21.09.2018 – 30 Grad / abends 17 Grad – Tag 73

Ich starte meinen Morgen vorbildlich mit LaVita und einem Smoothie für mich und koche gleich einen Chagatee für Steffen, für später im Krankenhaus, und ein Glas Chagatee für mich. Danach setze ich mich an die letzten noch zu versendenden Angebote für die Zeit nach unserem Urlaub im Oktober.

Es ist jetzt 9:00 Uhr, Steffens Lieblings-HNO-Arzt, also der Arzt, der ihm am Ende geholfen und Tacheles geredet hat, hat ab jetzt Sprechstunde und ich fahre auf gut Glück hin, da ich seit April eine verstopfte Nase habe. Und im Rahmen der ganzen Ärztechecks, die ich jetzt auch an mir durchführen lasse, will ich jetzt auch dieses Thema geklärt haben. Natürlich habe ich Paranoia, dass ich dasselbe wie Steffen habe. Das in mir auch so ein beschissener Krebs wächst. Das fing ja bei ihm auch so an. Jeden Abend taste ich meine Lymphe ab usw. usf.

Der Arzt hat seine Praxis im 1. OG eines Nachkriegs-West-Neubaus. Vor dem Eingangsbereich ist es etwas kreuzbergtypisch schmuddelig aber auf seine Art familiär. In der Praxis angekommen, sind nur zwei Patienten vor mir noch dran. Die Praxis ist schön hell. Alles ist retro eingerichtet. der Schreibtisch ist aus schwerer Eiche. An den Wänden hängen David Bowie Poster. Zimmerpflanzen ranken. Man fühlt sich sofort aufgehoben. Ich verstehe Steffen, man fühlt sich gleich aufgehoben.

Dann ruft mich der Arzt auf, er ist mir sofort sympathisch. Er ist strukturiert, fokussiert, fundiert und aufmerksam. Als ich sage, dass ich die Frau von Steffen bin, huscht ein bedauernder Schatten über sein Gesicht. „Oh, das tut mir leid, grüßen sie ihn bitte ganz herzlich“. Nun schildere ich mein Problem und meine Sorgen. Er durchleuchtet Nase und Rachen, ich sage noch, dass ich eine leichte Erkältung habe. „ja, das sehe ich“. Nach der Visite lehnt er sich zurück und gibt mir Entwarnung, alles ist ok, wahrscheinlich habe ich eine allergische Reaktion auf irgendetwas in der Luft. Wir werden im November einen Allergietest machen. Bis dahin bekomme ich Nasenspray.

Er meint, es ist völlig normal, dass, wenn man sehr empathisch ist, selbst dieselben Symptome durchmacht. Was für ein Satz. Knaller. Er meinte, dass er während seines Studiums bei jedem neuen Thema sämtliche studierten Krankheiten selbst durchlitten hat. Wir lachen. Ich bin erleichtert. Wir werden uns im November wiedersehen.

Danach fahre ich wieder nach Hause und hole mir noch unterwegs beim Bäcker Frühstück.  Ich schließe unten mein Fahrrad an. Dass ist schlau, da ich bei Betreten meines Wohnhauses feststelle, dass die Fahrstühle nicht fahren. Sie hängen irgendwo fest. Das ist fein. Also, aufwärts, 11 Stockwerke zu Fuß.

Ich mache mein Frühstück, setzte mich hin, setze den Kaffee zum trinken an. Das Gesicht verformt sich zu einem debilen Grinsen, Erlösung.

Klingel! Klingel, Klingelllll!!!!. Es klingelt an der Tür. Von ganz unten, von der Gegensprechanlage. Ich gehe ran, es ist die freundliche ältere Nachbarin Frau A., mit der ich immer im Fahrstuhl quatsche. Sie fragt, ob die Fahrstühle im 11. Stockwerk hängen, das fragen die Fahrstuhlreperateure, die gerade eingetroffen sind. Ich gehe gucken und ja, alle beide hier, alle beide angeknipst, keiner fährt. Sie sagt, sie wohnt im 7. Stock und würde bis dahin auch durch das Treppenhaus gehen, hat aber ihren Hackenporsche dabei und dieser ist mit ordentlich Einkäufen aus dem Aldi voll geladen.

Ich sage: „kennen Sie das Buch „Timur und sein Trupp“? Ne? aber genau so machen wir das, ich komm runter und helfe ihnen“. Also, alle 11 Stockwerke wieder runter und sie freut sich. „Ach Mensch, das müssen Sie doch nicht machen!“ Ich so, „doch! Schwachen und älteren Menschen muss man helfen.“ Ich nehme den Hackenporsche, und sie wackelt mit. Der Einkaufswagen ist schwer, aber „ja“ heißt „ja“. Im 2. Stock kapituliert sie, sie hat Bluthochdruck. Ich sage ihr, sie soll auf den Fahrstuhl warten, ich stelle den Einkauf vor der Wohnung ab. Gesagt getan. Die restlichen 4 Etagen zu mir sind easy. Endlich Frühstück. Der Kaffee hat jetzt auch Trinktemperatur.

Nach dem Mittag fahre ich mit dem Rad zu Steffen in die Charité. Der Fahrstuhl fährt wieder. Wir treffen uns im Campushof und trinken Kaffee.

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Bei Steffen angekommen, bekomme ich die Mitteilung, dass die DPD-Pakete in dem PickUpShop angekommen sind! Plötzlich geht ein Sturm los, wir müssen unsere Kaffee zuhalten. Fahrräder fallen um. Schnell fahre ich mit dem Rad nach Hause, schnappe das Auto und endlich hole ich die Pakete ab: Graviola-Blätter und die Saftpresse ist da. Feierabend. 17 Grad. Der Sommer ist tot! Endlich!

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