17.10.2018 – 21 Grad – Tag 99

Diesen Tag hat der Teufel höchstpersönlich kreiert:

Ich habe beschissen geschlafen. Stündlich bin ich aufgewacht und habe hysterisch Fieber gemessen, da ich mich nach Fieber fühlte. Die Kopfschmerzen gingen auch nicht weg. Aber ich habe kein Fieber Und immer, wenn ich versucht habe, einzuschlafen, läuft der morgige Tag in meinem Kopf ab und ich suche Optimierungsmöglichkeiten.

04:00 Uhr stehe ich dann endlich gequält auf und fahre in die Küche. Eine Tabelle mit den einzelnen Aufgaben ist an die Wand gepinnt. Ich fange irgendwo an und koche mir einen Kaffee. Und siehe da, die Kombi aus Adrenalin und Koffein macht, dass die Kopfschmerzen vergehen.

Um 8:00 kommt meine Hilfe, Herr P. wieder. Er hatte spontan am Samstag Hilfe zugesagt. Und ab diesem Moment arbeiten wir wie die Maschinen. Bis um 11:00 muss der erste Auftrag fertig sein. Kurz vor 11:00 Uhr kommt auch mein gebuchter Fahrer und übernimmt die erste Lieferung und holt auch noch das Mietgeschirr für später ab.

Jetzt haben wir noch zweieinhalb Stunden und die nächsten zwei Aufträge fertig zu machen.

Ich überlebe nur mit Kaffee und einem Liter TrueFruits-Smoothie. Dies ist in der Tat in dem Stress die beste Nahrungsaufnahme, so dass die Arbeits- und Hirnleistung nicht nachlässt. So wird aus mir nie die dicke Köchin.

Pünktlich um 13:30 Uhr ist der Fahrer M. wieder da und lädt alles für die nächsten beiden Auslieferungen ein und fährt wieder vom Hof.

15:00 Uhr sind die beiden letzten Aufträge fertig. Ich verabschiede Herrn P. in den wohl verdienten Feierabend und warte. Alles ist fertig in Thermoboxen verpackt. Wer fehlt, ist der Fahrer.

Er hat sich in den Tiefgaragen des Potsdamer Platzes verheddert. Irgendwann 15:40 ist er da, 16:10  ist das Auto beladen. Und eigentlich soll die Lieferung zu 16:00 Uhr beim ersten Kunden sein. Nur ist die Adresse ab jetzt 20 Minuten entfernt.

Sicherheitshalber fahre ich, dann kann ich auch niemandem die Schuld geben. Wir kommen zu spät an, aber glücklicherweise ist der Kunde ein alter Bekannter und greift uns mit unter die Arme. M. und ich rennen das Buffet aufbauen und springen ins Auto. Im Radio läuft „KORN“, das passt sehr gut zur Stimmung.

Die jetzt letzte Auslieferung ist weitere 50 min entfernt und soll eigentlich in 10 Minuten da sein. M. ruft die Kundin an, und teilt ihr sicherheitshalber mit, dass wir uns etwas verspäten.

Wir fahren wie die Teufel von Pankow nach Karlshorst im Feierabendverkehr. 17:30 Uhr sind wir da, 30 Minuten zu spät. Aber die Kundin ist glücklicherweise super entspannt, außerdem habe ich ja einen Pufferpassus in unseren AGBs, so dass sich die Lieferung auch mal eine halbe Stunde verzögern kann.

Nachdem wir alles aufgebaut und eingedeckt haben, fallen M. und ich ins Auto. Eigentlich musste jeder von uns seit über einer Stunde dringend auf Toilette. Wir haben uns jedoch nicht bei der Kundin getraut zu fragen, da die ganzen Gäste schon da waren. Und eigentlich wollte ich M. noch etwas näher an sein Zuhause fahren, damit er schneller Feierabend hat.

Aber es pressiert mörderisch und ich werfe ihn am Treptower Park aus dem Auto und fahre wie der Teufel nach Hause. Weitere zehn Minuten aus der Hölle, wo ich jeden Mann darum beneide, dass er sich einfach an irgendeinen Busch stellen könnte.

Zuhause renne ich auf die Toilette und kann Steffen kaum begrüßen. Er ist nämlich heute bei mir. Das ist sehr schön.

Steffen ist heute aber völlig down und hat keinen Appetit und gar keine Energie. Er leidet offensichtlich. Jede Chemotherapie wird jetzt härter und geht an die Substanz.

Er klagt über Gelenkschmerzen, kaputte Schleimhäute und taube Fuß- und Fingerspitzen. Appetit hat er auch nicht. Also schicke ich ihn ins Bett und arbeite noch am Rechner, 20:15 Uhr liege dann auch ich im Bett.

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