Am Sonntagmorgen um 6:00 Uhr stehen wir auf, machen uns ein ordentliches Frühstück und fahren gleich ins Krankenhaus zum Blut abnehmen. Steffen geht’s schon viel besser. Der Morgen belohnt uns mit unglaublichem Licht und einen Regenbogen, bevor der Regen komplett in Berlin einsetzt:

Wir haben uns heute Mittag zum Mittagsbrunch gleich noch mal mit Frau J. verabredet, bevor sie wieder zurück nach Amerika fliegt.

Jetzt muss nur alles mit dem Blut klappen und die Blutwerte in Ordnung sein. Das Blut ist schnell mit dem Port abgezapft und um die Zeit bis zum Ergebnis zu überbrücken, gehen wir auf den Trödelmarkt auf der Straße des 17. Juni. Es ist das erste Mal in diesem Herbst arschkalt und nass. Also fahren wir nach Hause, denn dort ist es warm und muckelig.

12:30 Uhr finden wir uns wieder, wie mit dem Arzt verabredet, in der Charité ein und setzen uns erst einmal ins Zimmer. Aus Aberglauben haben wir den Beutel für Steffens Übernachtung im Krankenhaus mit ins Zimmer genommen. Dem Schicksal bloß keine Hoffnung zeigen! Dennoch sind wir uns aber sicher, da es ihm so gut geht, dass wir gleich wieder nach Hause gehen können.

Kreatinin

Also sitzen wir im Zimmer, ich auf dem Besucherstuhl, Steffen auf seinem Bett, der Arzt macht Visite beim Zimmernachbar. Als er fertig ist, schaut er kurz Steffen an und sagt mitten im aus dem Zimmer gehen,

„Die Kreatininwerte sind noch zu hoch, Sie bleiben bis Dienstag drin!“

Pow. Die Faust trifft genau in Magengrube. Nochmal. Steffens Gesicht zerfällt. Schock, mal wieder.

Ich weiß nicht wie ich reagieren soll und google sofort Kreatinin. Normal ist max 1.48 bei erwachsenen Männern. Kreatinin ist ein Abbauprodukt und entsteht durch den Abbau von Muskeln hauptsächlich bei Bodybuildern,  Fleischeiweißabbau, blutenden Wunden und Vergiftungen.

Ich bekomme Panik. Konnten wir denn nicht genügend Flüssigkeit mit Tees zuführen? Liegt es daran, dass er den Tropf besser verträgt als normale Getränke? Ist die Niere doch kaputt?

Steffen sagt bockig, ich will nicht drinnen bleiben! Wir sind hilflos. Was jetzt?

Wir beschließen also, nach den Werten von gestern zu fragen, wir haben ja gar keinen Vergleich. Der Arzt sitzt an der Rezeption. „Ja, was ist?“ Wir fragen nach den Werten von gestern. er sagt, dass die Werte sich wesentlich verbessert haben. Ok, sage ich. Also ist es egal ob Tropf oder Tee? Was ist, wenn er zuhause weiter 4-5 l trinkt? Der Arzt fragt: „Ja wenn er das schafft? Normale Menschen schaffen das nicht. „, „Das ist das Problem?“ frage ich. „Ja.“ „Kann er dann nach hause, wenn er die Menge trinkt?“ „Klar! Sie müssen aber morgen 07:30 wieder zur Blutabnahme hier sein“

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Wow. Wir gucken uns an. Geil! Nach Hause! Wir dürfen nach Hause!!! Weil wir uns endlich mal getraut haben, aufzustehen und nachzufragen. Wir haben uns getraut, für uns einzustehen!

Schnell flüchten wir aus dem Krankenhaus und fahren zum vereinbarten Brunchort in Friedrichshain. Auf dem Weg dort hin kommt

Wie passend! Wir heulen beide vor Erleichterung im Auto, so ein Stein ist uns vom Herzen gefallen.

Im Restaurant treffen wir uns wie vereinbart mit J. und frühstücken, alles ist wunderbar. Wir genießen jede Sekunde, jeden Bissen und jeden Schluck. 

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