20. Februar 2019

Wir Ihr wisst, ist es ja schon über zwei Monate her, dass Steffen glücklicherweise die Mitteilung bekommen hat, dass der Krebs komplett inaktiv ist.

Euphorisch und motiviert starteten wir in dieses Jahr. Uns ist bewusst, dass wir energetisch umdenken müssen. Dass unser stressiger und anstrengender Lebensstil eine Ursache für Steffens Krebs war.

Somit haben wir das System beibehalten, dass wir nur von Mittwoch bis Samstag arbeiten, so dass ich drei Tage frei habe, um mich um die Buchhaltung und auch diesen Blog zum Beispiel zu kümmern.

Steffen habe ich langsam an die Arbeit wieder herangeführt. Hier und da mal mit kochen, da und dort das schmutzige Geschirr abholen. Aber immer wieder fiel uns auf, wie wenig Energie er hat. Wie schnell er richtig fertig war. Wir haben es auf die chronische Müdigkeit, die wohl alle Chemoüberlebenden haben, geschoben.

Das ganze eskalierte dann vor zwei Wochen, als er täglich fast 14 Stunden schlafen musste und ich realisierte, dass wir das so zusammen nicht packen werden.

Seit letzter Woche hat er so eine monströse Verstopfung, dass kein Mittel mehr hilft. Wir haben wirklich alles probiert.

Montags war Steffen wieder in der Charité zum monatlichen Blutcheck und ob sich die Krebsmarker melden. Dort sprach er beim zuständigen Arzt die Verstopfung an und bekam ein Abführmittel.

Jeder Tag seit zwei Wochen besteht für mich darin um 5:00 Uhr aufzustehen, einzukaufen, kochen, auszuliefern, nach Hause kommen, schauen was Steffen macht. Notfalls Essen und Tee kochen. Weiter am Rechner arbeiten, neue Angebote machen, Rechnungen schreiben und sich um das Abendbrot kümmern und dann um 20:00 Uhr auf das Sofa zu fallen und einzuschlafen.

full moon
Vollmund, mein derzeitiger Begleiter am Morgen

Wir schlafen in getrennten Betten, da Steffen so unruhig schläft und ich sonst keine Möglichkeit habe, einen erholsamen Schlaf zu bekommen.

Gestern bekam ich auf Arbeit von Steffen den Anruf, dass ein Bett in der Charité für ihn frei sei. Der Arzt hätte angerufen. Steffens Nieren- und Leberwerte sind bedenklich.

Irgendwie war ich nach der Nachricht komisch erlöst. Endlich kümmert sich jemand um Steffen und ich kann mich um die Arbeit und die gemeinsame Zukunft kümmern. Und in der Charité ist er sowieso in den besten Händen. Wenn jemand helfen kann, dann die Pfleger und Ärzte dort.

Abends kommen die ersten Erkenntnisse der Ärzte: Steffens Niere arbeitet nicht optimal, daher kann sie kein Wasser aus der Nahrung ziehen, der Darm verstopft. Steffen wird kurzatmig und sieht aus wie im 8. Monat schwanger. Natürlich isst er auch nichts mehr und ist daher schlapp und hat keine Energie. Er wird jetzt erstmal eingehend untersucht, auch, ob der Krebs zurück ist.

Ich werde mich jetzt wohl mal wieder auf einen längeren Ausfall von Steffen einstellen müssen. Wohlweislich habe ich alle zukünftigen Aufträge so angenommen, dass ich sie auch ganz alleine ausführen kann.

Aber das ist wohl keine Lösung auf Dauer. Ich brauche dringend eine Pause. Ich halte das nicht mehr länger aus. Ich mag noch nicht mal mit Leuten darüber sprechen, da mir niemand helfen kann. Und dass es mir scheiße geht, weiß ich selbst, da helfen mitleidige Blicke auch nicht mehr.

Bei dem ganzen Stress kann man überhaupt nicht mehr klar denken und steckt in diesem Hamsterrad aus der Hölle fest. Der tägliche Wahnsinn besteht darin, die aufploppenden Feuer zu löschen und in der freien Zeit einfach nur zu schlafen.

Ich komme mir vor, als hätte man mich hinter dem Güllefahrer des Schicksals fest angekettet und keiner lässt mich auf die fruchtbare Erde plumpsen.

ich

Ende März werde ich eine kleine Auszeit bei meinem Papa nehmen. Auf dem Land. Um meine Gedanken zu sortieren, wie es jetzt weiter geht.

Das ist das Einzige was ich brauche: Ruhe, Geld und proaktive Ideen und Unterstützung in der Zukunft. Dazu aber mehr, wenn ich es für mich aussortiert habe.

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