09.12.2018 – 7 Grad – Tag 152

Es ist Sonntagmorgen. Wir sind bei Steffens Eltern. Nachdem wir den beiden gestern unsere Sorgen über die wohl erneute Krebserkrankung und unsere ungewisse Zukunft lang und breit erzählt haben, ist beim heutigen Frühstück Stillschweigen über die Thematik angesagt.

Aber das tut auch sehr gut, wir haben uns schon wieder viel zu sehr Gedanken über die Zukunft gemacht und wie es jetzt wohl weiter geht, dass Dresdner Banalitäten aus einer Welt ohne Probleme gerade heilsam sind.

Gleich nach dem Frühstück fängt die Mutti auch gleich schon wieder mit der Vorbereitung des Mittagessen an.

Mir sind solche Tagesabläufe rätselhaft: aufstehen, Frühstück machen, wegräumen, sauber machen, Mittagessen machen, wegräumen, saubermachen – wahlweise hier bitte noch ein Kaffee mit Kuchen integrieren – und dann das Abendbrot vorbereiten, essen, wegräumen, saubermachen. Tagesschau. Einen Film schauen, vielleicht ein Buch lesen. Bett.

Erstens ist es mir unverständlich, so oft am Tag zu essen und zweitens, und noch viel wichtiger: wo bleibt da die Zeit für einen selbst? Für Hobbies? Aber, jeder nach seiner Fasson.

Mittags gibt es Sauerbraten mit Rotkraut und Klößen, für Steffen ohne Fleisch. Heute Abend gibt es noch mal Fleisch, da möchte er nicht schon mittags seinen Fleischkredit verschießen.

Nach dem Mittag gehts zu meinem Papa, dazwischen noch kurz dem Neffen zum Geburtstag gratulieren und weiter.

Da dies unser letzter Abend in diesem Jahr mit Papa ist, wenn, ja wenn wir nach China fliegen dürfen, ziehen wir Weihnachten vor. Um ganz genau zu sein, das typische Oberlausitzer Weihnachtsessen.

Entgegen des allgemeinen deutschen Weihnachtsabendessens am Heiligabend, dem Kartoffelsalat mit Würstchen, gibt es bei uns in der Region wo ich herkomme:

Schlabberwürste mit Sauerkraut, gebratenen Zwiebeln und Salzkartoffeln

Weihnachtsessen in der Oberlausitz
Schlesische Bratwürste mit Sauerkraut und Kartoffeln

Das ist natürlich nicht im entferntesten eine krebskonforme Ernährung, aber heute ist für uns Heiligabend und diese Würste gibt es nur zu einer bestimmten Zeit frisch beim Fleischer zu kaufen.

Die Würste sind schlesische Bratwürste, also rohe Bratwürste, daher auch der Name „Schlabberwürste“, welche zu Weihnachten anders gewürzt werden.

Hochkonzentriert werden diese gebraten, keine darf aufplatzen:

Bratwurst
Konzentrierter Bratvorgang der Schlabberwürste

Nach dem Essen reden wir mit meinem Papa auch noch weit in die Nacht hinein und laden unsere Sorgen ab.

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