05.12.2018 – 7 Grad – Tag 148

In einer Woche hat Steffen den PET-Scan und einen Tag später bekommen wir die Ergebnisse, ob wir in einer Woche entspannt oder voller weiterer Sorgen nach China reisen können. Und ob wir überhaupt dorthin reisen können.

Natürlich kann ich so keine richtige Planung angehen. Und Geschenke für die ganze chinesische Familie kaufen. Warum Geld ausgeben, wenn man dann doch nicht hinfliegt. Und mittlerweile gehe ich zuerst immer vom Worst Case aus. Natürlich ist da noch Hoffnung, sonst wäre ich ja schon tot.

Aber alles derzeitige Handeln bestimmt der Worst Case.

Dieses Warten auf die Resultate macht einen wahnsinnig. Und ich weiß, dass es uns noch recht gut geht, dass Steffen aufgrund seiner privaten Krankenversicherung immer sehr schnell behandelt wird, ohne Murren in den PET-Scan kommt und seine Termine zügig erhält. Das geht ja auch ganz anders.

Aber irgendeinen Vorteil muss die private Krankenversicherung ja haben, wenn man schon nie wieder daraus heraus kommt, ohne auf fragwürdige Mittel zurückzugreifen.

Eine Möglichkeit die PKV zu verlassen wäre, seine Beiträge nicht mehr zu zahlen, bis man herausfliegt. Um dann jedoch nicht von der gesetzlichen Krankenkasse aufgenommen zu werden. (ok, das mag jetzt sogar gehen, aber ich bin vorsichtig)

Das hatte ich übrigens schon mal: Wenn man sich selbstständig macht, hat man meist viele schlaue Berater um sich herumschwänzeln, die einem einen Floh nach dem anderen ins Ohr setzen, jedoch im Ernstfall nicht helfen, das wird man aber noch lernen.

So ein feiner Berater rief mich jedes Jahr an, um die Krankenversicherung zu wechseln. Die Tarife werden ja teurer, also kann man kündigen und zu einer anderen Krankenversicherung wechseln. Dies ging ein paar Jahre lang immer ganz gut, bis ich diese Schilddrüsenerkrankung hatte. Diese wurde mir entfernt. Der feine Berater drängte mich jedoch noch vor der Schilddrüsen-OP zu einer neuen, noch besseren Versicherung. Ich fragte ihn, ob er die anstehende OP an die Versicherung weitergibt. Na klar doch, Frau Heidrich. Gar kein Problem. Das war im September.

Neues Jahr, neues Pech. Mit doppeltem Bandscheibenvorfall reiche ich meine Arztrechnungen im Januar ein. Eine Rechnung über ein Thyroxinrezept – das Ersatzhormon für Schilddrüsen – mogelt sich unter die Belege.

Zwei Wochen später bekomme ich ein Schreiben der Krankenkasse, dass sie mich nicht mehr versichert, da ihr die Schilddrüsenerkrankung nicht mitgeteilt wurde.

Und da stehe ich da, mit doppeltem Bandscheibenvorfall und keiner Krankenversicherung.

Monate verbringe ich mit der Suche nach einer neuen Krankenversicherung und bin während dieses Zeitraums nicht selbst versichert. Und die gesetzliche Krankenversicherung nimmt mich nicht, da ich selbstständig ein Unternehmen führe. Dieses funktionierende Unternehmen müsste ich aufgeben oder den Namen ändern und Steffen müsste mich einstellen, dann würden sie mich aufnehmen. Für 600 EUR im Monat.

Dasselbe müsste ich jetzt auch seit dem Schilddrüsenvorfall an die Private Krankenversicherung zahlen. Für eine Mindestabsicherung.

Da ich nun jeden Tag eine halbe Stunde auf Arbeit mit dem Fahrrad in die Küche fuhr, ich konnte aufgrund der Rückenschmerzen nicht im Auto sitzen, bat ich Steffen aus Spaß, im Falle eines Unfalls einfach direkt zur Unfallstelle zu kommen um mir über den Kopf zu fahren. Die Arztkosten der Behandlung könne er sowieso nicht bezahlen.

Sechs Monate später half mir dann der Vorgesetze des oben genannten Beraters und besorgte mir eine annehmbare Krankenversicherung, die man auch bezahlen kann. Vielleicht aus schlechtem Gewissen, man weiß es nicht. Den Berater gab es nicht mehr, es gab keine Unterlagen über unsere Gespräche – ich hasse diese cold call Vertreteranrufe. Man hat nie etwas in der Hand und wird kalt erwischt und lässt sich im Ernstfall zwischen Tür- und Angel bequatschen.

Aber seit der Tellows-App sehe ich immer vorher, wer mich anruft und wenn es nicht aus Berlin ist, geh ich auch nicht ans Telefon, ohne vorher die Nummer im Internet zu checken. In 95% der Fälle ist es eh nur Call-Center-Irrsinn. Dazu jedoch vielleicht ein anderes Mal.

Seitdem habe ich die Krankenversicherung nicht mehr gewechselt. Zu tief sitzt die Angst, nicht krankenversichert zu sein.

Zurück zum heutigen Tag: ich muss zwei Aufträge bearbeiten, die Arbeit fällt mir leicht von der Hand. Steffen ist auch bei mir, er schläft viel. Abends bestellen wir uns indisch und genießen unsere Faulheit und den Moment, dass es doch recht ruhig ist.

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