. Perfekt!

Danach fahre ich erleichtert und stolz auf mich nach Hause. Steffen wartet auf mich in der blitzblanken Wohnung. Das Essen ist auch fertig.

Fühlt man sich so als Mann?

Quinoasalat mit Spinat und gegrilltem Paprika

Dieser Salat ist wunderbar fruchtig, frisch und vollmundig. Ideal im Sommer beim Grillen als Beilage oder einfach nur so für sich.

Wenn Du also Angst hast, dass die Grillparty, zu der Du eingeladen bist, droht, zu fleischlastig zu werden, bringe einfach den Salat mit und Du bist auf der sicheren Seite. Und wenn Fleischliebhaber über ihren Schatten springen, werden diese den Salat definitiv auch mögen.

Quinoa ist eine vegane Proteinquelle, Spinat reich an Antioxidantien. Wenn man den Essig durch Zitronensaft ersetzt, wird er sogar noch gesünder, falls das überhaupt möglich ist.

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Quinoasalat mit Spinat und gegrilltem Paprika
fruchtig-leichter und gesunder Sommersalat, reich an Proteinen, Eisen, Vitamin C und Antioxidantien und obendrein vegan und glutenfrei
Menüart Beilage, Salat
Küchenstil glutenfrei, mediterran, vegan
Keyword Quinoa
Vorbereitung 20 Minuten
Kochzeit 20 Minuten
Portionen
Portionen
Menüart Beilage, Salat
Küchenstil glutenfrei, mediterran, vegan
Keyword Quinoa
Vorbereitung 20 Minuten
Kochzeit 20 Minuten
Portionen
Portionen
Anleitungen
  1. Quinoa im Sieb abwaschen und mit der Brühe zum köcheln bringen. Auf kleiner Flamme ca. 20 min vor sich hin köcheln lassen, bis alle Flüssigkeit verdunstet ist und der Quinoa bissfest und gar ist
  2. Möhren schälen und der Länge nach halbieren und in Stücke/Scheiben schneiden. Ein Backblech mit Backpapier auslegen, die Möhren darauf geben und mit Pfeffer, Salz, Zucker und Thymian bestreuen. Mit Weißwein und Olivenöl besprenkeln und für 20 Minuten in den vorgeheizten Ofen bei ca. 220 Grad grillen - wahlweise kann man sie auch in der Pfanne scharf mit der obigen Würzung anbraten
  3. Zitronenabrieb, Zitronensaft, Olivenöl, Pfeffer und Salz zu einem Dressing mit dem Schneebesen verrühren - abschmecken, nicht zu salzig, da das Quinoa schon durch die Brühe gesalzen ist.
  4. Gegrillte Paprika und den gewaschenen Spinat in feine Streifen schneiden
  5. Alle Zutaten mit der Petersilie vermengen und kurz durchziehen lassen
Rezept Hinweise

Gutes Gelingen!

23.08.2018 – 34 Grad – Tag 44

Mit Schädelbrummen wache ich auf, der letzte Wodka war wohl schlecht. Aber es ist immer so schön mit den Jungs und verrückt und dann passiert Wodka… Und während man das Glas ansetzt, denkt man noch, hey mir gehts super, morgen wird schon nicht so schlimm.

Aber mein Körper sagt deutlich, dass er das nicht mehr haben will. Den ganzen Tag bin ich verleiert und nicht auf 100 % und wenn ich wirklich etwas hasse, ist es, dass ich nicht 100 %ig da bin bin. Und gerade in der jetzigen Situation, wo ich täglich 170 % sein muss, also ich selbst sein sowieso und dann noch Steffen in der Cateringarbeit mit seinem körperlichen Einsatz ersetzen muss und zuhause ihm dann noch helfe, da kann ich mir solche Fehltritte einfach nicht leisten.

Nun, also gehe ich mit mir ins Gericht und beschließe, keinen Alkohol mehr zu trinken.

Aus dem Krankenhaus kommt von Steffen nur die Info, dass er wirklich und wahrhaftig noch einen Tag zur Sicherheit im Krankenhaus bleiben muss. Die Infusion gegen den Epstein-Barr-Virus ist durch, er hat sie super vertragen aber die Natrium-Werte machen den Ärzten sorgen. Also muss er auch noch diese Nacht im Krankenhaus bleiben und ist leicht angesäuert. Mit dem Mittagessen wird er dafür auch nicht belohnt:

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Also werde ich ihn heute nach getaner Arbeit besuchen fahren. Aber erst einmal muss ich noch das Essen für die BlueManGroup machen und vorher noch etwas Bürodinge erledigen. Aber aus den vorgenannten Gründen schaue ich mit glasigen Augen auf den Monitor wie ein Schwein ins Uhrwerk. Ich lasse es und fahre einkaufen.

Da es so heiß ist, habe ich für die BlueManGroup einen leichten kühlen Quinoa-Salat auf dem Plan. Das Rezept folgt noch auf dieser Seite. Ich versuche immer das Essen dem Wetter anzupassen, aber langsam gehen die Salatideen aus. Es ist viel zu lange viel zu heiß!

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Nachdem ich alles ausgeliefert habe, fahre ich mit dem Rad zu Steffen. Als ich nachmittags gegen 17:00 Uhr aus der Tür komme, schlägt mir die Bruthitze ins Gesicht. Und ein Hauch von Indien ist da. Ja! Kaum merklich riecht es nach verbranntem Holz. Das ist der Geruch, den ich immer mit Indien verbinde: die kleinen Holzfeuer, staubige Luft und ein spitzer Hauch von Chemie. Und genau so riecht es gerade. Während der Fahrradfahrt ins Krankenhaus vergesse ich das schon wieder, der Verkehr und die Hitze fordern meine ganze Aufmerksamkeit.

Steffen wartet schon auf mich beim Vietnamesen. Und er sieht verdammt gut aus! Seht selbst:

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Wir trinken Bitterlemon und essen lecker. Ich verkünde, dass ich versuchen werde, keinen Alkohol mehr zu trinken. Gemeinsam gehen solche „Entzüge“ immer am besten. Sei es Fleisch oder Zigaretten oder halt jetzt Alkohol.

Steffen hat immer sein Krankenhaus-Papier-Armband-Etikett am Arm, falls er bewusstlos umfällt, können sie ihn gleich bei der Gerichtsmedizin einscannen. Zumal er Organspende angekreuzt hat, so dass sie nicht lange mit lebenserhaltenden Maßnahmen herumkaspern sondern direkt alles umverteilen. Das ist der Plan. Aber von diesem morbiden Plan ist er gerade ganz weit entfernt und das ist gut so!

Nach dem Essen fahre ich nach Hause, ich bin knülle und morgen muss ich 04:30 Uhr aufstehen. Es wird ein erster Tag auf dem Weg zurück in die Cateringnormalität werden.

Ach apropos, ich habe beschlossen, ich mache das Catering alleine weiter! Bis Steffen wieder mitmachen kann. Ich habe diverse Stellenanzeigen durchgesehen und mich auch beworben und jedes mal krampft sich mein Magen zusammen:

„Teamassistenz für drei Vorgesetzte in einem aufstrebenden Unternehmen“

Bei Kununu, diesem Bewertungsportal, wo man schauen kann, wie die Arbeitssituation in dem jeweiligen Unternehmen tatsächlich ist, stand zu dieser Firma:

„Bezahlung ist schlecht, aber ein guter Stepstone für die Karriere“

Ich sehe es förmlich vor mir, Großraumbüros. Eingekästelte Menschen in Mininischen. Egogetriebene Anzugmenschen mit Smartphones am Ohr. Fremde nichtige Probleme fremder Menschen lösen. Menschen mit ernsten Kleidungsfragen. Der Lebenssinn kommt per Asos- oder Zalandopaket. Ja genau, ausschlaggebend war das gestrige Gespräch mit einem Freund, welcher neu bei einer großen Plattenfirma angefangen hat und beschrieb, wie täglich der Postbote mit einem Wagen voller oben genannter Pakete durch die Gänge der Großraumbüros fährt und die Leute auf die Pakete warten wie weiland auf das Manna vom Himmel.

Ich kann das einfach nicht. Ich kann mich für so einen Job nicht bewerben. Ich kenne das alles schon und es macht mich krank. Genau deswegen habe ich mich ja selbstständig gemacht, damit ich nie wieder dort hin muss.

Also Kopf runter und durch. Ich habe Helfer, ich habe gute Servicekräfte. Ich kann kochen. Der Rest ist Organisation und Logistik.

Ich habe nur Angst vor dem Ausliefern, und mit jedem Mal Ausliefern habe ich weniger Angst. Also eigentlich habe ich gar keine Angst mehr, unsere Kunden sind total lieb. Das ist meine Ausliefertherapie. Was passiert eigentlich, wenn man vor gar nichts mehr Angst hat?

Ich werde nicht reich, aber die Miete kann ich zahlen und mir am Ende des Tages in mein Spiegelbild schauen.

Feierabend. Over and Out. Die Hitze flirrt bis spät Abends.

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Kartoffelgratin halb-vegan

Wenn es einem körperlich, seelisch und emotional nicht so gut geht, braucht man einen Seelenschmeichler. Seelenschmeichler sind warme samtige Speisen, welche man sich im Ernstfall auf der Couch einfach direkt auf den Bauch stellen kann und damit im Herbst zum Beispiel eine Wärme-win-win Situation schafft (man spart sich die Wärmflasche) oder eben nach der Chemo, wenn man ein komisches Mundgefühl hat und wenig beißen möchte:

Rezept drucken
Kartoffelgratin halb-vegan
ein feines Kartoffelgratin mit nicht so viel Kuhmilch, man könnte sogar den Parmesan weg lassen, dann ist es vegan.
Vorbereitung 15 Minuten
Kochzeit 5 Minuten
Wartezeit 1 Stunde
Portionen
Personen
Zutaten
Vorbereitung 15 Minuten
Kochzeit 5 Minuten
Wartezeit 1 Stunde
Portionen
Personen
Zutaten
Anleitungen
  1. Die Kochsahne zum kochen bringen, mit etwas Wasser verdünnen und würzen, am Schluss die geriebene Knoblauchzehe unterrühren
  2. Die Kartoffeln schälen und in feine Scheiben schneiden, diese in eine mit Olivenöl gefettete Auflaufform schichten
  3. Die Auflaufsoße über die geschichteten Kartoffeln geben und bei 200 Grad im Backofen ca. 40 Minuten backen lassen
  4. Nach Wunsch nun den frisch geriebenen Parmesan mit ein paar Olivenölsprenkeln auf den Auflauf geben und noch mal 20 Minuten backen bzw. bis der Auflauf lecker aussieht.
  5. Dazu passt ein frischer Salat oder gedämpftes, knackiges Gemüse

Gutes Gelingen!

 

22.08.2018 – 31 Grad – Tag 43

Steffen kommt wieder in die Charité, da er ja seine Epstein-Barr-Immuntherapie bekommen muss. Ich fahre ihn wieder vormittags hin, so dass er noch in den Genuss des wunderbaren Mittagessens kommt.

Da er ja heute frisch in das Krankenhaus kommt, muss er nehmen, was auf dem Esswagen noch übrig ist. Normalerweise kann man ja am Vortag aus dem Menü des nächsten Tages auswählen, also auswählen ob „Fleisch“ oder „Vegetarisch“, aber das gilt heute nicht für Steffen, er muss nehmen, was er bekommt. Nach Aussage des ebenfalls etwas sprachlosen Pflegers sollte dass Essen vegetarisch sein, aber seht selbst:

Das Corpus Delicti ist der rätselhafte Fleisch – oder so – Klops. Er hat eine fleischliche Struktur, schmeckt aber nach…? richtig!: nichts. Dass die Erdbeeren, die wahrscheinlich noch höchstpersönlich von Tutanchamun mit seinem Todesblick mumifiziert wurden, vegetarisch sind, ist anzunehmen. Auf Fälle sind sie nährstofffrei. Die HACCP-Regeln werden klar befolgt, da kann man nicht meckern, alles ist unter 7 Grad und über 70 Grad Wärme und garantiert tot.

Vormittags wird Steffen Blut abgenommen, wie immer, wenn er wieder in das Krankenhaus kommt. Alle Werte werden gecheckt und die Ärzte stellen niedrige Natriumwerte fest. Sie sind besorgt, dass Steffens Tumor die Zirbeldrüse angegriffen hat, da man dies aus niedrigen Natriumwerten schließen kann.

Steffen wiederholt  mehrfach, dass er Einläufe bzw. Kaffeeeinläufe praktiziert. Vielleicht in den letzten Tagen etwas exzessiv, aber es hat geholfen. Dass möglicherweise dadurch die Natriumwerte gesunken sind? Sein Gedanke ist, dass nach einem ordentlichen Durchfall ja die Minerale im Körper auch nicht mehr bestens aufgestellt sind und die wenigen verbliebenen Minerale hocken traumatisiert mit einem scharfen Scheitel in der Ecke.

Aber niemand hört ihm zu. Man fragt ihn nach Schmerzen und ob er Schmerztabletten braucht. Und ob er noch Migräne hat (die lustigerweise seit der Nasenoperation und der Tumorbekämpfung vollkommen verschwunden ist). Also unterm Strich klappert man ab, ob er neue Medikamente braucht. Am Ende der Visite ist Steffen wieder der einzige, der keine Medikamente braucht, bis auf die Epstein-Barr-Infusion halt.

Ergo muss er noch einen Tag länger im Krankenhaus zur Beobachtung bleiben.

Das Abendbrot wählt er daraufhin genervt direkt ab und geht zum Vietnamesen um die Ecke, damit der Körper wenigstens ein paar Vitamine sieht.

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Vegane Ente mit Jasminreis und Gemüse

Abends gehe ich mit den Jungs trinken. Steffen bleibt im Krankenhaus. Wenigstens hat er einen schönen Ausblick.

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