04.08.2018 – 28 Grad – Tag 25

Heute ist der Tag, vor dem ich mich so sehr gefürchtet habe: ganz alleine mit einer mir neuen unbekannten Hilfskraft auf unser Hochzeitsschloss zu fahren um ein Hochzeitscatering auf die Beine zu stellen. Aber komischerweise bin ich komplett emotionslos. Ich habe gut geschlafen, habe mich nicht verrückt gemacht und stehe noch vor dem Weckerklingeln auf, so gegen 05:00 Uhr, und gehe in die Wanne.

Beim aussteigen aus der Wanne, strauchel ich und schlage mir das Schienbein an der Wannenkante ein. Sofort bekomme ich da eine riesige Beule, wie bei einer Platzwunde. Wie bei der Platzwunde, die ich als Kind hatte, als die anderen doofen Kinder mit Steinen auf mich geworfen und getroffen haben. Nur ohne Blut halt diesmal. Ich gehe zu Steffen ins Bett und weine und sage, schau mal, mein Körper will nicht dass ich gehe. Aber ich muss gehen. Also ziehe ich mich an, die kurzen Hosen, mir ist immer noch so warm, als hätte der Körper durch die Gluthitze der letzten Tage Wärmespeicherkapazitäten entwickelt. Also genieße ich die morgendlichen 20 Grad und fahre in die Metro noch die restliche Tiefkühlware einkaufen und fahre in die Küche und räume schon die Gewürzkisten zusammen. Man muss, wie schon gesagt, sämtliche Gewürze für alle Speisen mitnehmen und an alles denken, sonst ist man verloren.

Es ist kurz vor 08:00 Uhr. Meine einzige Sorge nunmehr ist noch, dass meine Hilfe nicht kommt und ich allein das Catering bewerkstelligen muss. Da wir in Vergangenheit öfter mit unzuverlässigem Personal zu tun hatten, habe ich sicherheitshalber gestern schon alles so vorbereitet, dass ich den Auftrag auch zur Not selbst stemmen könnte. Aber pünktlich um 08:00 Uhr klopft es an der Küchentür und er ist da. Schnell räumen wir das Auto ein. Er ist wahnsinnig schnell. Ich bin etwas fahrig, da ich aufgeregt bin. Er ist halt ein Fremder und ich fremdel gern. Ich brauche bei manchen Leuten sehr lange, um mit denen klar zu kommen, wenn sie nicht 100% mit mir kompatibel sind. Und solche Begegnungen bleiben ja im Berufsleben nicht aus. Als ich nun einen schweren GN-Behälter – das sind diese Metallbehälter, in denen in Restaurants beim Buffet die Speisen im Warmhaltebehälter stehen – aus dem Kühlschrank hebe, rutscht mir dieser aus der Hand und die scharfe Metallecke bohrt sich in meinen Oberschenkel. Blut. Toll. Selbstzerstörung. Mein Körper will wohl gerade nicht. Aber es nützt ja nichts, der Körper muss.

Wir fahren auf das Schloss, absolvieren den Auftrag. Meine Hilfe arbeitet die To-Do-Liste mit den Salaten ab, baut das Buffet auf und ist beim Aufbau rasend schnell. Aber die Chemie stimmt nicht richtig, ich bekomme das Dessert nicht richtig hin. Es ist alles eher 80 % unserer bisherigen Leistungen. Ich kann es nicht benennen, er ist gut, aber etwas stimmt nicht.

Das einzige Highlight des Tages ist: es regnet!!!! Oh mein Gott, seit gefühlt April der erste Regen, den ich wieder sehe. Zwar aus der Kellersicht, aber ich sehe ihn:

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Nach Buffeteröffnung verlassen wir sofort das Schloss, das Auto ist bereits eingeräumt, so kommen wir wieder zeitig in Berlin an. In der Cateringküche angekommen laden wir noch schnell das Auto aus, ich schicke ihn nach Hause. Jetzt fühle ich mich auch wieder erleichtert, nicht mehr so angespannt, weil ich in diesem Entertainmodus bin, um dem anderen das Gefühl zu geben, dass alles gut ist. Jetzt bin ich wieder ich und fahre nach Hause. Steffen hat schon Pizza bestellt.

Als ich endlich die Wohnungstür um 21:00 Uhr aufschließe, kommt mir Steffen mit einem gekühlten Bier in der Hand entgegen. Ich falle heulend in seine Arme. Es macht alles überhaupt keinen Spaß ohne Steffen.

Ja und was hat Steffen heute so gemacht? Er ist mit dem Fahrrad zu sich nach Hause gefahren. Er kauft beim Berliner Fleischer Würste zum Grillen für das Wochenende und frisches Hackfleisch um Hackmoppel für den Grill zu machen. Wir nennen sie Cevapcici, es sind aber natürlich keine Cevapcici. Das Rezept folgt sicher mal an einer anderen Stelle.

Auf dem Rückweg fällt Steffen auf, dass er alle Menschen doppelt sieht, dass er nicht fokussieren kann. Das gestaltet sich dann so, dass er auf den 5. Fahrradfahrer wartet, um loszufahren, aber da sind nur 3 Radfahrer. Scheinbar drückt das Ding in seinem Kopf auf den Sehnerv.

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