10.07.2018 – 26 Grad Celsius

IMG_20180521_205128_188Wir hatten uns am Vortag gezofft, daher hatten wir in getrennten Wohnungen geschlafen. Ich fahre separat mit dem Fahrrad in unsere Küche. Steffen hat schon die Küche beräumt und wartet auf der Türschwelle auf mich, damit wir zusammen zum Krankenhaus gehen können. Ich komme etwas später an und fauche ihn direkt an, warum er noch nicht im Krankenhaus ist. Man muss doch pünktlich sein! Er fährt mit meinem Fahrrad davon. Ich halte weiter emotional Distanz. Ich laufe direkt zum Krankenhaus, kaufe unterwegs beim Bäcker noch was zu Essen, da ich ahne, dass das Anamnese-Gespräch dauern wird und komme dann auch im Krankenhaus an. Im Wartezimmer raufen wir uns halbwegs zusammen.

Da wir beide fest der Meinung sind, dass die Ursache der geschwollenen Lymphknoten nur eine verstopfte Nebenhöhle ist, wollen wir am Anfang noch mit dem Arzt sprechen. Vielleicht kann man ja die OP absagen. Steffen hatte bei der Voruntersuchung einfach einmal „Chefarztbehandlung“ angekreuzt. Natürlich wird das nicht von unserer privaten Krankenversicherung gedeckt, aber das ist uns gerade total egal, da die Angst groß ist. Nun kommt der angekreuzte Chefarzt und hat Zeit und schaut sich Steffen mit diversen Geräten von Innen an und direkt zahlt sich das Kreuzchen aus, da wir endlich Gewissheit bekommen. Er sagt:

Es ist höchstwahrscheinlich ein Lymphom. Was ist das? Lymphdrüsenkrebs. Der drückt auf alles, alles ist verstopft.

Gefasst sitzen wir auf unseren beiden Stühlen. Nicken höflich. Innerlich ist jedoch der Schock. Unsere Eingeweide verkrampfen sich. Dennoch versuchen wir freundlich zu bleiben und zu fragen. Natürlich will sich der Arzt zu diesem Zeitpunkt nicht darauf einlassen, feste Angaben zu machen.

Auf alle Fälle muss die OP durchgeführt werden, damit man auch an den Knoten kommt um eine Probe zum nehmen.

Da ich noch einen Termin bei unserer Knochenärztin habe, fahre ich weg. Fahre zu ihr. Meine Pilates-Lehrerin und Frau Dr. öffnen die Tür. Ich breche heulend zusammen. Langsam piekst sich die Realität ins Bewußtsein. Beide trösten mich, Frau Dr. sichert maximale Unterstützung zu. Sie kann medizinisches Cannabis besorgen und betreut Schmerzpatienten. Obendrein beruhigt Sie mich, dass Lymphdrüsenkrebs mittlerweile sehr gut zu behandeln ist.

Abends sind wir zuhause. Sprachlos. Schauen Fernsehen, ich bin kalt wie Eis. Als wenn mein Körper keine Nähe zu Steffen zulassen will, damit mein Herz nicht verletzt wird, jetzt wo es kurzfristig endlich ist. Irgendwann später bricht es raus, wir liegen im Bett, umarmen uns. Weinen. Statieren, dass wir uns nicht verlieren wollen.  Schon wieder dieses tiefe existenzielle Angstgefühl. Werden wir jemals einmal ohne leben können?

Positiv:

wir haben uns

 

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