11.12.2018 – 3 Grad – Tag 154

Wie jeden Dienstag hätte ich heute wieder meinen Pilatestermin. Jedoch sagt meine Lehrerin schon zeitig den heutigen Termin ab. Dem Baby in ihrem Bauch geht es nicht gut, sie darf keinen Sport machen bzw. arbeiten.

Eine Stunde später sagt meine Freundin unseren heute Mittag geplanten gemeinsamen Termin ab.

Ich bin gar nicht böse. Meine Gedanken drehen sich in der Endlosschleife um den morgigen Termin und die Resultate daraus, welche wir dann wohl hoffentlich endlich übermorgen erfahren werden.

Zuallererst müssen wir wissen, ob wir nach China fliegen dürfen, oder nicht. Seit einem Jahr wurde die Reise von meiner Schwägerin organisiert, mein Bruder, der in Australien lebt, hat eine Asiatin geheiratet und über Weihnachten ist ein Familientreffen mit ihrer ganzen Familie und daraus resultierend, ein Wiedersehen mit meinem Bruder geplant. Wir haben die beiden seit einem Jahr nicht mehr gesehen, umso mehr freue ich mich auf ein solches Wiedersehen.

Obendrein liebe ich alles asiatische und ganz besonders die Küche. Es wäre so schade, die Reise nicht in Anspruch zu nehmen. Steffen meinte zwar schon, dass ich im Ernstfall ja alleine fliegen könne. Aber in so einem schweren Moment kann ich ihn nicht alleine lassen.

So sehr ich jedoch auch die chinesische Küche liebe, heute Abend kochen wir indisch. Um es einfacher zu machen, greife ich auf die Zauberkiste des lokalen indischen Großhandels zurück:

ich schicke Steffen ein grisseliges Bild vom Rechner, welche Packung er beim Inder zu besorgen hat

Wir sind bei Frau H. und Herrn R. eingeladen, um den Erdneuzugang Tilda, welche an unserem Hochzeitstag geboren wurde – ihr erinnert Euch vielleicht? Wer mag, kann sich hier noch mal das Drama durchlesen.

Da die junge Mutter genug Arbeit mit der Kleinen hat, bringen wir natürlich das Essen mit zum Besuch.

Es ist ein wunderschöner Abend mit den beiden. Wir reden den ganzen Abend. Es ist so angenehm, mit reflektierenden Leuten den Abend zu verbringen, die sich durchaus bewusst sind, dass ein Kind zu allererst Verantwortung mit sich bringt und keine Anziehpuppe oder ein Spiegel für das eigene Ego ist. Ich ziehe den Hut davor, in dieser Welt die Verantwortung für ein neues Leben zu übernehmen. Ich möchte es nicht.

Ich habe großen Respekt davor, wie diese beiden herzensguten Menschen in dieser verstörenden Welt einen anständigen Menschen heranziehen wollen. Ich fühle mit und habe Ehrfurcht.

Wie ihr vielleicht aus den Zeilen bereits herausgelesen habt, sind Kinder nicht so mein Thema. Als hätte die Kleine das geahnt, ist sie ganz brav und schläft die ganze Zeit wunderbar friedlich in ihrem Bettchen. Das erste Mal. Das gab es noch nie, sagen die beiden. Erst als wir die Wohnung wieder verlassen, fängt sie an zu schreien. Ein reizendes Kind, wir kommen wieder!