Categories: KrebslogOktober 2018

27.10.2018 – 11 Grad – Tag 109

Samstagmorgens vertüddel ich mich am Rechner und breche plötzlich abrupt auf. Ach du Scheiße, stimmt ja, heute habe ich ja zwei Aufträge!!!

Während der Vorbereitung in der Küche merke ich mal wieder, dass ich mehr Arbeit als Zeit habe. Immer wieder unterschätze ich das Abhandensein von Steffen total.

Nichtsdestotrotz schaffe ich so leckere Sachen wie zum Beispiel diese Käseplatte:

Käseplatte

Da ich heute Abend eine Auslieferung nach Prenzlauer Berg zu einem Neukunden habe, bin ich aufgeregt und habe Steffen gebeten, als seelische Stütze mitzukommen. Ich bin leider nicht immer super souverän.

Also hole ich ihn zuhause ab, während ich die BlueManGroup ausliefere und dann fahren wir wieder in den Prenzlauer Berg. Genau in den Kiez, wo Anfang der 2000er all meine lieben Freunde gewohnt haben. Immer werde ich wehmütig, wenn ich die altbekannten Straßen und die Häuser sehe, in denen meine Freunde damals wohnten. Und wie sich alles zum jetzt verändert hat.

Aber das ist nun mal ein Prozess, der zum Leben gehört.

Alles ändert sich stetig, man muss lernen, dies zu akzeptieren. Und der wehmütige Blick nach hinten kommt ja daher, dass sich das Hirn nur die guten Sachen merkt. Also denkt man einfach, früher war alles besser. Aber, alles Lüge. Kleine Tagebuchaufzeichnungen oder E-Mail-Verkehr helfen, dass Scheißegedächtnis aufzufrischen. Bitteschön.

Außerdem erscheint im Rückblick nur deswegen alles easy, weil man jetzt weiß, wie der Hase von damals läuft und man nur Angst vor dem Hasen von jetzt und – unvorstellbar – dem Hasen von morgen hat.

Aber zurück ins Jetzt.

Die Party, für die das Essen bestellt wurde, findet in einer alten Rockerkneipe statt. Man glaubt gar nicht mehr daran, so eine Lokalität im gleißend weiß ausgeleuchteten Lampion-Habitat Prenzlauer Berg zu finden. Sobald man die Tür der Rockerkneipe durchschreitet, betritt man eine vergangene Zeit. Selbst der Kellner sieht aus, wie Antonio Banderas in „Interview mit einem Vampir“. Und gleich fühle ich mich zuhause. Schnell ist das Buffet auf dem Billardtisch aufgebaut, die Kundin ist reizend. Und Metall-Menschen sind mir sowieso sofort sympathisch.

Steffen bleibt brav im Auto sitzen und bewacht den Parkplatz, obwohl er natürlich helfen will. Darf und kann er aber nicht. Wird aber wieder.

Als wir endlich zuhause kommen, gibt es auch für uns beide einen kleinen Seelentröster: Kartoffelbrei mit Fischstäbchen und Sauerkrautsalat aus frischem Sauerkraut. Feine Probiotika für den Darm.

danaheidrich

Autorin, Bloggerin, Köchin, Witwe

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danaheidrich

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