27.07.2018 32 Grad – Tag 17

Heute ist der Tag, der ber unsere nhere Zukunft entscheiden wird. Ich denke einmal, es wird so ablaufen, dass der Professor sich das MRT von Steffen anschaut und uns dann mitteilt, dass Steffen ab nchster Woche dann zur Chemotherapie fr die nchsten 6 Wochen im Klinikum aufgenommen wird. Das ganze zwar leider stationr, aber dafr ist er dann Ende September wieder fit fr unseren Urlaub, den wir schon im Frhjahr gebucht haben. Fr die stationre Aufnahme haben wir ja auch extra das Vitaminprparat bestellt, damit er auch da Zugang zu einem Minimum an Vitaminen hat.

Die Sonne scheint, mal wieder, morgens sind es schon 26 Grad Celsius, ich hole Steffen am Potsdamer Platz ab und wir fahren in das Klinikum, da Steffen 11:00 Uhr seinen Termin hat.

Zuerst erfolgt die Anamnese direkt in der Onkologie, hier werden wieder Steffens komplette Daten aufgenommen. Im dortigen Wartebereich sitzen wir dann zusammen mit den anderen Patienten, welche gleich bestrahlt werden oder gerade bestrahlt wurden und auf das Krankentaxi warten. Sie schleichen durch die Gnge als Schatten ihrer selbst. Das berhrt tief.

Irgendwie sind wir innerlich khl, unaufgeregt bezglich des Bevorstehenden. Nach der Anamnese werden wir direkt in ein anderes Stockwerk geschickt. Hier auf dem Flur sind die Fenster am jeweiligen Ende des Ganges sperrangelweit geffnet, dadurch gibt es einen fhnwarmen Luftzug.

Schock

Dann kommt der Professor, begrt uns und bittet uns ins Zimmer, er ist uns extrem sympathisch und erschttert, warum die Krebserkrankung so spt festgestellt wurde. Er zeigt uns den MRT Scan von Steffens Kopf. Das erste Mal sehen wir die komplette Dimension des Wahnsinns. Hinter der Nase ist ein Karzinom und an seinem linken Ohr laufen die geschwollenen Lymphknoten herunter wie eine grauslige Lavazunge aus Krebs.

Er skrollt weiter nach unten. Wird still. Klickt mehrmals, ffnet mehrere Fenster, flucht leise. Er findet jetzt auch noch einen Tumor in der Lunge. Uns wird schlecht. Steffen wird kalkwei und zittert. Ich halte seine kalte, nasse Hand. Jetzt ist die Frage, ob das ein gestreuter Tumor ist oder etwas komplett Neues. Der Bericht der Lungenbiopsie im Friedrichshainer Krankenhaus liegt zwar vor, aber die Bezeichnung des Krebses fehlt. Ich versuche irgendwie zu helfen und gehe zur Chefsekretrin und bitte Sie, in Friedrichshain anzurufen, damit sie uns direkt den Befund aus der Pathologie faxen.

Der Onkologe macht uns Hoffnung, Sie schaffen das, Sie sind noch jung! Da sich die ganze Behandlung und Findung des Lymphoms so gezogen hat, besteht groe Gefahr, dass der Krebs gestreut hat. Also lsst er auch noch umgehend einen PET Scan am Montag anordnen, um herauszufinden, ob noch irgendwo irgendetwas gestreut hat. Die Ergebnisse fr das Lungenkarzinom folgen dann am kommenden Dienstag. Am Mittwoch hat dann Steffen seinen nchsten Termin beim Professor, wo dieser PET-Scan samt der Familienname des Lungenkarzinoms besprochen wird.

Irgendwie seltsam erlst verlassen wir jedoch die Klinik. Wir wissen, was und wo es ist und der Fahrplan steht, der Professor hat erst einmal folgendes vorgeschlagen:

  • 5 Wochen Bestrahlung zweimal tglich, bedeutet, ich fahre Steffen frh und abends zum Bestrahlen in die Klinik, ansonsten ist er zuhause
  • Steffen bekommt eine Magensonde, da durch die Bestrahlung im Halsbereich smtliche Schleimhute zerstrt werden und er dadurch wahrscheinlich nichts essen knnen wird.
  • In der 1. Und letzten Woche bekommt er zustzlich jeweils noch eine Chemotherapie.

Klingt besser als 5 Wochen Krankenhausaufenthalt, finden wir.

Wenn die Sachen endlich ihren Lauf aufnehmen und jetzt auch alles schnell hintereinander losgeht, ist das sehr gut, da man keine Zeit zum grbeln ber Eventualitten hat.

Erstmal gehts in der brtenden Hitze nach Hause. Wir schnappen uns die Fahrrder und fahren zu unserem Lieblingsitaliener und essen Pizza und trinken erst einmal Trostbier.

Trostbier

Aufgrund der ganzen Antibiotika und zurckgekehrten Kopfschmerzen bei Steffen war Bier eigentlich Tabu. Aber heute ist eh alles egal, wenn das Bse bald ausgebrannt wird.

Blutmond

Abends dann das Jahrhundertereignis: der lngste Blutmond dieser Zeit! Natrlich direkt hinter meinem Hochhaus und nicht im Sichtbereich. Irgendwann gegen 21:45 Uhr soll der Mond sichtbar sein. Also machen wir eine kleine Nachtwanderung um mein Hochhaus, und versuchen den Mond dann zu entdecken, was bei der diesen Sommerhitzenachtluft etwas schwierig ist. Aber letztendlich sehen wir ihn, blarot ber den Dchern. Also fahren wir in den 14. Stock meines Hochhauses, um ihn von da zu beobachten. Ich war noch nie hier oben, obwohl ich hier schon 17 Jahre Wohne und bin fasziniert von diesem Ausblick und den Geruschen. Und wir sehen den Mond:

Blutmond
Der Blutmond ber Kreuzberg

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