25.07.2018 – 33 Grad – Tag 15

Nach einer erbarmungslosen warmen Nacht wachen wir früh auf und genießen die letzten Minuten mit halbwegs erträglichen Temperaturen. Schon um 10 ist es wieder unerträglich heiß. Steffen hat wieder ständig Kopfschmerzen und ist dazu übergegangen,  statt Kopfschmerztabletten direkt am Morgen eine seiner Migränetabletten einzunehmen. Ibuprufen wirken überhaupt nicht, und Dolormin nur noch im zweistelligen Bereich. Also direkt eine Migränetablette eingeworfen und Ruhe ist für die nächsten 15 Stunden. Die Leber wird sowieso strapaziert, ob mit Antibiotika oder Schmerzmitteln. Aber wir haben ja Bilisan Duo. Da kann wenigstens die Leber etwas entgiften.

Ich fange extra zeitig an, damit ich noch vor der größten Hitze in der Küche bin. Auf dem Parkplatz treffe ich unseren netten Nachbarn, der auch schon bei Aldi aus denselben Gründen einkaufen war. Er meinte, dass es in der Nacht nicht unter 28 Grad in der Wohnung heruntergekühlt hat. Er fährt heute wohl noch mit seiner Frau in den Garten und schläft da. Absolut verständlich.

Da ich drei Stunden Zeit für das Catering für die die BlueManGroup habe, gibt es heute Backkartoffelsalat, gefüllte Zucchini und orientalische Hackbällchen in Tomatensoße. Passt ja zu 33 Grad. Auf dem Weg zum Potsdamer Platz mache ich noch einen kleinen Abstecher über Kreuzberg und hole Steffen ab, da wir nachmittags einen Termin bei der Traditionellen Chinesischen Medizin haben. Ja richtig, habe ich letzte Woche vereinbart.  und umso breiter man aufgestellt ist, um so weniger kann einen umhauen, richtig? Jeder Termin ist mit irgendeiner Hoffnung auf einen Lösungsansatz verbunden.

Nach Terminvergabe bekommt man einen sechsseitigen Bogen, den man gewissenhaft ausfüllen muss und mailt diesen dann natürlich ausgefüllt zurück. So kann sich die Ärztin schon vorab ein Bild machen, in welchem Energiestrang des Körpers es stockt und mangelt.  Neugierig hatte ich mich schon belesen und in der Tat ist der Ansatz in der Traditionellen Chinesischen Medizin, dass es dort, wo es staut, zu Krankheiten kommen kann. Und so viel, wie sich Steffen Gedanken wegen seinem Bruder gemacht hat, wundert es mich überhaupt nicht, dass das Nasopharynxkarzinom im Kopf sitzt.

Wir fahren kurz das Essen ausliefern und dann direkt nach Berlin Mitte in das Das Zentrum für Traditionelle Chinesische und Integrative Medizin – St. Hedwig-Krankenhaus.  Ich warte im Vorraum auf Steffen, es ist wunderbar ruhig hier, es gibt Quellwasser zu trinken und eine Bibliothek mit Medizinbüchern. Orte, wo man mich immer zurücklassen kann: Bibliotheken. Ich bin beschäftigt, da Steffen erst einmal allein zur Ärztin soll.

Nach dem Aufnahmegespräch der Ärztin mit Steffen allein, kann ich dazu kommen und sie redet mit uns beiden. Zu der These mit dem Bruder nickt sie nur und sagt: „Familie ist schwierig, aber man muss mit ihr klar kommen“ – bitte laut nachsprechen mit chinesischem Akzent -. Stoff zum darüber nachdenken. Steffen bekommt von ihr ein Rezept für einen Tee, welcher in der Apotheke für ihn extra zusammen gemischt wird. Er besteht aus verrückten Pilzen und Wurzeln. In der Mitte höre ich auf die Zutatenliste zu googeln. Das ist mir zu hoch. Diesen Tee soll er vor der Chemotherapie trinken, jedoch nicht parallel zur Chemo. Die weiteren Dinge, wie zum Beispiel Akupunktur und andere Teemischungen für den Aufbau des Körpers können wir erst nach der Chemo starten, da beides parallel wohl kontraproduktiv ist.

pile of hardbound books with white and pink floral ceramic teacup and saucer
Photo by Ylanite Koppens on Pexels.com

 

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