03.12.2018 – 13 Grad -Tag 146

Steffen muss heute wieder um 09:30 Uhr zum Blutabnehmen, aber er traut es sich heute schon mal zu, alleine hinzufahren. Somit kann ich mich in Ruhe um den ganzen angefallenen Papierkram kümmern.

Nach dem Theater der letzten Wochen und dem Ende der letzten Chemotherapie realisieren wir langsam, dass es da noch ein anderes Leben gibt. Ein Leben, welches wir vor zehn Monaten geplant haben und als krönendes Ziel unseren Flug nach China am 20.12. bereithalten soll.

Glücklicherweise hat meine australische Schwägerin die ganze Planung und Organisation übernommen. Dafür hatte ich in den letzten Wochen natürlich null Gedanken und Kapazitäten. Außerdem spreche ich kein chinesisch, sie schon. Danke dafür, Andrea!

Bis zu diesem Moment war dies das Ziel, der Hoffnungsmoment, an dem alles gemessen wird. Kann Steffen mit seinen dicken Beinen fliegen? Und wie geht es nach der Chinareise weiter? Gibt es noch eine Chemotherapie oder gibt es eine Bestrahlung. Die Chinareise ist ein wichtiger Drehpunkt und Kräftemesser.

Aber nichtsdestotrotz müssen hierfür Visa beantragt werden. Und mit der Beantragung legt man in das Formular die Zuversicht, dass es klappen könnte. Welch ein zartes Pflänzchen doch die Hoffnung ist.

Vier Seiten lang! Zweimal vier Seiten lang. Einmal für Steffen und einmal für mich. Alles mögliche muss man hier angeben, wo man arbeitet, wer im Ernstfall zu benachrichtigen sei und minutiös die Ankunft, über die verschiedenen Unterkünfte usw. usf.. Aber glücklicherweise nur vier Seiten lang. Die Inder waren letztes Jahr nicht so gnädig und hatten ein neunseitiges Visa, in welchem man unter anderem nachweisen musste, dass man keine pakistanischen Verwandten hat.

Und bloß die richtige Passnummer angeben! O ist immer gleich 0, also die Ziffer, niemals der Vokal.

Nach einer Stunde bin ich damit durch. Desweiteren müssen noch Fotos fürs Visum gemacht werden. Die besten Fotos macht der Fotoladen auf der Oranienstraße. Wie immer wird das Foto aus dem Hüftgelenk geschossen und passt schon beim ersten Schuss.

Dass Steffen mittlerweile aussieht wie Fantomas, dafür kann er ja nichts. Der Pullover ist auch nicht hilfreich. Aber man sieht schön den Krebsmoppel vom vorher, der nachher fast weg ist:

vorher nachher Krebs
Visafotos mit vorher nachher

Und man sieht auch, dass eine Ernährung ohne Alkohol krass das Gesicht verändert, noch zusätzlich zur Chemotherapie. Die dicken Backen sind weg.

Und diesen Blog muss ich vorarbeiten. Einen ganzen Monat vortragen. Ich bin mir nicht sicher, ob die große chinesische Feuerwall mich in China durchlässt und ob ich jeden Morgen die Muse dazu habe.

Aber alles auch mit der großen Sorge, ob wir auch wirklich fliegen ….

Morgen gehen wir erstmal zum Visazentrum und geben den Antrag ab.

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Ein Kommentar zu „03.12.2018 – 13 Grad -Tag 146

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