05.12.2018 – 7 Grad – Tag 148

In einer Woche hat Steffen den PET-Scan, hoffentlich übernimmt seine private Krankenversicherung – PKV – diesen Scan ohne weitere Probleme. Einen Tag später bekommen wir wohl die Ergebnisse, ob wir am 20.12. entspannt oder voller weiterer Sorgen nach China reisen können.

China

Und ob wir überhaupt nach Shanghai reisen können oder hier bleiben müssen, weil Steffen eventuell sofort weiter behandelt werden muss.

Natürlich kann ich so keine richtige Planung angehen. Und Geschenke für die ganze chinesische Familie kaufen. Warum Geld ausgeben, wenn man dann doch nicht hinfliegt. Und mittlerweile gehe ich zuerst immer vom Worst Case aus. Natürlich ist da noch Hoffnung, sonst wäre ich ja schon tot.

Aber alles derzeitige Handeln bestimmt der Worst Case und die Sorgen, so viele Sorgen.

Pro- und Kontra: Private Krankenversicherung

Dieses Warten auf die Resultate macht einen wahnsinnig. Und ich weiß, dass es uns noch recht gut geht, da Steffen ja eine private Krankenversicherung (PKV) hat und daher immer recht schnell behandelt wird, ohne Murren in den PET-Scan kommt und seine Behandlungstermine stets zügig erhält. Das geht ja auch ganz anders.

Aber irgendeinen Vorteil muss die private Krankenversicherung ja haben, wenn man schon nie wieder daraus heraus kommt, ohne auf fragwürdige Mittel zurückzugreifen.

Warum ist man überhaupt in der privaten Krankenversicherung?

Wenn man sich selbstständig macht, verdient man gewöhnlich nicht viel bis gar kein Geld. Zu dem Zeitpunkt, als wir uns selbstständig gemacht haben, kostete die gesetzliche Krankenversicherung monatlich 600 EUR. Eine unvorstellbare Summe. Da kam die private Krankenversicherung mit 150 EUR Kosten im Monat gerade recht.

Versicherungsmakler

Ist man dann einmal im PKV-Pool rufen einen ständig Versicherungsmakler an und empfehlen einen die noch bessere, umfangreichere Krankenversicherung. Sie setzen einem einen Floh nach dem anderen ins Ohr, mehr Leistung, Gleichstellung, Homöopathie usw. usf.. Man wechselt, der Makler kassiert eine Provision.

So ein feiner Berater rief mich jedes Jahr an, um die Krankenversicherung zu wechseln. Die Tarife werden ja teurer, also kann man kündigen und zu einer anderen Krankenversicherung wechseln.

Nachteile der privaten Krankenversicherung

Dieses ganze Wechseln ging ein paar Jahre lang immer ganz gut, bis ich eine Schilddrüsenerkrankung hatte. Die Schilddrüse wurde mir operativ im August 2013 entfernt.

Der feine Berater drängte mich jedoch noch vor der Schilddrüsen-OP zu einer neuen, noch viel besseren Versicherung. Ich fragte ihn, ob er die anstehende OP an die zukünftige Versicherung weitergeben würde. „Na klar doch, Frau Heidrich. Gar kein Problem.“

Neues Jahr, neues Pech. Und neue Krankenversicherung.

Mit doppeltem Bandscheibenvorfall, der auch gerade dazu gekommen war reiche ich meine Arztrechnungen im Januar der PKV ein. Eine Rechnung über ein Thyroxinrezept – das Ersatzhormon für Schilddrüsen – mogelt sich unter die Belege.

Zwei Wochen später bekomme ich ein Schreiben der neuen Krankenkasse, dass sie mich nicht mehr versichert, da ihr die Schilddrüsenerkrankung nicht mitgeteilt wurde.

Und da stehe ich da, mit doppeltem Bandscheibenvorfall und keiner Krankenversicherung.

Krankenversicherungspflicht in Deutschland – was bedeutet das?

Monate verbringe ich nun mit der Suche nach einer neuen privaten Krankenversicherung (PKV) und bin während des gesamten Zeitraums nicht krankenversichert.

Wie ist das möglich, in Deutschland herrscht doch Krankenversicherungspflicht?

Krankenversicherungspflicht bedeutet lediglich, dass man selbst dafür sorgen muss, dass man krankenversichert ist. Der Staat ist nicht verpflichtet, dich zu versichern. Muss man wissen!

Die gesetzliche Krankenversicherung nimmt mich aber jetzt nicht an, da ich ja selbstständig ein Unternehmen führe. Dieses funktionierende Unternehmen müsste ich aufgeben oder den Namen ändern und Steffen müsste das Unternehmen selbst weiterführen und mich einstellen, dann wäre ich wieder gesetzlich versichert. Für 600 EUR im Monat.

Dieselben 600 EUR müsste ich nun auch an die Private Krankenversicherung zahlen, da ich ein Riskiko-Patient bin: ohne Schilddrüse, Bandscheibenvorfall und was sonst noch so kommt. Depression ist auch ein absolutes NoGo bei der PKV.

Und die 600 EUR müsste ich für eine Mindestabsicherung mit hoher Selbstbeteilung zahlen.

Selbst und ständig

Da ich während des Bandscheibenvorfalls nun jeden Tag eine halbe Stunde auf Arbeit mit dem Fahrrad in die Küche fahren musste, da ich aufgrund der Rückenschmerzen nicht im Auto sitzen konnte, bat ich Steffen stets aus Spaß, im Falle eines Unfalls direkt zu mir zur Unfallstelle zu kommen um mir über den Kopf zu fahren. Die Arztkosten der Behandlung könne er sich so sparen.

Sechs Monate später half mir dann der Vorgesetzte des oben genannten Versicherungsmaklers, er hatte scheinbar noch einen letzten Funken Verantwortung im Leib, und besorgte mir eine annehmbare Krankenversicherung, die ich auch bezahlen konnte.

Den vorgenannten Versicherungsmakler gab es nicht mehr, es gab keine Unterlagen über unsere Gespräche, wenn ich seinen Namen google, finde ich nichts. Diese ganzen Problem wuchsen also lediglich aus einem sogenannten Cold-Call-Makleranruf.

Bei diesen Cold Calls hat man nie etwas in der Hand und wird kalt erwischt und lässt sich im Ernstfall zwischen Tür- und Angel bequatschen.

Aber seit der Tellows-App sehe ich immer vorher, wer mich anruft und wenn es nicht aus Berlin ist, geh ich auch nicht ans Telefon, ohne vorher die Nummer im Internet zu checken. In 95% der Fälle ist es eh nur Call-Center-Irrsinn. Dazu jedoch vielleicht ein anderes Mal.

Seitdem habe ich die Krankenversicherung nicht mehr gewechselt. Zu tief sitzt die Angst, nicht krankenversichert zu sein.

Zurück zum heutigen Tag: ich muss zwei Aufträge bearbeiten, die Arbeit fällt mir leicht von der Hand. Steffen ist auch bei mir, er schläft viel. Abends bestellen wir uns indisch und genießen unsere Faulheit und den Moment, dass es seit langer Zeit doch mal recht ruhig ist.