12.09.2018 -28 Grad – Tag 64

Vor zwei Monaten ging es mir wesentlich elender, da hatte Steffen gerade die Operation der Nasenscheidewand überstanden und wir hatten erst  seit zwei Tagen die Diagnose Krebs. Und ich dachte darüber nach, das Catering einzustampfen. Wer nochmal nachlesen will, dann klickt einfach auf das HIER. Jetzt hat man sich irgendwie mit der Situation arrangiert und macht das Beste daraus. Irgendwie Kopf runter und durch. Und danach ist danach. Leben im jetzt.

Da die große Sommerferienpause ja nun vorbei ist, kommen mit jedem Arbeitstag neue Kunden bzw. Aufträge dazu. Heute habe ich wieder einen neuen Auftraggeber, den wir zwar schon lange haben, aber ich muss das erste mal dort allein hinliefern, ich kenne die Auftraggeberin nur vom Telefon und aus dem Mailverkehr, und vorher natürlich auch alles allein zubereiten. Und natürlich wieder die BlueManGroup.

Steffen geht heute zu seinem Kreuzberger HNO Arzt. Dem guten Arzt. Dem Retterarzt. Von der Nasenscheidewand-OP im Juli hat Steffen im Ohr immer noch das Druckausgleichröhrchen. Bei der OP hatten die Ärzte in einem Abwasch auch die ganze Flüssigkeit aus dem Ohr gezuzelt und dieses Röhrchen ist halt immer noch drin. Ein Mini-Tunnel im Ohr. Nicht im Ohrläppchen sondern im Trommelfell. Steffen macht sich Sorgen, ob er mit dem Flugzeug fliegen und ob er ins Wasser kann.

Wie? Fragt Ihr Euch. Fliegen und ins Wasser? Ja, Anfang diesen Jahres hatten wir wie immer eine Woche Sardinien gebucht, da wussten wir ja noch nicht, was auf uns zukommen würde. Sardinien mit seiner unglaublichen Nebensaisonruhe, den Katzen, dem kleinen Ferienhäuschen und nicht zu vergessen, diesen unglaublichen Stränden ist so paradiesisch für uns, dass ich es nie schaffe, einen anderen Ort im September zu buchen. Es zieht uns immer wieder da hin. Für Caterer ist der September eigentlich aufgrund der ganzen Messen in Berlin extrem stressig, daher ist eine Woche Ruhe Ende September immer nötig.

Und jetzt gilt es, alles mögliche dafür zu tun, diesen Urlaub auch zu machen. Ist ja schließlich auch schon bezahlt. Und ob Steffen sich von der Chemotherapie auf der Terrasse im Garten oder zuhause auf dem Sofa erholt, ist ja am Ende auch egal. Desweiteren hat er auch gleich den Start der 3. Chemo auf den 19.09. vorverlegen lassen, so dass die Pumpe schon 2 Tage vor den Flug abgenommen werden kann. Falls doch ein Arzt sagt, sie bleiben noch einen Tag länger im Krankenhaus zur Überwachung und dann genau deswegen der Flug platzt.

Halb 9 starte ich also heute zuhause, arbeite die beiden Aufträge ab und starte 13:30 Uhr zu dem ersten Auftraggeber. Das Auto ist ordentlich (ordentlich, nicht viel) mit den Thermoboxen beladen:

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Angekommen, sind die beiden Damen vom Empfang wunderbar reizend und erkundigen sich nach Steffen. Alle unsere Kunden wissen ja Bescheid. Eine beruhigt uns und sagt, das mit dem Krebs geht noch viel schlimmer, ihre Schwester hat 6 Hirntumore und gerade die 60. Chemotherapie… Ach du scheiße, da hat sie Recht. Das ist richtig übel. Wie hält das ein Mensch aus? Die Scheißeskala ist nach oben offen.

Noch fix an den Potsdamer Platz geliefert und Feierabend.

Zuhause hat sich Steffen selbst an Golden Milk versucht – ein optimiertes Rezept folgt hier später:

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Die Milch ist zwar nicht wirklich golden, aber lecker. Golden Milk ist im Grunde genommen Milch/Nussmilch/Kokosmilch aufgekocht mit viel Kurkuma, Zimt, Ingwer und einer Prise Pfeffer um die Wirkung des Kurkumins zu verstärken. Kurkuma und Ingwer sind natürliche Immunbooster und killen wohl auch Krebszellen. Natürlich versuchen wir das. Es ist sehr lecker und auf alle Fälle wert, es öfter zu machen. Besonders im kommenden Herbst kann man sich so die Sonne in das Wohnzimmer holen.

Abends kommen unsere Sardinienmitreisenden Herr E. und Herr M. zum Essen zu Besuch um letzte Fragen vor der Abreise zu klären. Es gibt Backkartoffeln, Spinatsalat, Blumenkohl und Hühnchen, ich trinke von Herrn E. mitgebrachtes Bier. Ein schöner Abend mit Freunden.

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