09.11.2018 – 10 Grad – Tag 122

Heute habe ich nur einen Auftrag, also kaufe ich alles dafür ein, jedoch bin ich überhaupt nicht motiviert. Fahre in die Küche und bereite alles zu. Ich bin wie betäubt. Arbeite alles herunter, richte alles an. Ich brauche ewig und komme nicht aus dem Pott. Dieses Nierenversagen hat mich zu tiefst desillusioniert. Innerlich bin ich grau und wie Watte. Da ist nichts. Nur Schmerz und Mitleid um Steffen. 

Während dem ganzen Vormittag schickt mir Steffen Nachrichten aus dem Krankenhaus: Heute muss sein Urin gesammelt werden, um die Ursache des Nierenversagens herauszufinden.  Er ist immer noch total schlapp. Heute wird er auch nicht nach Hause kommen. Wir sind beide ziemlich entgeistert und motivationslos.

Die Ärzte sagen, dass er mit 20%iger Wahrscheinlichkeit am Samstag nach Hause kommt, aber wahrscheinlicher ist es, dass er am Montag das Krankenhaus verlässt. Wir sind beide wie betäubt. So haben wir uns Steffens 40. Geburtstag nicht vorgestellt. In einer Parallelwelt hatte ich uns ein Wochenende im Hotel gebucht, aber das habe ich schon vor vier Monaten storniert, als dieser Ganze Wahnsinn hier begann. Aber ich habe das Wochenende komplett frei gehalten, damit wir wenigstens zwei Tage für uns haben. Nun wird jeder allein da hocken, Steffen im Krankenhaus und ich zuhause. Wir sind sprachlos.

Aber Steffen versichert mir, dass die Niere keinen Schaden genommen hat, das wäre normal bei Chemotherapie, sagen die Ärzte. Und er hat extra drei verschiedene Ärzte dazu befragt. Das ist das einzige beruhigende bei der ganzen Chose.

Irgendwann liefere ich aus und komme fast zu spät an. Die liebe Kundin fragt wie es mir geht, sie hätte den Blog gelesen. Mein Blick bricht,wir reden nicht weiter. Danach fahre ich die Sachen von gestern abholen und bringe die schmutzigen Sachen in die Küche. Ich habe keine Lust abzuwaschen.Was am Ende bleibt und was einem niemand abnimmt, ist die Arbeit. Ich wende mich von der Arbeit ab, schließe die Küche ab und fahre nach Hause. Ich habe keine Energie, solange ich nicht weiß, was mit Steffen los ist.

Zuhause packe ich alles Fehlende für Steffen für die nächsten Tage ein sowie einen Smoothie.

Mein Abfluss in der Küche ist immer noch verstopft. Niemand von der Hausverwaltung hat sich gemeldet. Wie immer gilt, hilf dir selbst, so hilft dir Gott. Ich schütte eine Flasche Rohrreinigergel in das über den  Tag ausgetrocknete Rohr und verlasse die Wohnung und fahre mit dem Rad zu Steffen.

Wir reden, ich gebe ihm den Smoothie, extra eine super milde Sorte. Aber er kann ihn nicht trinken, von dem vielen Erbrechen ist seine Speiseröhre entzündet und alles tut im weh. Wir reden und weinen. Es ist schwer. Dieser Impact hat uns beide zutiefst verstört. Haben wir mit unserer Ernährung etwas falsch gemacht? Sollte ich besser das Catering aufgeben, um immer für ihn da zu sein?

Irgendwann fahre ich wieder heim, ich hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen und habe auch keinen Appetit. Mittlerweile habe ich seit Steffens Krebserkrankung 5 Kilo abgenommen.

Zuhause angekommen, schütte ich kochendes Wasser in den Abfluss. Unter Gurgeln, blubbern und stöhnen löst sich der Klumpatsch aus Schlick und gibt das Rohr frei. Endlich!!! Ich berichte sofort Steffen.

Gefühlt macht das, dass ich etwas Kontrolle zurück erlange.Endlich kann ich abwaschen und die Wäsche waschen. Nach dem Kotze-Impact ist das nötig. Ich esse später aus Vernunft irgendwelche Nudeln und gehe in die Wanne. Um 20:00 Uhr  fallen meine Augen zu. Ich bin schrecklich erschöpft.

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