Fernweh nach Südindien

Die Zeit zwischen den Jahren ist nicht ohne Grund der beste Zeitpunkt, um über Vergangenes nachzudenken. Genügend Zeit also, um über meine Reise nach Südindien im letzten Jahr zu reminiszieren.

Es ist tatsächlich gerade erst ein Jahr her, dass ich mich mit meinen lieben Freunden erneut nach Südindien begab. Ja, haltet euch ganz fest: vor einem Jahr konnte man um diese Zeit noch in ferne und nahe Länder reisen! Der aufmerksame Leser hat sich außerdem längst zusammengereimt: „Mensch, Indien – da waren doch Steffen und Dana auch schon gemeinsam!“.

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Oschatz – St. Aegidien

wer hätte das gedacht, auch diese Reha neigt sich dem Ende zu. Daher werde ich heute noch einen kleinen Beitrag über Oschatz und dessen Stadtkirche St. Aegidien schreiben.

Wie letztens mein Papa am Telefon so schön zu mir sagte: ach, da ist die Zeit ja schon rum! Am Anfang deiner Reha wollte ich gar nicht fragen, wann du zurückkommst, denn die Dauer schien ja ewig.“ Schöner hätte ich es nicht sagen können.

Also habe ich diese Woche meinen letzten Wochenplan bekommen. Also der Plan, auf dem meine täglichen Behandlungen für eine ganze Woche stehen. Und dieser endet genau in einer Woche, denn dann geht es endlich zurück in mein geliebtes Berlin.

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Packliste für die Reha

Aus der Rubrik: „hätte ich das mal eher gewusst“ habe ich euch hier eine Packliste für eure zukünftigen Reha erstellt, damit ihr dort den Boss machen könnt.

Dein erstes Mal?

Das ist der Blick, denn man entgegengeworfen bekommt, wenn man wieder stümperhaft den viel zu oft verwendeten ausgeleierten Kaffeepappbecher aus der Cafeteria mit losem Kaffeepulver und heißem Wasser penetriert.

Tief in deiner Brust spürst Du die rostige Klinge des Versagens. Das muss nicht sein!

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Auschwitz-Birkenau

Ich persönlich beschäftige mich schon immer mit den schlimmen fatalen historischen und morbiden Fakten, die allzu gerne von den satten und arrivierten Menschen verdrängt werden, denn zu groß ist die Angst vor dem eigenen Tod. Natürlich habe ich daher auch Auschwitz-Birkenau besucht, wenn ich schon mal in Krakau bin.

Wer schon einmal einen tiefen emotionalen Verlust erlebt hat, kennt vielleicht dieses Gefühl: man fühlt sich in der normalen Gesellschaft nicht mehr verstanden und unwohl. Alles erscheint oberflächlich, man wird mit seinem Schmerz nicht ernst genommen und wahlweise als irre abgetan. Die normale Welt schmerzt nur noch, weil man weiß, dass man nie wieder Teil des Ganzen sein wird, weil genau ein wesentlicher Teil der eigenen normalen Welt für immer vernichtet wurde.

Triggerwarnung! Diesen Blogeintrag nicht lesen, wenn Du sensibel bist. Explizite Wortwahl und Beschreibung.

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Gastronomie in Krakau

Nach der letzten Horrorgeschichte über das Essen in Polen in den 90ern möchte ich euch nun zeigen, wie die Gastronomie in Krakau aktuell aussieht und welchen Turbo dieses junge Land seit den 90ern hingelegt hat. Dies ist ein Blogeintrag über Essen in Krakau.

Ich hatte mal wieder einen Massel. Nach fünf Stunden mit dem Auto parkte ich dieses ziemlich erschöpft auf der Straße vor meinem gebuchten Hotel, denn dass Tor zum eigentlichen Parkplatz war verschlossen.

Was ist da los? Also laufe ich hin, sehe eine Telefonnummer, diese ist dieselbe wie die vom gebuchten Hotel und rufe die Nummer an. „Es tut uns so leid, das von Ihnen gebuchte Hotel ist leider geschlossen. Wir haben sie daher umgebucht. Sie wohnen jetzt im Hotel Imperial direkt am Rathausplatz, einem 4-Sterne-Hotel. Kommen Sie bitte vorbei, wir haben uns auch um einen Parkplatz für Ihr Auto gekümmert.“

Essen in Polen

Ich bin immer glücklich, wenn ich allein reise, neue Orte mit mir erkunde, meine Ruhe habe und nur mich. Und ich liebe Polen. Aus den verschiedensten Gründen. Und in Krakau war ich noch nie. Also ab ins Auto Instantglück generieren.

Wie sagte meine Psychotherapeutin letzte Woche zu mir: du musst wieder heil werden, das geht nur, wenn du hart nur das machst, was dich glücklich macht. Also mach ich jetzt nur noch Dinge, die mich glücklich machen.

Also fahre ich in ein Land, welches mich seinem Herzblut, Salzgurken und Pierogi aufpäppelt. In ein Land, welches solche Sätze prägt wie „Familie ist am schönsten auf dem Foto … aber sorge dafür, dass du in der Mitte vom Bild stehst, da kann dich keiner wegschneiden“

Genau mein Ding. Und meine Seele dürstet nach Herz und Empathie. Und wie zwei Teilchen sich anziehen, braucht mein russisches Genom ab und an „sto-gram“ vom Ostblock.

Zu wenig Zeit

Seit Tagen habe ich mich nicht mehr gemeldet. Es ist absolut verrückt. Ich habe immer noch zu wenig Zeit.

Corona – um nur einmal kurz dieses Thema zu behandeln, es wird ja schon überall anders inflationär benutzt – erlöst mich. Es erlöst mich von dem Zwang, mich in dieser Welt zu assimilieren. Auch die berühmten drei Worte von Ändy Borg werden mich nicht retten „Sie sind assimiliert“. Großartig.

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Wet Market in Shanghai

Wie sieht es in so einem Wet Market eigentlich aus? Wo kaufen die Chinesen ihre Nahrungsmittel ein? Wurden die Chinesen in Wuhan wirklich durch die Fledermaussuppe mit dem Coronavirus infiziert?

Panik!

Die übelsten Horrorvideos kursieren derzeit im Netz, gekochte Hunde, Kinder, Fledermäuse, alles ist dabei. Leise raunt man in sich hinein, Chinesen, diese Barbaren, das geschieht denen nur recht.

Aber stimmt das denn so?

Was erlaubt uns denn, die moralische Instanz gegenüber anderen Menschen zu sein?

Wer weiß, vielleicht erscheint Chinesen auch einiges absurd, was wir den ganzen Tag so treiben?

Vorab die Entwarnung: Man kann sich nicht durch den Genuss von Fledermaussuppe mit dem Coronavirus infizieren.

Köche kennen das Geheimnis längst: alles was gekocht wurde, ist auch wirklich tot. Deswegen gibt es auch keine Virensuppe.

Die Ansteckung erfolgt über Tröpfchen- und Schmierinfektion und dem Genuss von nicht genügend durchgegartem Fleisch. Fleisch mal wieder. Vielleicht hat eine Fledermaus ein lebendes Tier im Markt infiziert, welches dann gegessen wurde. Noch nichts genaues weiß man nicht.

China

Und immer, wenn ich ins Schwärmen über China gerate, spüre ich eine Ablehnung bei meinen Mitmenschen. Worte poltern durch den Raum: Diktatur, Überwachung, keine Meinungsfreiheit, Dritte-Welt-Land, die Chinesen leben doch auf dem Dorf alle in Lehmhütten und essen am liebsten Hundefleisch!

Vielleicht ist es doch keine so gute Idee, einen Chinaratgeber zu schreiben, denke ich mir leicht besorgt:

Aber egal, das Wissen muss raus aus meinem Kopf und wenn das Buch nur einem Menschen hilft, dann habe ich alles erreicht.

Aus einem mir nicht erfindlichen Grund habe ich eine riesige Affinität zu asiatischen Ländern. Sei es die Mentalität, das leckere und frische Essen oder die schlichte Schönheit der Menschen, der Architektur, der Ästhetik fast aller Dinge dort und der Landschaft.

Wie ich China erlebt habe

China hat mich in seiner Effektivität beeindruckt und stellenweise sprachlos gemacht: wie alles einfach funktionierte! Und welchen technischen Quantensprung dieses Land im Vergleich zu Deutschland hingelegt hat, ich fühlte mich stellenweise wie in einem Science-Fiction-Film.

Dann dieser unendliche Kosmos der Mobilität, die diversesten Apps zum chatten, shoppen, bezahlen. Das ganze Leben wird dort bereits über das Smartphone höchst effizient geregelt. Nerdcore! Selbst irgendwo in der Pampa mitten in den Bergen gab es 4G.

Hier braucht man sich nur 100 km von Berlin entfernen und man ist von der virtuellen Welt entkoppelt…

Und immer und überall ist es die Meinungsmache, die Menschen andere Menschen hassen lässt. Wenn man sich dann vor Ort mit den Menschen persönlich unterhält und sich auf das Alltagsleben einlässt, bekommt man überhaupt einen Hauch von einem Eindruck, wie es wohl wirklich sein mag. Denn wir Menschen sind alle nicht so schlecht.

Wenn wir uns öfter mal mit anderen unterhalten würden und nicht so sehr damit beschäftigt wären, die ganze Zeit selbst zu senden, würde man auch mehr über die Welt und die Menschen erfahren.

Wet Markets in China

Deswegen möchte ich Euch sehr gerne einmal auf einen Shanghaier Gemüse- und Fleischmarkt, einen sogenannten Wet Market mitnehmen:

Wir hatten das Glück, in Shanghai bei der Familie meiner Schwägerin wohnen zu dürfen.

Danke so sehr dafür!

Und gleich am ersten Tag nach unserer Ankunft vor einem Jahr ging die chinesische Mum mit uns allen zum lokalen Wet Market mitten in einer Wohnsiedlung.

Zunächst sahen wir unterwegs die üblichen Garküchen:

Bambusdämpfer mit Bao Buns in einer Garküche beim Markt

Und dann näherten wir uns dem Markt. Außerhalb des Marktes wurden auch frische handgezogene Nudeln gekauft. Habt Ihr jemals handgezogene Nudeln beim Chinesen gegessen? Die sind unglaublich. Die haben einen ganz speziellen Biss, das bekommt man mit normalen Nudeln leider überhaupt nicht hin:

Handgezogene Nudeln außerhalb des Marktes an einem Verkaufsstand

Und als wir endlich den Wet Market betraten, gingen uns die Augen über. Jeder, der Kochen und gutes Essen liebt, liebt Märkte. Sobald man einen solchen Markt betritt, beginnt die Fantasie mit einem durchzugehen.

Was könnte ich damit machen? Wofür ist dies? Was ist das?

Der Geflügelstand im Frischemarkt in Shanghai

Geflügel wird hier mit Kopf und Krallen verkauft und auf Wunsch natürlich direkt vor Ort küchenfertig vorbereitet. Genau so wie in Frankreich ist der Kopf noch am Huhn. Das wirkt auf uns Deutsche wahrscheinlich erschreckend, aber eigentlich ist es doch so praktisch: man sieht ob es Huhn oder ein Hahn ist, die Farbe des Gefieders und natürlich die Frische.

Bereitwillig gab uns Mum über alles Auskunft.

Frische!

Worum es stets in Asien geht, ist die absolute Frische. Das Gemüse ist knackig, die Karpfen sind noch lebendig.

sieht das nicht knackig aus?
Lotuswurzeln
der Pilzstand mit vielen bekannten und unbekannten Pilzen

Frösche zappeln noch in kleinen Netzen. Die Fische sind maximal einen Tag alt.

Fisch, so weit das Auge reicht
Noch ein Blick auf den Fischstand

Mangels einer Kühlkette in der alten Zeit haben alle Chinesen verinnerlicht, dass die Zutaten knackfrisch sein müssen und noch am selben Tag verarbeitet werden.

So kann man sich auch nicht den Magen verderben.

Fleischstand in Shanghai im Wet Market

Schaut mal diesen Bacon an! Guter Bauchspeck muss in China fünf Schichten haben, also Speck, Fleisch, Speck, Fleisch, Speck. Habt Ihr Euch mal in Deutschland den Speck angesehen? Der schafft es maximal auf drei bis vier dünne Streifen. Die armen Schweine leben bei uns normalerweise gar nicht so lange, dass sie überhaupt Fett ansetzen können…

In China essen sie Hunde?

Spoiler: es gab nirgends Fledermaus, Schlange oder Hund zu kaufen.

Auf meine Nachfrage nach Hundefleisch winkte Mum ab „ach, Hundefleisch essen höchstens ein paar dumme Menschen im Norden“

Es gab jedoch eine verstörende Szene:

Außerhalb des Marktes befanden sich Käfige mit lebendigen Hühnern und Tauben. Ein Mann kam mit seinem Moped vorgefahren und kaufte sich eine lebendige Taube. Der Händler nahm eine Zange und knipste der lebendigen Taube den Schnabel ab, damit sie den Mopedfahrer nicht mehr hacken konnte …

„Ja, Barbaren!“ schreien vielleicht einige auf.

Aber was in unseren Schlachtbetrieben so vor sich geht, erfahren wir ja selten. Aber jeder kennt doch Geschichten von gestörten Sadisten, die sich an Tieren auslassen und wie abgestumpft Schlachter werden, wenn sie zu oft Tiere töten.

Unser massiver Fleischkonsum kommt nur daher, dass alles so schön abstrakt in Plaste abgepackt im Supermarkt liegt. Was würde passieren, würden unsere Märkte wie die in China aussehen?

Wie geschockt manche Menschen schauen, wenn man sagt: „ja, meine Oma hat die Kaninchen selbst geschlachtet und ich habe mit den abgehackten Pfoten gespielt“.

Aber so ist das nun mal, wer Fleisch essen will, muss sich auch mit dem Aspekt des Tötens abfinden.