06.12.2018 – 10 Grad – Tag 149

Heute ist Nikolaustag. Wir überraschen uns mit kleinen Geschenken. Bevor ich zur Arbeit losfahre, sagt Steffen: heute ist Donnerstag. Im regulären Zyklus würde jetzt wieder meine Chemotherapie beginnen.

Das ist also das erste Mal, dass er nicht zur Chemotherapie muss. Aber dieses Mal hat er wirklich an den Nebenwirkungen zu knabbern. Füße und Hände kribbeln und sind taub, alle Knochen schmerzen. Sobald Steffen stehen oder gehen muss, bekommt er dicke Beine.

Der Körper funktioniert im Notbetrieb und muss erst wieder lernen, alle Lymphflüssigkeiten zu transportieren. Wir behelfen uns mit der Faszienrolle, um das Gewebe in Schwung zu bekommen. Aber Steffen ist genervt, er will dies alles so schnell wie möglich hinter sich lassen.

Bis jetzt hat er diesen Wahnsinn sehr gut mit Ignoranz überlebt. Diesen Blog hat er bis jetzt noch nicht einmal gelesen. Er erträgt es nicht. Und die Ungewissheit nervt. Er hat fürchterliche Angst, noch weitere Behandlungen über sich ergehen lassen zu müssen.

Nach der getanen Arbeit hole ich Steffen zu Hause ab. Unsere Visa sind fertig. Wir fahren wieder zur Visabehörde, auf dem Weg dahin treffen wir eine alte Freundin Frau M. Große Freude.

Weitere zehn Minuten später und 250 EUR ärmer halten wir unsere Pässe mit den Visa in der Hand.

Wir können jetzt theoretisch nach China ein- und wieder ausreisen! Wir können es kaum fassen, gleich gebe ich meinem Bruder samt Schwägerin Bescheid. Wenn alles gut läuft, werden wir unser Weihnachten mit der chinesischen Familie in Shanghai verbringen.

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