Depression und Trauer

Ihr Lieben, entschuldigt, dass es so ruhig um mich wird, ich denke, das ist das, was die Depression und die Trauer mit mir macht.

Dank meiner Psychologin habe ich es nun „schriftlich“. Ich bin mittendrin in einer gepflegten Depression und das Ganze verbunden mit natürlich Trauer. Das macht es etwas schwierig, diese beiden Kandidaten auseinander zu halten, da man immer irgendwie trennen muss, ob die jeweilige Gemütsverfassung zum Trauerprozess gehört oder ob es bedenklich und „krank“ ist.

Symptome einer Depression

Meine liebe Psychologin hat mir ein Blatt mitgegeben, in welchem die typischen Symptome beschrieben werden:

  • Depressive Verstimmung
  • Vermindertes Interesse an Freude an allen oder fast allen Aktivitäten
  • Deutlicher Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme
  • Schlaflosigkeit oder vermehrter Schlaf
  • Psychomotorische Unruhe oder Hemmung
  • Müdigkeit oder Energieverlust
  • Gefühl der Wertlosigkeit oder exzessive, unangemessene Schuldgefühle
  • Verminderte Fähigkeit zu denken oder sich zu konzentrieren oder Entscheidungsunfähigkeit
  • Wiederkehrende Gedanken an den Tod, wiederkehrende Suizidideen, Suizidversuch

Weiter steht da:

Um eine Diagnose für eine Depression zu stellen, müssen von dieser Symptomliste mindestens fünf Symptome vorhanden sein.

Treffer, versenkt! Bingo, ich bin sowas von im Team!

Wenn Ihr noch mehr zu dem Thema erfahren wollt, finde ich diese Seite vom Freunde fürs Leben e.V. sehr hilfreich.

Das Schlimme daran ist, das ich das schon ewig kenne. Dass ich dort quasi schon länger wohne. Ich dachte, dieses Gefühlscocktail ist normal. Ist es aber wohl nicht, sagen die Tabellen, die Menschen, die Psychologin.

Das ist auch der Grund, warum ich gerade so selten schreibe. Ich habe einfach keine Energie.

Nun, wenn mir jedoch die Therapie ermöglicht, endlich positiv und voller Energie in die Zukunft zu gehen, werde ich es gerne versuchen. Denn nun habe ich das erste Mal Zeit nur für mich. Zwar erzwungen, aber so ist das manchmal und man muss Scheißegelegenheiten ja als Chance für irgendwas sehen. Also habe ich das erste Mal seit … hm, lasst mich nachdenken, also seit ewig, also seitdem ich das Haus meiner Eltern mit 17 verlassen habe, Zeit für mich.

Unterschied zwischen Depression und Trauer

Depression

Gestern war ein Tag, der war absolut klassisch für eine Depression. Man wacht auf und hat keine Lust zu nichts.

Ich fühle mich wie ein waidwundes Tier, welches sich in seiner Höhle verkriecht. Wie eine kranke Katze, die irgendwo in der Wohnung unauffindbar verschwindet.

Der gestrige Tag endet schon für mich morgens um 9:00 Uhr mit einem Film. Natürlich irgendein Science-Fiction-Postapokalypse-Film mit ganz viel Dystopie. Romantik und Glück ertrage ich derzeit einfach nicht. Dystopie dagegen verstehe ich, ich wohne da. 3. Stockwerk links.

Dann kommt irgendwann der Hunger. Die lebenserhaltenden Organe funktionieren offensichtlich noch. Also finden Kohlenhydrate mit Fett ganz leicht denn Weg in meinen Körper. Ich habe sie wie folgt getarnt: als in Butter angebratene Pelmeni mit Créme Fraiche und dazu gibt es gebratene Zwiebeln. Und danach noch schnell eine komplette, feine junge Vollmilchschokolade mit gesalzenen Mandeln. Nun muss der Körper aber ausruhen, also verschlafe ich den ganzen Nachmittag. Es ist eh zu hell und heiß da draußen. Hell und Sonne ist nämlich auch blöd.

Kurz pickert das schlechte Gewissen: „Du musst doch noch …“ Ach, scheiß drauf, das kann ich auch morgen noch machen. Ich habe so viele Ideen für den Blog, aber alle Ideen sterben jämmerlich auf dem kurzen Weg vom Bett zum Laptop. Meine bestimmt ganz tollen Ideen verpuffen wie Seifenblasen über dem heißen Holzkohlegrill.

So rettet mir Netflix den restlichen Abend und um 22:00 Uhr liege ich schon wieder im Bettchen und kann endlich schlafen, in der Hoffnung, dieser doofe Tag geht endlich vorbei und morgen ist es hoffentlich besser.

Trauer

Trauer passiert täglich. Mal mehr mal weniger. Manchmal helfen diese Tipps gegen Trauer wunderbar.

Und dann gibt es Tage, da kann ich vor Schmerz kaum atmen, ich heule wie ein Schlosshund und meine Gesichtshaut bekommt ob der Salzwasserdauerüberflutung schon wunde Flächen. Dabei rast mein Herz und meine Magengrube rollt in Dauerpanik umher und dann gibt es wieder Tage, da geht eigentlich alles ganz gut, bis ich auf eine Trauermine trete.

Trauermine

Diese Minen sind überall in der Wohnung verteilt. Manchmal liegen sie auch im Park herum oder sind in Musikform oder als Geruch verpackt.

Es ist genauso wie mit einer echten Mine: du trittst drauf, du spürst es klicken und du weißt ganz genau, was gleich passiert und kannst es nicht mehr aufhalten.

Die heutige Trauermine entpuppte sich wie folgt: ich möchte Steffens Handy aufladen und komme dabei auf die Wetteranzeige auf dem Startbildschirm. Ich sehe heute das erste Mal, dass Steffen wechselnd drei Standorte eingestellt hatte, die er ständig hin- und her scrollen konnte:

Berlin – Shanghai – Peking

Und wumms, schon verliere ich wieder die Bodenhaftung. Mein Herz krampft, meine Magengrube wird dumpf.

Plötzlich spüre ich ein unerträglich tiefes Mitleid mit Steffen, kann es nicht fassen, dass es das für ihn gewesen sein soll.

Dass das sein Leben gewesen sein soll.

Einfach so alles vorbei, mit 40.

Das dies der letzte Urlaub war.

Dass ihm dieser letzte Urlaub so viel bedeutet hat.

Ich wünschte mir, ich hätte unsere letzte gemeinsame Zeit noch achtsamer mit Steffen verbracht. Aber noch achtsamer geht kaum. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel so wenige Momente plötzlich Wert sind.

Peking im Januar
Steffen in Peking vor dem Wanghai Tower
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