Auch dieser Tag mit seinen drei Aufträgen geht vorbei, 12 Stunden habe ich für popelige drei Aufträge gebraucht, mit einkaufen, kochen, hinfahren, abholen und abwaschen. Ich bin so froh, dass endlich Feierabend ist.

Steffen hat mir einen wunderbaren warmen indischen Schal gekauft. Als wir am Sonntag in Friedrichshain beim Brunch mit unserer Freundin J. waren, habe ich den Schal im Schaufenster gesehen und mich sofort in diesen verliebt. Seit Indien habe ich eine Macke, dass ich immer unendlich viele Schals und Tücher brauche und kaufe. 

das indische Tuch
wunderbare Schals

Steffen hat dafür jedoch ein großes Opfer gebracht: Er ist die 4 Kilometer bis zu dem Laden mit dem Fahrrad nach Friedrichshain gefahren. Normalerweise ein Klacks. Wir beide lieben das Fahrradfahren und in einem Paralleluniversum fahren wir alles in Berlin in unserer Freizeit mit den Fahrrädern ab.

Jedoch merkt er nun deutlich die Auswirkungen der Chemotherapie und des Nierenversagens: Immer öfter klagt er über Knochenschmerzen in den Gelenken. Die Fuß-und Fingerspitzen sind taub und kribbeln. Seine Sehnen in den Beinen sind verkürzt. Seit dem Nierenimpact ist ihm ständig kalt. Ok, es ist kalt, aber ihm ist noch viel kälter. Er hat kaum noch Kraft und Energie, geschweige denn, um Fahrrad zu fahren. Nach der 4 Kilometer Strecke fühlt er sich, als wäre er 60 Kilometer gefahren. Er wird sogar von Mädchen auf ihren Holländer-Rädern überholt.

Es ist schmerzhaft, sich seine Verletzlichkeit einzugestehen.

Ich mache mir große Sorgen, nächste Woche startet die nun vorerst letzte Chemotherapie. Was wird diesmal passieren? Zuversicht und Lockerheit der ersten Tage sind verschwunden. Zu willkürlich und zu groß sind mittlerweile die Einschläge. Wir haben unglaublich große Angst und Unsicherheit.

Was kommt denn jetzt noch?

Werden wir die Kraft aufwenden können, es auszuhalten?

Abends gehen Steffen und ich zum Russen essen, für unsere Seele.

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