+ fritky in kraków

Essen in Polen

Ich bin immer glücklich, wenn ich allein reise, neue Orte mit mir erkunde, meine Ruhe habe und nur mich. Und ich liebe Polen. Aus den verschiedensten Gründen. Und in Krakau war ich noch nie. Also ab ins Auto Instantglück generieren.

Wie sagte meine Psychotherapeutin letzte Woche zu mir: du musst wieder heil werden, das geht nur, wenn du hart nur das machst, was dich glücklich macht. Also mach ich jetzt nur noch Dinge, die mich glücklich machen.

Also fahre ich in ein Land, welches mich seinem Herzblut, Salzgurken und Pierogi aufpäppelt. In ein Land, welches solche Sätze prägt wie „Familie ist am schönsten auf dem Foto … aber sorge dafür, dass du in der Mitte vom Bild stehst, da kann dich keiner wegschneiden“

Genau mein Ding. Und meine Seele dürstet nach Herz und Empathie. Und wie zwei Teilchen sich anziehen, braucht mein russisches Genom ab und an „sto-gram“ vom Ostblock.

Polen

Das erste Mal war ich hier in der Gegend von Krakau im Jahr 1995 mit Verstand und 1980 mit noch nicht so viel. Ha, einige Leser sind 1994 sicher noch nicht mal geboren, aber ich war damals knackige 18 und fuhr mit meinem damaligen Freund und seinem Stiefirgendwas, nennen wir ihn „Wujek“ – Polen lieben dieses Wort – in einem alten Scirocco nach Zabrze. Einer Stadt tief im niederschlesischen Kohlebecken in der Nähe von Kattowice. Fragt mich nicht nach dem deutschen alten Namen, denn der ist egal. Und damals 1995 war das Essen in Polen abscheulich. Was wiederum kein Wunder ist, mit der Wende im Ostblock wurde in Polen der Kriegszustand beendet. Man lernte hier 1995 kulinarisch erst wieder laufen.

Kriegszustand?

Ja ihr habt richtig gehört. Mit dem Machtgewinn der Solidarność rief die sozialistische Regierung 1981 den Kriegszustand aus. Danach gab es in Polen nichts zu essen und es galt Kriegsrecht. Man stand noch mehr nach Essen Schlange, wie es sich der Ostdeutsche überhaupt vorstellen kann und Familien überlebten nur von den Spendensendung der Katholischen Kirche aus dem Westen. Priester hatten die Zeit ihres Lebens, da kleine Jungs für Snickers Dinge tun mussten, worüber die katholische Kirche immer noch nicht reden will und wovon die Priester immer noch träumen und ihr Beinkleid wässern. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Und damals im Sommer 1980 fuhren meine Eltern mit uns drei Kindern quer durch Polen an die Ostgrenze der Slowakei, mit Zwischenstopp in Wieliczka (Bericht folgt) bei Krakau. Bis heute ist die Jagdwurstsemmel die wir dort am Imbiss erstehen konnten, unvergessen.

Gastronomie in den 90ern

Zurück zu dem wilden Roadmovie mit Wujek und dem VW Scirocco. Wir fuhren über die alte Autobahn A4 die als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme damals vor dem Krieg schon unter Hitler gebaut wurde. Natürlich. Er wollte schließlich schnell an die Ressourcen im Niederschlesischen Kohlebecken. Wir hoppelten also damals in den tiefen 90ern über die Betonplatten-Autobahn mit dem 90 PS Scirocco (das war damals sauviel, weil die Buden nicht so schwer wie die Autos jetzt waren – da ging noch was) und ab und an durfte sogar ich fahren. Gekauft. Ich bin da bei. Ja ich bin so billig.

Irgendwann tauchte Hunger auf. Was nun? Raststätten? Fehlanzeige. Damals gab es an der Autobahn lediglich Ausbuchtungen mit Bäumen zum Parken. Ohne Dixi, ohne Klo, ohne Essen. Aber es gab auch dubiose Abfahrten direkt von der Autobahn auf Feldwege hin zu rätselhaften Broilerständen. Vergesst HACCP, Hygienevorschriften und Kühlketten. Das ganze Grillkonstrukt schrie in den Himmel. Damals starb noch jeder ungeschützt. Das kann ich nicht essen, maulte ich verzweifelt herum, wohlwissend dass der polnische Wujek kaum Toleranz für ein 18jähriges Mädchen hatte. Wozu auch, ist ja nur ein quengelndes Weib.

Ok. Weiter im Scirocco. In jedem Ort quakte ich „ich habe Hunger“. Aber unterwegs reihte sich ein Rätsel-Etablissement an das nächste. Die Wiener Würstchen im Hot Dog bestanden aus einer flüssigen Füllung im Kunstdarm, die eine ähnliche Konsistenz ein paar Stunden später im privaten Enddarm zur Folge hatte. Das höchste der Gefühle waren damals Spekacki (gesprochen: Schpeckatschki). Eine wohlriechende Wurst, die jedoch im inneren nur aus aneinandergereihten Speckwürfeln bestand, welche durch den Grillvorgang komplett verflüssigt wurden. Ein mutiger Biss sorgte für hartnäckige Flecken auf dem edlen glitzernden Trilobalanzug und machte jedem Bukake-Event Konkurrenz. Und sie schmeckten damals scheiße.

Spekacki, Rätselhuhn und Doc Snyders Mama

Ok, Verpflegungsstatus nach gefühlten 12 h Fahrt:

  • Rätselhuhn
  • Rätselimbiss mit Flanschwurst
  • Spekacki

Oh ich war hangry! Aus dem Off kam von mir nur noch ein schwach geseufztes „gibt’s hier ein McDonalds?“. Ich wusste, nur genormtes Plastefood könnte mich in diesem gastronomischen Wasteland retten.

Und Wujek, der Arsch, meinte hinter jeder Kurve „da ist McDonalds“, was sich dann nach genauerer Betrachtung als ein weiterer Imbiss der Gattung „Rätsel“ herausstellte.

Irgendwann kamen wir endlich in Zabrze an. Hungrig und todmüde. In einer potthässlichen Kohlestadt in der Platte. Wohlwissend, dass wir auf der guten Cordcouch schlafen würden müssen, da morgen die Kommunion – ha, genau mein Humor – sein würde. Aber dann tischte die polnische Mutti mageren Putenschinken und Weißbrot auf. ENDLICH ESSEN!!!

Am nächsten Tag war dann die Kommunion – Details habe ich vergessen. War ich überhaupt dabei? Egal.

Auf dem Heimweg von der Kommunion, kurz den Klauen der polnischen Familie entkommen, flehte ich meinen Freund an, ob wir auf dem Rückweg vielleicht zu McDonalds gehen könnten, ich hatte so einen Hunger. Und es gab hier wirklich einen!!! Als ich die heiligen Hallen mit dem gelben M betrat, fing ich fast an zu weinen. Endlich Essen. Ihr bekommt eine Ahnung, wie schlimm es damals in Polen war, wenn McDonalds mich so glücklich machen konnte.

Irgendwann ging es dann endlich wieder zurück in die ostsächsische Heimat.

Aber nicht ohne noch einen Stopp an einem Imbiss an der Autobahn zu machen: ein wilder Holzbretterverschlag mit einer selbstgebastelten Küche, in der wahrscheinlich Doc Snyders Mama schon seit Stunden einen Schuh auskochte. Nicht mehr und nicht weniger. Plumpsklos gab es am Eingang links. Ja! Plumpsklos. Trocken-WC sagen feine Menschen jetzt. Donnerbalken andere.

Der Verschlag mit der Essensausgabe selbst war dunkel. Es gab Pieroggen mit einer Fleischfüllung im Verhältnis 10% Fleisch (wahrscheinlich, wahrscheinlich jedoch Roadkill) und der Rest Sägespäne. Ein mutiger LKW-Fahrer hatte sich eine gekochte Schweinehaxe bestellt. Irgendwann kam von hinten der entsetzte Aufschrei in Polnisch „Wie lange ist die Sau schon tot???“

Gastronomie in Polen jetzt

Aber das ist jetzt glücklicherweise alles anders. Das durften wir schon vor 4 Jahren an der weißrussischen Grenze feststellen. Es gab in den letzten Jahren einen unglaublichen Quantensprung in der polnischen Gastronomie! Mehr dazu dann noch in den nächsten Tagen.

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+ Chlodnik, Schaltibarschtschiai, Saltibarsciai, Chlodnik

Kalte Rote-Bete-Suppe mit Kefir

Es gibt viele Namen für dieses einfache Glück aus Roter Bete und Kefir: Swekolnik, Schaltibarschtschiai, Saltibarsciai, Chlodnik. Aber eigentlich ist es doch „nur“ kalte Rote-Bete-Suppe mit Kefir. Und Glück, pures Glück!

Geben wir es zu, wenige werden sich die richtigen Namen für diese Leckerei merken können, außer sie haben Connections oder eine Affinität zum Ostblock. Beides ist bei mir vorhanden und daher möchte ich mit euch gerne dieses leckere und kühlende Sommerrezept für eine kalte Rote-Bete-Suppe mit Kefir teilen. Ich habe dieser Suppe einen Touch Dana verpasst, sie also ein kleinwenig gepimpt.

Aber vorher nehme ich euch noch zu einem wilden Ritt um den Erdball mit:

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+ Engelsfigur auf dem Friedhof mit zerplatztem Schädel

Geld verdienen

Zukunft ist in diesen Zeiten ein gar fragiles Konstrukt. Wir alle wissen gerade nicht, wie es weitergehen wird. Dennoch werde ich ständig gefragt, wie es für mich persönlich weitergehen soll und womit ich in Zukunft Geld verdienen möchte.

Meines Erachtens geht das niemanden an, womit wer sein Geld verdient und wie viel er hat. Ich frage schließlich auch niemanden, womit er und wie viel Geld verdient.

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+ ceasars salad

Salat mit Thunfischdressing

Endlich Sommer! Zeit für einen leckeren Salat. Der Alte mault rum, weil Salat kein Essen ist. Dann versucht es mal mit diesem leckeren Salat mit Thunfischdressing, Parmesan, Hühnchenstreifen und Vollkorncroutons. So gut!

Wenn man korrekt wäre, würde man zu diesem Salat eher Ceasars Salad sagen, aber da ich diesen Klassiker abgewandelt habe, habe ich ihn einfach umbenannt.

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Gedanken zum Wein

Der Moment.

Wenn du das ganze beschissene kapitalistische System (scheinbar) durchschaust. Wenn du siehst, dass du mit verschissenen 5000 Euro an der Börse an einem Tag 400 EUR verdienen kannst.

Wenn Steffen und ich an einem Tag max. 75 Euro verdient haben, obwohl wir 500 Euro umgesetzt haben. Aus gutem Willen. Aus dem Glauben an die Idee. Aus Freude. Wir haben Menschen glücklich gemacht. Die wiederum Richtlinien hatten, um Geld für das Unternehmen zu sparen und daher nicht mehr zahlen konnten.

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+ poppie field

Was macht uns menschlich?

Was ist diese Menschlichkeit? Wie beeinflusst sie uns? Verlieren wir sie gerade? Wie kann man zurück zu mehr Menschlichkeit finden?

Der unmenschliche Mord an einem Afroamerikaner in Minneapolis, der bei weitem nicht der erste Mord seiner Art war und deswegen auch nicht weniger oder mehr furchtbar, führt zu gewaltigen Protesten. Auf einmal sind weltweit alle auf der Straße und demonstrieren gegen Rassismus (oder ist das Fass gerade am Überlaufen, oder die Menschen haben einfach Angst um ihre Zukunft, die in den nächsten Monaten gnadenlos vaporisiert werden wird und die Demonstrationen sind ein Ventil?). Dieser furchtbare Vorfall ist der Aufhänger dafür, dass gestern in Berlin 15.000 Menschen eng beieinander stehend demonstrieren können, wo vor einer Woche die Medien noch bei einer Demo auf dem Wasser Gift und Galle gespuckt haben.

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+ maracuja

Meinungen

Wie ist eigentlich dieses komische Leben nach dem Verlust? Wie kommt man damit klar, wie kommt man mit der Welt klar, die einen ständig mit ihren ungefragten Meinungen bombardiert ?

Das Leben ist kein Film

Wenn man nur halbwegs einen Fetzen Empathie hat, kennt man diese Momente, in denen man eine Situation im Film sieht oder eine bestimmte Buchpassage liest und dann Rotz und Wasser heult. Unvorstellbar erscheint dieser Moment:

  • Das geliebte Kind hat eine doofe Krankheit und wird sterben
  • Der Partner stirbt (tragisch, nicht so tragisch, erwartet oder unerwartet)
  • Die Eltern oder ein Elternteil ist plötzlich nicht mehr da
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+ russische Pasteten

Russische Piroggen nach Mamas Art

Da ich leider nicht mehr meine Mama nach dem richtigen Rezept für die russischen Piroggen, oder wie wir sagten: russischen Pasteten, fragen konnte – ihr Hirnschlag machte einen Strich durch die Rechnung – habe ich solange probiert, bis ich dieses einfache und leckere Rezept kreiert habe, welches verdammt nah am Original ist. Aber lest selbst:

Auch diese Piroggen, oder auch Piroschki genannt, waren eine Familienteambildungsmaßnahme in meiner Kindheit, genau wie die koreanischen Teigtaschen.

Langsam kann man sich ja wieder draußen mit fremden Menschen treffen. Die Sonne scheint, es ist wonnig und das Wochenende naht. Warum also nicht einfach mal ein Picknick mit Freunden oder Familie planen? Da man aus Hygienegründen aktuell besser nicht mehr wie früher alle Salatbestecke antatschen sollte, sind Dinge, die schon fertig und auf die Hand zu essen sind, ideal. Fingerfood!

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+ Lachs-Brokkoli-Bowl

Chinesische Lachs-Brokkoli-Bowl

Diese extrem leckere Lachs-BrokkoliBowl ist super schnell und einfach zuzubereiten und mit der richtigen chinesischen Würzsoße, basierend auf Toban Chilli Soße, die ich gleich näher erklären werde, schmeckt es gar besser als beim chinesischen Lieferdienst. Seht selbst:

Seitdem ich alleine bin, muss es zu den Hauptmahlzeiten schnell gehen und natürlich immer lecker schmecken. Fluch und Segen zugleich. Stier und Ex-Catering-Inhaberin zu sein, ist nicht wirklich schlecht. Und diese stete Herausforderung gebar das Rezept für die Lachs-Brokkoli-Bowl

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+ weisse bohnen

Schneller weißer Bohneneintopf

Dieses feine Geheimnis kommt direkt aus meinem unendlichen dunklen Quell der Schlampenküche. In 15 Minuten ist dieser fantastische Eintopf aus weißen Bohnen fertig.

Gerade habe ich mir beim Bäcker ein frisch gebackenes und noch unglaublich knuspriges Berliner Landbrot gekauft und überlegt, was dazu am Besten passt. Kennt Ihr diesen Drang, sofort eine Scheibe von dem frischen Brot dick mit Butter zu bestreichen und mit einer Prise Salz sofort wegzufuttern? Auf diese Art kann ich manchmal fast ein ganzes Brot vertilgen…

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+ jellyfish blue gold

Zu wenig Zeit

Seit Tagen habe ich mich nicht mehr gemeldet. Es ist absolut verrückt. Ich habe immer noch zu wenig Zeit.

Corona – um nur einmal kurz dieses Thema zu behandeln, es wird ja schon überall anders inflationär benutzt – erlöst mich. Es erlöst mich von dem Zwang, mich in dieser Welt zu assimilieren. Auch die berühmten drei Worte von Ändy Borg werden mich nicht retten „Sie sind assimiliert“. Großartig.

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+ beste Pizza in Berlin

Gastronomie in Zeiten von Corona

Jeden Morgen sende ich ein Stoßgebet nach oben und danke dafür, dass ich nicht mehr selbstständig im Catering tätig bin. Was gerade mit der Gastronomie geschieht ist ein Trauerspiel in Dimensionen.

Mir ist absolut klar, dass diese Zeiten für jedermann gerade absolutes Neuland sind und ein jeder damit struggled, wie es denn jetzt wohl weiter gehen wird. Am zufriedensten sollten wie immer die Beamten und Politiker sein. Auch für Politiker werden wieder die Diäten erhöht.

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