5:30 Uhr klingelt unser Wecker. Steffen frühstückt schnell ordentlich, wer weiß, vielleicht bleibt er heute doch gleich wieder n der Charité. Die normale Woche fängt ja wieder an und mehr Krankenpfleger haben auch Dienst. Das Glück, was wir gerade hatten, sollte man nicht herausfordern.

Wir reden und versuchen das bisher Erlebte irgendwie zu verarbeiten und in Worte zu fassen. Steffen mit Ignoranz, weil er verrückt werden würde, wenn er anfangen würde, darüber nachzudenken. Ich mit Arbeiten gegen die Existenzangst. Dann fahren wir zur Charité zum Blut abnehmen. 

Cisplatin

Auf dem Gang sprechen wir mit den Schwestern. Eine sagt uns im Vorbeigehen, dass ein Chemotherapie-Bestandteil Schuld am Nierenversagen war: Schuld war das Cisplatin. Dieser Bestandteil wird dann bei der nächsten Chemotherapie am 22.11.2018 gegen ein geringer dosiertes anderes Medikament ausgetauscht werden. Es war also nicht meine Schuld, dass ich nicht da war und auf Arbeit, und auch nicht Steffens Schuld,vdass er zu schwach war, aufzustehen und zu trinken.

Schuld war das Medikament. Das beruhigt uns beide.

Steffen darf überraschenderweise am Nachmittag doch nach Hause und holt sich endlich sein Geburtstagsgeschenk und fährt voller Vorfreude zu sich. Er hat jetzt zu tun:

Ich fahre nach Hause und versuche die letzten Tage zu sortieren, Der Blog wurde nicht gepflegt und ich muss aufschreiben, was hier überhaupt passiert ist. Ja, und die Buchhaltung will auch gemacht werden. Hallo! Realität!

Abends telefoniere ich das erste Mal mit meinem Papa, da ich nun die vergangenen Horrortage halbwegs in Worte fassen kann. ich wollte noch nicht eher anrufen, da er sich sowieso schon genug Sorgen um mich macht, und in so einer ausweglosen Situation, wo keiner helfen kann, wäre es noch schlimmer für ihn. Also warte ich mit dem Telefonieren immer ab, bis ich alle Fakten und Lösungen habe, damit es nicht so schlimm für ihn ist.

 Nichtdestotrotz gehe ich um 20:00 Uhr ins Bett und schlafe direkt 11 Stunden durch.

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