03.11.2018 -11 Grad – Tag 116

Nach dem gestrigen Partyabend wache ich am Morgen völlig gerädert auf. Ich habe riesige Kopfschmerzen und das ganze nach nur einem Bier und einem Sekt. Da merkt man, wie sehr der Körper am Limit ist, wenn die kleinste Abweichung vom gesunden Lebensstil zu solch barbarischen Kopfschmerzen führt. Ich bin auch nicht mehr, was ich mal war.

Notdürftig und mit halber Kraft mache ich meine Dinge und später das Essen für die BlueManGroup.

Steffen hat sich für das Sonntagsessen Spare Ribs gewünscht. Er kommt ja erst wieder morgen aus der Charité, so soll er auch etwas feines zu Essen bekommen, da das heutige Charité-Mittagessen wieder einmal begeistert durch Geschmacklosigkeit und nicht vorhandene Konsistenz. Es gibt italienische Nudelsuppe mit watteweichem Tofu. Das Bild findet ihr hier, dass von den Rippchen leider nicht. Daher ist Steffens Freude auf die Rippchen groß. Also mariniere ich die auch noch schnell in der Küche mit Sojasoße, Zuckerrübensirup, Chilli, Tomatenmark und Rotweinessig und viel Knoblauch und Cumin. Steffen möchte immer nur meine Rippchen, da diese ihm am besten schmecken. Braver Steffen.

Steffen ist nach dem Konzertdesaster immer noch traurig und unmotiviert. Jeder neue Gang in die Charité erfordert immer mehr Kraft von ihm, er hat einfach keine Lust mehr. Er weiß ja jedes Mal was passieren wird, und das ist nicht schön. Sein Zimmernachbar jammert auch noch die ganze Zeit und zieht in damit noch weiter herunter.

Also fahre ich bei der Auslieferung fix an der Charité vorbei. Steffen wartet schon unten auf mich. Wir tuen so, als würde ich ihn entführen. Wie weiland meine Vorfahren: Mein Urururonkel, hatte die Postkutsche überfallen und wurde eingesperrt. In der Nacht stellte seine Frau den Heuwagen unter das Gefängnisfenster – es war sicher nur ein kleiner Karzer neben der Amtsstube – so dass mein Urururonkel aus dem Fenster auf den Heuwagen sprang und beide Richtung Torgau flohen.

Wir liefern also zusammen das Essen zum Potsdamer Platz und dann fahren wir noch schnell in die LPG und eine Runde durch Berlin, so dass Steffen endlich den Kopf frei bekommt von den Mitzimmerjammerern. Nach 10 Minuten kann er auch endlich wieder lachen. Danach geht es aber leider wieder für ihn zurück in die Charité.

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