12.12.2018 – 3 Grad – Tag 155

Heute Nacht waren das erste Mal Minusgrade. Wir hatten minus 1 Grad. Seit der Krebserkrankung die ersten Minusgrade. Ist das ein gutes Zeichen gemäß meiner Temperaturtheorie?

Der PET-Scan

Dennoch haben wir heute nicht wirklich gut geschlafen. Das ist ja auch kein Wunder, denn heute ist der Tag, an dem Steffen in den PET-Scan kommt. Heute wird sein Innerstes fotografiert, genauer, er bekommt eine nukleare Flüssigkeit verabreicht, die dafür sorgt, dass sich die Krebszellen ankoppeln und leuchten. Dafür wird er dann in eine Computertomographie-Röhre geschoben und fotografiert – vereinfacht gesagt.

Dies ist die wohl bisher genaueste Methode, um festzustellen, ob jemand Krebs hat, wo der Krebs genau im Körper sitzt und zu welcher Familie der jeweilige Krebs gehört. Das ganze kostet ein Schweinegeld und gewöhnlich zahlt die Kasse nicht, einen Bruchteil oder manchmal doch. Und vorher muss man laut Internet das ganze auch bei der Krankenkasse beantragen. Das macht natürlich Sinn, wenn der Krebs bösartig ist und schnell wächst. Nicht.

Aber zuerst muss ich noch einkaufen, ich muss natürlich dennoch heute arbeiten… Wie immer kann man ja bei irgendeiner Lebensplanung nicht genau voraussagen, was an einem beliebigen Tag in der Zukunft wohl sein würde.

Also fahre ich schon um 5:00 Uhr am Morgen in die Metro einkaufen um dann direkt gegen 07:00 Uhr Steffen zuhause abzuholen und in den Wedding in die Seestraße zum Vivantes Klinikum zu seinem 08:00 Uhr Termin zu fahren. An dem Tag soll er nicht auch noch die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen müssen.

Kurz vor 8:00 Uhr ist es immer noch dunkel, die Angestellten des Krankenhauses suchen in den Nebenstraßen verzweifelt Parkplätze. In einer Wartepause der durchschlängelnden Autos lasse ich Steffen aus dem Auto.

Noch vor zwei Jahren hatten wir hier im Vivantes Klinikum ein großes Catering. Wir mussten Essen für 200 Personen für den ALS-Tag liefern. Nach so einem Tag ist man demütig, gesund zu sein. Wenn man die ganzen an ALS erkrankten Menschen – wir erinnern uns an die Ice Bucket Challenge – denkt und sieht, wird einem anders.

Heute fahre ich Steffen noch einmal hier für den PET Scan hin.

Danach fahre ich weiter in die Küche, die Show muss ja weiter gehen.

Heute gibt es das Weihnachtsessen für eine befreundete Firma, für die Chefin und ihren Mann hatten wir 2010 eines unserer ersten Hochzeitscaterings auf Schloss Kröchlendorff zubereitet und seitdem bestellt ihre Firma jedes Jahr die Weihnachtsentenkeulen bei uns. Irgendwie gehört man schon zur Familie.

Als ich ausliefere, wollen sie natürlich wissen, wie es Steffen geht und sind entsetzt. Natürlich drücken sie alle die Daumen. Die Chefin führt mit ihrer Schwester die Firma, ihr Vater ist schon vor Jahren selbst an Krebs gestorben. Sie wissen leider zu gut.

Danach gibt es noch eine Auslieferung nach Mitte, hier lieben sie unseren Kartoffelsalat mit grünen Bohnen, das Rezept findet Ihr hier, fast bei jeder Bestellung ist er dabei:

veganer Kartoffelsalat
der Lieblingssalat der Medienanstalten

und dann direkt nach Hause. Steffen ist auch schon wieder da. Natürlich hat er noch keine Ergebnisse. Die gibt es erst morgen.

Am heutigen Abend vermeiden wir alle Gespräche über die Zukunft, über China, über morgen.