06.08.2018 – 32 Grad – Tag 27

Morgens ist es noch angenehm klar und relativ kühl bei 21 Grad, wir laufen zusammen zum Bäcker und holen noch einmal Frühstücksbrötchen. Dann verabschieden wir uns von meinem Papa und fahren nach Dresden zu Steffens Eltern. Eigentlich wollen wir schön gemächlich wieder über Land und Städte fahren, aber auf der halben Strecke fällt Steffen wieder auf, dass das Auge abschwirrt und er nicht fokussieren kann. Die Präventivkopfschmerztablette hat er längst genommen. Aber auch die wirken nicht mehr, ich glaube, heute gab es zum Frühstück eine Migränetablette. Also fahre ich schnell zurück auf die Autobahn und gleich sind wir auch bei den Eltern angekommen.

Nun wird es natürlich wieder emotional für alle, ist ja Steffens Mama. Und dann sagt sie so Sachen wie: „Dana, das wird ganz schwer für Dich.“ Ja, das ist bekannt, aber man will es halt nicht hören und was soll man denn auch machen? Ich lass doch Steffen nicht alleine, damit mein Leben einfacher ist. Die Stimmung geht bei mir sofort in den Keller. Dasselbe gilt auch für Fragen wie: „Was macht Ihr eigentlich, wenn nach der Chemo noch Krebs da ist?“ oder „Schaffst Du das alles, Dana?“. Ja, keine Ahnung. Ich denke nicht darüber nach. Ich darf nicht darüber nachdenken. Das schlimmste, was man jetzt tun kann, ist sich vor Angst einrollen und darüber grübeln, was wohl jetzt kommen wird.

Fakt ist: wenn die Scheiße kommt, dann definitiv nicht so, wie erwartet! 

Es ist schon wieder Mittagszeit, also mache ich einen bunten Gemüsesalat für alle, dazu gibt es Knacker. Der letzte vor der Chemo. Fleisch und besonders Gepökeltes ist dann verboten.

Dann fahren wir noch etwas durch Dresden und besichtigen den alten Garten. Es ist  – natürlich – schon wieder glühend heiß. Es nervt langsam richtig. Glücklicherweise hat das Auto eine Klimaanlage.

Abends haben wir uns mit Steffens Bruder und Familie im Brauhaus Watzke verabredet. Steffen und ich sind etwas aufgeregt, es ist das erste Treffen nach den emotionslosen Kommentaren des Bruders – worüber sich Steffen so aufgeregt hatte – hier ist noch einmal zu lesen, was am 11.07.2018 geschah. Danach war es ja bei den beiden etwas ruhiger geworden.

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Das Brauhaus ist wunderschön an der Elbe gelegen, es gibt deftige, hauptsächlich bayrische Kost.

Wir trinken uns Mut an. Bier trinken geht auch noch, bis zur Chemo – das haben wir uns gesagt, während der Chemo sind Alkohol, Fleisch und Zucker tabu.

Irgendwann kommt dann der Bruder mit Familie, seine Frau spricht uns direkt auf diesen WhatsAppMail-Verkehr an und das daraus entstandene Missverständnis. Dann platzt es aus mir raus, dass sich Steffen ja schon seit der Hochzeit, seit 4 Jahren mit dem Verhalten des Bruders herumquält. Natürlich hat er nur einmal leise was gesagt und dann nie wieder, und alles in sich herein gefressen. Ich sage, dass wir den Krebs nach dem Bruder benannt haben, da laut der traditionellen chinesischen Medizin Ärger und Wut auch eine Ursache für den Krebs ist.

Der arme Bruder fällt aus allen Wolken. Vor lauter Stress hat er das Ganze überhaupt nicht wahr genommen bzw. ernst genommen. Große Brüder sind ja eh immer flapsiger und arroganter kleineren Geschwistern gegenüber. Er entschuldigt sich. Die beiden umarmen sich und sprechen sich endlich aus. Was für eine Schlacht wurde da gerade geschlagen. Steffen ist endlich von dem vier Jahre dauernden Fluch erlöst. Sie versprechen sich, jetzt jede Woche zu telefonieren, damit sowas nie wieder geschieht.

Merke:
Solche Sachen direkt ansprechen, bevor es sich verschlimmert! Wenn Du Krebs hast, schau mal, ob bei Dir irgendein Ärger vorliegt, den Du vielleicht noch vor der Chemo regeln kannst. Das ist gut für Deine Seele und die Genesung!

 

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