02. April 2019

Heute vor einem Jahr begann das Grauen. Vor exakt 12 Monaten wusste ich noch nicht, was auf uns zukommen würde.

Es war Ostermontag, wir unternahmen mit meinem Papa eine kleine Wanderung. Steffen ging es nicht so gut, er klagte über schlimme Ohrenschmerzen. Dem war auch der kalte und stürmische Wind nicht zuträglich. Es war nicht so schön wie heute.

Morgen werden wir das erste Mal die geschwollenen Lymphknoten ertasten.

Und das erste Mal dieses dumpfe kalte Gefühl in der Magengegend spüren. Das Gefühl der grauenvollen Vorahnung, die sich leider so schrecklich bewahrheiten wird.

Was habe ich seit dem gelernt?

Es ist absolut zweck- und sinnlos, sich über die Monstrosität der Zukunft Gedanken zu machen. Entweder kommt es schlimmer, gewöhnlich passiert jedoch gar nichts und am Ende wirst Du das eh irgendwie durchstehen.

Ich bin der Beweis auf dieser Welt dafür. Der arme Steffen in seiner Welt auf seine Art auch.

Da wo er jetzt ist, hat er keine Schmerzen mehr und wahrscheinlich bekommt er das jetzt alles hier gar nicht mehr mit und wenn doch, dann ist alles von Liebe erfüllt. Es ist also auch ok. Sterben müssen wir alle irgendwann.

Das ist einerseits erschreckend aber auch beruhigend.

Das einzige was uns weh tut, ist unser egoistischer Schmerz über den Verlust unseres Steffen. Die nicht mit ihm genutzte Zeit, vielleicht die nicht gesagten Worte und dass wir ihn nie wieder neben uns sitzen haben, lachen hören und seine Gegenwart genießen können. Das müssen wir mit uns ausmachen.

„Ich habe so eine Angst vor der Zukunft“

Wie reagiert man also am besten auf die lähmende und manchmal alles bestimmende Zukunftsangst:

Stelle Dir das Schlimmstmögliche vor, was passieren könnte und versetzte Dich komplett hinein. Was würdest Du tun? Könntest Du das schaffen? Ja? Wie würdest Du das machen?

Sehr gut. Dann brauchst DU jetzt auch keine Angst davor haben.

Dana Heidrich

Das klingt jetzt vielleicht verrückt oder einfach nicht vorstellbar, daher hier ein paar Fallbeispiele die sich steigern:

„Der Bus kommt nicht, ich komme zu spät auf Arbeit“ – Na gut, dann bist Du halt eine halbe Stunde zu spät, die hängst Du eben hinten dran. Das Meeting wurde deswegen verschoben? Hingen an der Entscheidung im Meeting Menschenleben? Nein? Super. Es ist nicht schlimm.

„Mein Kind schafft die Zensuren nicht, es wird niemals studieren können!“ – dann macht es halt eine normale Ausbildung, vielleicht wird es da sowieso glücklicher als in einem Studium. Niemand macht mehr normale Ausbildungen, alle studieren. Aber die Leute, die mit ehrlicher Hände arbeiten, sind gefragt, gefragter denn je. Auch in der virtuellen Welt ist ohne Studium sehr viel erreichbar. Das ist gar nicht schlimm.

„Mein Arm ist gebrochen, ich bin wochenlang krank geschrieben. Wer macht jetzt meine Arbeit auf der Arbeitsstelle?“ – geschenkt, wer einmal eine Kündigungswelle mitbekommen hat, weiß wie schnell jemand ersetzt wird. Jeder ist ersetzbar. Falls es wirklich kritisch ist, ist man auch per Mail erreichbar und kann helfen. Und wenn Du deswegen gekündigt wirst, was kaum möglich ist, wirst Du auch wieder einen Job finden. Genieße doch die freie Zeit und mach einfach mal etwas, was Du schon immer wolltest!

„Ich habe Krebs/Mein Partner hat Krebs“ – Stell Dir das schlimmste vor, was passieren kann. In dem Fall ist das wohl der Tod. Was wird danach? Ich habe immer gesagt, wenn Steffen stirbt, springe ich vom Balkon – easy – 11. Stock. Aber trotzdem hat mit mir eine Freundin über das Danach gesprochen. Ein Jobangebot da, der Blog hier. Vielleicht auch Bücher schreiben. Für Steffen war es einfach die Erlösung von den unsäglichen Schmerzen, die er in verschiedener Art und Weise seit 11 Monaten hatte. Und er sagte einmal zu mir, dass er es verstehen kann, wenn sich Menschen umbringen, weil sie Dauerschmerzen haben.

Die andere schlimme Vorstellung ist ein Pflegefall – und ja, das wäre am Ende natürlich auch gegangen, wie alles. Man hätte Anträge ausgefüllt, das Catering aufgelöst und hätte sich irgendeinen Job gesucht.

Man schafft einfach alles. Es ist unglaublich, zu was der Körper fähig ist.

How to handle shit:

  1. alle Dimensionen einmal vorstellen und bis zum Schluss durchdenken
  2. für jedes Szenario eine Lösung skizzieren und gegebenenfalls irgendwo notieren
  3. abhaken und weiterleben! Ja genau! einfach leben! Im Jetzt!
after the storm
Baum nach dem Sturm