08.08.2018 – 36 Grad – Tag 29

Wir stehen zeitig auf, wenn es noch etwas kühler ist. Steffen packt sein Köfferchen für 5 Tage, da er 5 Tage im Krankenhaus sein wird. Früh fahre ich Steffen in die Charité. Natürlich gibt es keine Parkplätze, also parke ich illegal und bringe Steffen in den 19. Stock.

Auch hier bekommen wir beide wieder einen Schauer, ob der Tatsache, dass es in ein Krankenhaus geht. Als wir endlich oben sind, melden wir uns bei den Schwestern. Die sind alle extrem nett und hilfsbereit. Leider ist noch kein Bett frei, so wird Steffen in ein kleines Zimmer geführt, in dem ein Arbeitstisch, Verbandsmaterial und eine Liege stehen. Er soll warten, bis ein Bett frei wird, man kümmert sich dann um ihn. Ich warte noch ein bisschen, dann muss ich aber los. Das Auto steht ja falsch und ich kann gerade überhaupt nicht helfen. Ich bin sehr froh, das Krankenhaus verlassen zu dürfen und Steffen tut mir sehr leid.

Später am Tag berichtet er mir, dass er den Port für die Chemotherapie gelegt bekommen hat. Dies alles geschah unter Teilnarkose, da Vollnarkose immer sehr riskant ist. Als Sie den Zugang zu der Vene gelegt haben, mussten sie an ihm zupfen und rupfen und den Zugang in die Vene schieben. Er fühlte sich wie die Weihnachtsgans, wenn sie zugenäht und festgezurrt wird. Er bekommt alles mit, nicht den Schmerz, aber das Herumrupfen. Aber er ist tapfer und übersteht das ganze wie ein Held. Danach geht es ins Dreibettzimmer mit illustren Mitbewohnern. Einer quatscht die ganze Zeit über alles und noch viel mehr Nichtigkeiten. Glücklicherweise ist er Raucher und eigentlich von früh um 5:00 Uhr bis abends 23:00 Uhr vor der Charité im Raucherbereich zu finden. Aber ab und zu muss er auch hoch. Wir durften ihn schon bei der Ankunft im Fahrstuhl kennen lernen und ich dachte noch so, ach du Scheiße, wenn du so jemanden auf dem Zimmer hast. Und, tadaa! Glückwunsch, Steffen! Der nette Herr wird ihr Zimmergenosse sein.  Der andere ist ein armer Wicht, der die ganze Zeit auf Toilette verbringt und eine Spritze nach der anderen in den Bauch bekommt.

Am selben Tag bekommt Steffen für die Vorbereitung der Chemotherapie noch eine Nierenspülung, damit der Körper besser mit den Giftstoffen umgehen kann.

Ich mache meinen ganz normalen Tag weiter, kaufe in der Metro ein und liefere das Essen bei der BlueManGroup aus. Die Chefassistenz kommt herbeigeeilt und auf einmal wird der Raum voll und das Team gibt mir ein Bild, auf dem alle unterschrieben haben:

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Wie toll, wie herzlich, wie empathisch! Ich bin total gerührt.

Aber jetzt rücke ich mit meiner schlechten Nachricht heraus. Ich verkünde, dass ich wohl das Catering beenden werde, da ich es alleine nicht in dem Umfang schaffe, dass man Geld verdient und ich so den Druck auf Steffen herausnehmen möchte.

Alle sind traurig und entsetzt, verstehen aber meine Situation. „Wo sollen wir den jetzt so ein gutes Catering herbekommen? Bei Euch schmeckt es immer so schön selbstgemacht. Wir waren so froh, Euch gefunden zu haben!“ Jetzt weine ich auch. Ist es doch die richtige Entscheidung?

Ich fahre nach Hause, mache Steffen schnell einen frischen Salat und bringe diesen zusammen mit einem Liter Chaga-Tee auf dem Fahrrad in der Gluthitze ins Krankenhaus. Er wartet schon auf mich vor den Fahrstühlen, mit seinem Tropf bei der Hand. Jetzt sieht er wirklich aus, als wenn er hier hin gehört.

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