Es fängt wie ein ganz normaler Tag an. Steffen war über Nacht wieder in seiner Wohnung, da ich heute doch einen arbeitsintensiveren Tag als gestern habe:  zwei normale Mittagsaufträge und dann obendrein das Bundesministerium für Gesundheit.

Ein ganz normaler Tag im Catering

Da ich beschlossen habe, mich meinen Ängsten zu stellen, liefere ich heute auch alles ganz allein aus. Inklusive der Lieferung in das Bundesministerium für Gesundheit.

Also fange ich früh ganz zeitig an, kaufe ein, koche alles, belade dann das Auto mit Mittagslieferung Nr. 1. Diese geht nach Mitte, von dort fahre ich zum Bundesministerium für Gesundheit, baue dort alles auf, mache aus Versehen fast den Fahrstuhl kaputt und dann fahre ich zur letzten Auslieferadresse. Obendrein tanke ich auch noch das Auto selbst voll (ja, das hat Steffen immer gemacht) und habe plötzlich seit langem eine mega gute Laune.

Das habe ich alles ganz allein geschafft! Super, es ist dann doch machbar, der ganze Wahnsinn ist alleine zu schaffen!

Beschwingt rufe ich zuhause Steffen an, es regnet nämlich, ich könne ihn ja zuhause abholen, da muss er nicht mit dem Bus zu mir gefahren kommen. Ich freu mich so dolle Steffen zu sehen, alles wird gut! Endlich!

Er wartet schon am Straßenrand vor seinem Haus auf mich und steigt zu mir ins Auto. Sofort fange ich an, ihn vollzuplappern. Ich verkünde ihm, wie stolz ich auf mich bin und erzähle ihm lang und breit, wie ich das heute alles allein so super geschafft habe.

Er hört kaum zu und ist irgendwie abwesend. Ich frage ihn was los ist.

Der Knubbel

„Ach, ich will es Dir ja gar nicht sagen, aber kann es sein, dass der Knubbel am Hals wieder dicker geworden ist?“

Vorsichtig taste ich Steffens Hals während der Fahrt mit eiskalten Händen ab. Und er hat Recht, da ist wieder dieser beschissene Knubbel, mit dem alles angefangen hat.

Wir bekommen Panik. Was ist das? Turbokrebs der noch schneller wächst, als aggressiver Krebs wächst? Und das jetzt, jetzt wo eigentlich noch die ganzen Chemotherapiemedikamente wirken? Zum Arzt fahren bringt jetzt auch nichts, wir haben ja nächste Woche sowieso den PET-Scan, wo jede Krebszelle leuchtet, wie ein Weihnachtsbaum. Eine klareres Ergebnis kann man so zeitnah nicht bekommen.

Und da ist er wieder, der Touchdown in die Realität. Zuhause versuche ich Steffen zu beruhigen, aber ich kann mich kaum selbst beruhigen. Gedrückt fahre ich nun wieder zurück ins Ministerium für Gesundheit, es muss ja wieder alles abgebaut und abgeholt werden.

Alles ist jetzt anders mit einem Scheißegefühlsfilter über allem. Verschwunden ist das Glück und die Euphorie.

Abends heulen wir gemeinsam. Hoffnungslos. Desillusioniert.

Wie geht’s denn aber jetzt weiter?

Wenn der Knubbel so schnell wächst, muss doch auch genauso schnell was dagegen gemacht werden? Da können wir nicht nach China fliegen. Ich gebe meinem Bruder Bescheid. Und weine.

Das einzige Highlight ist, dass Frau V. und Herr R. heute Abend wieder aus Wien zu Besuch kommen. In den allerübelsten Stunden sind die beiden immer für uns da.