23.08.2018 – 34 Grad – Tag 44

Mit Schädelbrummen wache ich auf, der letzte Wodka war wohl schlecht. Aber es ist immer so schön mit den Jungs und verrückt und dann passiert Wodka… Und während man das Glas ansetzt, denkt man noch, hey mir gehts super, morgen wird schon nicht so schlimm.

Aber mein Körper sagt deutlich, dass er das nicht mehr haben will. Den ganzen Tag bin ich verleiert und nicht auf 100 % und wenn ich wirklich etwas hasse, ist es, dass ich nicht 100 %ig da bin bin. Und gerade in der jetzigen Situation, wo ich täglich 170 % sein muss, also ich selbst sein sowieso und dann noch Steffen in der Cateringarbeit mit seinem körperlichen Einsatz ersetzen muss und zuhause ihm dann noch helfe, da kann ich mir solche Fehltritte einfach nicht leisten.

Nun, also gehe ich mit mir ins Gericht und beschließe, keinen Alkohol mehr zu trinken.

Aus dem Krankenhaus kommt von Steffen nur die Info, dass er wirklich und wahrhaftig noch einen Tag zur Sicherheit im Krankenhaus bleiben muss. Die Infusion gegen den Epstein-Barr-Virus ist durch, er hat sie super vertragen aber die Natrium-Werte machen den Ärzten sorgen. Also muss er auch noch diese Nacht im Krankenhaus bleiben und ist leicht angesäuert. Mit dem Mittagessen wird er dafür auch nicht belohnt:

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Also werde ich ihn heute nach getaner Arbeit besuchen fahren. Aber erst einmal muss ich noch das Essen für die BlueManGroup machen und vorher noch etwas Bürodinge erledigen. Aber aus den vorgenannten Gründen schaue ich mit glasigen Augen auf den Monitor wie ein Schwein ins Uhrwerk. Ich lasse es und fahre einkaufen.

Da es so heiß ist, habe ich für die BlueManGroup einen leichten kühlen Quinoa-Salat auf dem Plan. Das Rezept folgt noch auf dieser Seite. Ich versuche immer das Essen dem Wetter anzupassen, aber langsam gehen die Salatideen aus. Es ist viel zu lange viel zu heiß!

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Nachdem ich alles ausgeliefert habe, fahre ich mit dem Rad zu Steffen. Als ich nachmittags gegen 17:00 Uhr aus der Tür komme, schlägt mir die Bruthitze ins Gesicht. Und ein Hauch von Indien ist da. Ja! Kaum merklich riecht es nach verbranntem Holz. Das ist der Geruch, den ich immer mit Indien verbinde: die kleinen Holzfeuer, staubige Luft und ein spitzer Hauch von Chemie. Und genau so riecht es gerade. Während der Fahrradfahrt ins Krankenhaus vergesse ich das schon wieder, der Verkehr und die Hitze fordern meine ganze Aufmerksamkeit.

Steffen wartet schon auf mich beim Vietnamesen. Und er sieht verdammt gut aus! Seht selbst:

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Wir trinken Bitterlemon und essen lecker. Ich verkünde, dass ich versuchen werde, keinen Alkohol mehr zu trinken. Gemeinsam gehen solche „Entzüge“ immer am besten. Sei es Fleisch oder Zigaretten oder halt jetzt Alkohol.

Steffen hat immer sein Krankenhaus-Papier-Armband-Etikett am Arm, falls er bewusstlos umfällt, können sie ihn gleich bei der Gerichtsmedizin einscannen. Zumal er Organspende angekreuzt hat, so dass sie nicht lange mit lebenserhaltenden Maßnahmen herumkaspern sondern direkt alles umverteilen. Das ist der Plan. Aber von diesem morbiden Plan ist er gerade ganz weit entfernt und das ist gut so!

Nach dem Essen fahre ich nach Hause, ich bin knülle und morgen muss ich 04:30 Uhr aufstehen. Es wird ein erster Tag auf dem Weg zurück in die Cateringnormalität werden.

Ach apropos, ich habe beschlossen, ich mache das Catering alleine weiter! Bis Steffen wieder mitmachen kann. Ich habe diverse Stellenanzeigen durchgesehen und mich auch beworben und jedes mal krampft sich mein Magen zusammen:

„Teamassistenz für drei Vorgesetzte in einem aufstrebenden Unternehmen“

Bei Kununu, diesem Bewertungsportal, wo man schauen kann, wie die Arbeitssituation in dem jeweiligen Unternehmen tatsächlich ist, stand zu dieser Firma:

„Bezahlung ist schlecht, aber ein guter Stepstone für die Karriere“

Ich sehe es förmlich vor mir, Großraumbüros. Eingekästelte Menschen in Mininischen. Egogetriebene Anzugmenschen mit Smartphones am Ohr. Fremde nichtige Probleme fremder Menschen lösen. Menschen mit ernsten Kleidungsfragen. Der Lebenssinn kommt per Asos- oder Zalandopaket. Ja genau, ausschlaggebend war das gestrige Gespräch mit einem Freund, welcher neu bei einer großen Plattenfirma angefangen hat und beschrieb, wie täglich der Postbote mit einem Wagen voller oben genannter Pakete durch die Gänge der Großraumbüros fährt und die Leute auf die Pakete warten wie weiland auf das Manna vom Himmel.

Ich kann das einfach nicht. Ich kann mich für so einen Job nicht bewerben. Ich kenne das alles schon und es macht mich krank. Genau deswegen habe ich mich ja selbstständig gemacht, damit ich nie wieder dort hin muss.

Also Kopf runter und durch. Ich habe Helfer, ich habe gute Servicekräfte. Ich kann kochen. Der Rest ist Organisation und Logistik.

Ich habe nur Angst vor dem Ausliefern, und mit jedem Mal Ausliefern habe ich weniger Angst. Also eigentlich habe ich gar keine Angst mehr, unsere Kunden sind total lieb. Das ist meine Ausliefertherapie. Was passiert eigentlich, wenn man vor gar nichts mehr Angst hat?

Ich werde nicht reich, aber die Miete kann ich zahlen und mir am Ende des Tages in mein Spiegelbild schauen.

Feierabend. Over and Out. Die Hitze flirrt bis spät Abends.

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