Von Bologna nach Florenz

Heute Nacht habe ich etwas ruhiger geschlafen und springe schon 8:00 Uhr hungrig zum Frühstück. Daran kann man sich wirklich gewöhnen, dass man regelmäßig ein Frühstück bekommt und obendrein einen geregelten Tag hat.

Eine weitere Erkenntnis kam mir heute Morgen: ich verspüre kein Heimweh. Ich vermisse nichts von zuhause. Meine Freunde und Familie sind immer über die neuen Medien erreichbar und dabei. Das ist eine weitere verrückte Erkenntnis. Es gibt nichts mehr, was mich irgendwo festhält. Ich bin mal gespannt, wie das Gefühl ist, wenn ich wieder zuhause ankomme.

Noch in Bologna

Der Frühstücksraum gehört mir heute allein, der Hausherr ist da, die quackernden Damen sind krank. Auch gut. Sogar besser. Irgendwann komme ich mit ihm ins Gespräch. Der Satz „I am a chef“ – also „ich bin Koch“ wirkt Wunder. Sofort sieht man im Gegenüber Respekt und Anerkennung.

Er fragt, wie ich das Essen gestern Abend fand. Wir kommen ins quatschen, sie haben hier einen eigenen Garten und verarbeiten und produzieren alles selbst. Wenn ich Interesse habe, könnte ich ja mal eine Woche mitkochen, könnte hier für Kost und Logis leben und lernen. Der Winter ist dafür am besten, denn es ist ja bekanntlich einfach, ein gutes Essen aus guten Zutaten herzustellen. Umso schwieriger ist es und umso mehr lernt man also, wenn man gezwungen ist, aus wenigen Zutaten, wie sie zum Beispiel im Winter nur begrenzt zur Verfügung stehen, etwas Fantastisches zu schaffen.

Das wäre in der Tat etwas für die Zukunft: herumreisen und lernen. Und dann sehen, was sich ergibt.

Wir verabschieden uns, er gibt mir alle Kontakte mit und ich würde mich wirklich freuen, das zu machen.

Ich mag die Gegend um Bologna und die Einstellung der Leute. Wo wir auch schon beim nächsten Thema sind:

Marzobotto

Parco storico di Monte Sole

Hier wird dem Massaker von Marzabotto gedacht, in welchem deutsche Soldaten im 2. Weltkrieg all ihren Hass ungezügelt in einer mehrtägigen Schlachterei an der Dorfbevölkerung ausließen. Ein paar Leute aus dem Dorf hatten Partisanen in den umliegenden Bergen unterstützt und mit Nahrung versorgt und nun waren dadurch alle unter Verdacht, den Partisanen zu helfen und damit automatisch schuldig. Da Partisanen bzw. Partisanenkämpfe nicht dem Kriegsrecht unterlagen, hatten die Soldaten freie Hand und konnten alle, welche in irgendeiner Verbindung zu den Partisanen standen, und sei es nur ein Verdacht, nach ihrem Gutdünken willkürlich umbringen.

So entlud sich der Frust und die Wut der deutschen Soldaten in dem kleinen Dörfchen:

Die verängstigte Dorfbevölkerung hatte sich in die Kirche geflüchtet und der Priester und eine verkrüppelte Frau, die nicht wegrennen konnte, wurden in der Kirche erschossen. Der Priester hatte zuvor die Dorfgemeinschaft aufgefordert, langsam zu gehen. Die Kirche wurde gesprengt.

Die Menschen wurden auf den naheliegenden Friedhof getrieben. Wie überall war der Friedhof eingerahmt von hohen Mauern, so dass keiner mehr flüchten konnte. Die Maschinengewehre wurden extra niedrig angesetzt, damit man ja alle Kinder erwischt. Die Opfer waren ausschließlich, Frauen, Kinder und alte Menschen. Die feinen Deutschen haben also wieder einmal ganze Arbeit geleistet.

Nur ein paar haben das Massaker überlebt. Sie lagen unter den Leichen.

In einem nahegelegenen Weiher wurden alle Frauen und Kinder in einen Keller getrieben und mit mehreren Handgranaten getötet. Kinder wurden lebendig in die Flammen geworfen. …

Warum, sie haben angeblich Partisanen unterstützt, die sich gegen die deutsche Besatzung und den italienischen Faschismus gewehrt haben.

Wie mir der Inhaber des Hotels noch einmal bekundete, sind die Bewohner der Emilia Romagna eher rot, das Lied „Bella Ciao“ kommt von hier. Über den Remix möchte ich nicht sprechen, der ist auch ein Verbrechen.

Puh, das muss ich erst mal wieder sacken lassen.

Weiter geht es Richtung Florenz.

Unterwegs komme ich an einem deutschen Soldatenfriedhof vorbei. Überall sind Schilder angebracht, dass man keine Wertsachen im Auto lassen soll wegen Diebstahl. Ich halte kurz, gehe eine Runde auf dem Friedhof. Ich kehre aber schnell um, denn sorry, ich spüre hier keine Verbindung.

Appenninen

Lieber fahre ich weiter und genieße die Berge. Genau. Ich befinde mich in einem Gebirge, und zwar den Apenninen. Wolken schieben sich schwer über die Bergrücken, ab und zu regnet es ein bisschen. Kleine Bergdörfer schmiegen sich an Hänge oder auf Bergkuppen. Durch die Berge frisst sich die Autobahn über gigantische Bogenbrücken. Von hier oben sieht alles so friedlich aus. Ein Fahrradfahrer kämpft sich den Berg hinauf. Ich bin nicht neidisch.

Ich fahre die ganze Strecke auf der Landstraße, um so ein besseres Gefühl für das Land zu bekommen. So brauche ich für 180 km auch fast 3 Stunden, da ich aller Furze lang irgendwo anhalten muss. Denn es ist beeindruckend und wahrscheinlich komme ich so nicht noch mal hier her.

Irgendwann werden die Straßen voller, immer mehr Castelli links und rechts. Es wird sichtbar reicher. Wir nähern uns

Florenz

Ich fahre aus Richtung Norden kommend in den Talkessel hinein und habe einen ersten Blick auf Florenz. Mir fällt sofort das Wort „Elbflorenz“ für Dresden ein. Sorry, der Vergleich hinkt. Florenz ist viel größer und schöner und schon aus der Ferne beeindruckender.

Schön ist auch, dass ich gerade mitten durch die Stadt fahre, mitsamt ihrem Monsterverkehr. Kurz wird mir mulmig, aber dann werfe ich jede Angst über Bord. Was soll schon passieren, nichts ist so schlimm, wie die Oranienstraße in Berlin.

Dann überquere ich den Arno, den Fluss, welcher Florenz durchquert, und habe eine kurze Möglichkeit, auf die Ponte Vecchio zu werfen. Aber nur kurz, der Verkehr! Dann fahre ich gegenüber wieder den Berg hinauf und schon bin ich in meiner Unterkunft. Der

Villa il Leone

Ein familiengeführtes B&B, welches sich in einer kleinen Villa über der Stadt befindet. Die Zimmer sind individuell eingerichtet. Das Ehepaar ist super herzig, die Frau war für die Einrichtung zuständig und er redet sehr gerne über Essen. Und es gibt einen kleinen Hundi.

Diese Unterkunft ist ein absoluter Traum!

Ponte Vecchio

Da es aber noch zeitig am Nachmittag ist, gehe ich einfach zu Fuß in die Stadt. Die Ponte Vecchio ist 2 km entfernt und da der Berg steil ist, hole ich nicht extra das Fahrrad heraus. Außerdem muss ich mir irgendetwas zu essen suchen.

Die Stadt ist natürlich auch wieder ganz toll. Die Paläste werden immer größer.

Umso näher ich zur Brücke komme, umso mehr Menschen sind überall.

Dann schieben wir uns über die Brücke, die gesäumt von Goldhändlerläden ist. Über den Häuschen selbst befindet sich ein Verbindungsgang zwischen dem Palazzo Pitti und dem Palazzo Vecchio, welchen Cosimo v. Medici hat anfertigen lassen, damit er schneller von Palast zu Palast kommt.

Auf der anderen Seite des Arno kaufe ich mir erstmal ein Eis. Wurde ja auch langsam mal Zeit in Italien… 8 EUR, zack! Herrje. Damit hätte ich nicht gerechnet. Ich lasse das erstmal sacken und esse das Eis in Ruhe in einer Seitenstraße.

Die Uffizien

Dieser folge ich weiter und plötzlich stehe ich in den Uffizien! Ein Zeichen. Es ist um 4 und das Museum hat noch 2,5 h geöffnet. Vielleicht ist es dadurch nicht so voll. Also kaufe ich mir ein Ticket. 20 EUR. WTF. Nun, jetzt drehe ich nicht um wegen 20 EUR, meine Mama hätte alles dafür gegeben, einmal hier zu sein.

Ich lasse mich von dem Besucherstrom mitstrudeln und bewundere die Gemälde. Was für Farben, welch feine Pinzelführung, was für grandiose Kunst.

Nun bekomme ich aber langsam Hunger und finde eine freundliche kleine Trattoria. Ich bestelle mir Pasta mit Pesto. Keine drei Gänge. Das wird mir sonst echt zu teuer.

Dazu noch einen Weißwein und dann geht es in der Dämmerung ab nach Hause. Ich habe keine Angst, kein Gefühl der Bedrohung, obwohl ich allein unterwegs bin.

Im Hotelbett gibt es erstmal Bildungsfernsehen. Ich schaue mir ein paar Dokumentationen über die Medici an. l

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