26. Januar 2019

Ihr habt es so gewollt und sporadisch werde ich nun sehr gerne den Blog weiterführen. Nicht mehr täglich, aber doch ab und zu.

Also schreibe ich Euch über letztes Wochenende:

Seit drei Monaten wussten wir, dass an diesem Wochenende die Hochzeitsmesse auf Schloss Kröchlendorff stattfinden würde. Dies ist ein ziemlich wichtiges Datum für uns, da an diesem Tag die meisten Wochenenden im Sommer mit Hochzeiten reserviert werden.

Jedoch wusste ich vor drei Wochen noch nicht, wie es wohl Steffen gehen würde und ob wir überhaupt so weitermachen würden. Sicherheitshalber hatte ich auch schon unsere Wiener Freunde für das Wochenende zur Unterstützung angefragt. Wir wussten ja nicht, ob Steffen noch bestrahlt werden müsste oder ob es gar noch schlimmer hätte sein können.

Glücklicherweise kam dann am 13. Dezember 2018 das „Go“ der Ärzte, dass der elende Krebs vorerst besiegt sei.

Der Nachteil bei privatversicherten Menschen ist auch, dass es kein Krankengeld gibt. Es gibt zwar Krankentagegeld – wenn man das vereinbart hat – wenn man im Krankenhaus selbst ist, aber wenn man nicht mehr im Krankenhaus ist, gibt es auch keine Kohle.

Also habe ich Steffen in der vorherigen Woche schon ein bisschen mit in die Küche genommen.

Und unabhängig davon ist es auch gut für unsere beiden Psychen, wenn Steffen wieder mit kochen kommt, ich nicht mehr allein ausliefern muss und er so langsam wieder in das normale Leben zurückgeführt wird.

Leider hat er seit der letzten Chemotherapie immer noch mit deren Nachwirkungen zu kämpfen, das heißt konkret: taube Finger und taube Füße. Also richtig taub. Nicht so, ups, ich habe mir die Finger bei der Schneeballschlacht abgefroren, sondern eher so: ich weiß nicht ob es warm oder kalt ist. Den Nadelstich spüre ich auch nicht.

Nach Rückfrage bei den Ärzten wird das auch noch eine Weile anhalten. Also behelfen wir uns mit allabendlichen Fußmassagen und Bewegungsübungen. Die Faszien darf man auch nicht aus den Augen lassen.

Aber nun, zurück zur Hochzeitsmesse:

Ich stehe um 4:00 Uhr auf und fahre erst einmal alleine in die Metro alles einkaufen. Früh sind die tauben Füße für Steffen am schlimmsten und so kann er noch zuhause bleiben und muss nicht die unendlichen Strecken in der Metro mitlaufen. Die Metro ist nämlich innen riesig und ohne sich anzustrengen, hat man morgens schon seine 1000 Schritte weg.

Es hat geschneit und es sind Minusgrade. Die Straßen sind über Nacht in Berlin weiß geworden. Das ist ganz schön selten und ich bin erschrocken, wie viele Autos dennoch auf der Straße unterwegs sind. Aber stimmt ja, es ist Samstag morgen, die meist befahrene Strecke ist die vom Ritter Butzke über den Sage Club zum Berghain. Parallelwelten. Aber das Gefühl ist nicht mehr wehmütig.

Nach dem Einkauf fahre ich wieder zurück nach Hause, um Steffen abzuholen. Steffen hat schnell noch einen ordentlichen Kaffee gekocht und in unsere chinesischen Thermoskannen umgefüllt und einen ordentlichen Grünkohlsmoothie mit Leinsamen, Kurkuma und Bananen für uns beide gemacht. Den trinken wir sofort. Dann geht es in die Küche, der Rest wird in der Küche eingepackt und ab, auf die Autobahn Richtung Uckermark.

Demütig lassen wir während der Fahrt die Landschaft und mental die letzten Monate an uns vorbei ziehen. Vier Hochzeiten musste ich ohne Steffen auf dem Schloss bewerkstelligen. Vier mal musste ich ohne ihn fahren. Vier mal saß er alleine zuhause und kämpfte mit sich durch die Nebenwirkungen der Chemotherapie und fieberte mit mir aus der Ferne mit. Es wird noch lange dauern, das Ganze zu verarbeiten.

Und jetzt fahren wir endlich endlich wieder zusammen auf das Schloss.

Im Schloss angefangen ist die Freude bei den Angestellten des Schlosses groß. Steffen ist wieder da!!! Im Hintergrund lade ich das Auto aus, es ist schon um 9:00 Uhr, 12:30 Uhr soll das heutige Buffet stehen.

Also haben wir doch etwas Stress und schaffen bis auf zwei Posten alles. Das ist aber nicht schlimm, morgen ist auch noch einmal eine Messe und dann haben wir mehr Zeit, zumal wir ja im Schloss übernachten.

Auf den letzten Drücker steht alles und wir warten auf die heutigen Hochzeitsgäste. Und hier ist endlich auch mal wieder Steffen beim Warten zu sehen:

Schnee in der Uckermark
Steffen ist endlich wieder dabei

Nach der Verkostung kommen ein paar zukünftige Hochzeitspaare zu uns, die Stimmung ist jedoch etwas verhalten. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir für einen anderen Anbieter eingesprungen sind, der heute eigentlich kochen sollte, aber abgesprungen ist und einen anderen Kochstil hat.

Das ist aber überhaupt nicht schlimm, ich habe beschlossen, mir weniger Sorgen über die Zukunft zu machen, denn die Hauptsache ist, wir sind gesund. Alles andere ergibt sich. Und ändern kann man eh nichts.

Am Nachmittag ist dann endlich alles durch und beräumt und wir machen uns ein Abendbrot warm. Danach kriechen wir in unser kuschlig warmes Hotelzimmer vom Schloss und schließen uns für einen Serienmarathon ein. Es fühlt sich fast wie Urlaub an.

Oder ein neuer Lebensabschnitt.

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2 Kommentare zu „26. Januar 2019

  1. Perfekt! Manchmal denke ich, dass ich krank werden musste um einen neuen Blick auf jeden Tag im Leben entwickeln zu können… euch geht es wohl ähnlich…

    1. jedes Schlechte hat sein Gutes, wie man so sagt. Aber manchmal würde ich auf die Erfahrung gerne verzichten. Aber Du hast Recht, es ändert die Prioritäten, macht gelassener an einer Stelle und panischer an anderen. Und es verändert einen massiv

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