Die Waschmaschine

Ich war so froh, mit Quelle.de einen Anbieter für eine Waschmaschine gefunden zu haben, welche noch am Folgetag geliefert und angeschlossen werden sollte. Eine Lieferung innerhalb von 24h inklusive Anschluss und Probelauf wurde mir beim Bestellvorgang versprochen.

Genau mein Ding. Ich würde mich dumm stellen, die Jungs die Waschmaschine austauschen und mir dann noch die Waschmaschine fachgerecht anschließen sowie einen Testlauf machen lassen.

Manchmal greife auch ich gerne auf Rollenklischees zurück.

Vorfreude

Am Vorabend bekam ich noch einen Anruf aus dem Lieferlager, dass die Waschmaschine am nächsten Vormittag, dem Sonnabend, geliefert werden würde.

Soweit so gut, so richtig wollte ich nicht glauben, dass es wirklich funktionieren sollte, aber in Ordnung. Gehe ich einfach einmal unvoreingenommen an die Geschichte heran. Vielleicht habe ich ja Glück.

Der Wecker war auf 06:30 Uhr gestellt, da die Anlieferung zwischen 08:00 und 13:00 Uhr geschehen sollte.

Als ich am Morgen mein Telefon wieder aus dem Flugmodus holte, plärrte mich direkt eine E-Mail an:

Botschaft von Hermes
Die Absage per Mail vom Hermesversand

Das war ja so klar!

Scheiße.

Was jetzt!?!

Papa sollte von meinem gestrigen Fiasko nichts erfahren und eigentlich direkt mit einer neuen Waschmaschine überrascht werden. Und jetzt das.

Obendrein meldet sich kurz darauf Papa, dass er am Sonntag entlassen werden würde.

Und kein Ersatzdatum für die Lieferung der Waschmaschine in Sicht.

Panik!

Große Scheiße! Das gibt ein Donnerwetter, weil ich die heilige Waschmaschine zerstört habe.

Also versuchte ich im Häuschen alles so heimelig wie möglich zu machen. Ich holte noch mehr Holz über die Hühnerleiter, kochte Speisen vor, damit er mit seinem schockierenden Gesichtsverband erstmal nicht unter die Leute muss und räumte die Küche auf.

Ich legte mir einen strategischen Plan zu, wie ich ihm vom Waschmaschinenfiasko berichten würde.

Gesagt, getan. Am Sonntag ging es dann also nach Görlitz, um Papa im Krankenhaus abzuholen. Ihm ging es schon viel besser und er war so froh, endlich wieder nach Hause zu kommen.

Rein zufällig lies ich das Unaussprechliche ins Gespräch einfließen.

„Die Waschmaschine ist kaputt …“

„GROSSE SCHEISSE!“

„Aber ich habe schon eine neue besorgt, die sollte gestern geliefert werden.“

„HAST DU SIE VOM HÄNDLER UM DIE ECKE?“

„Nein, die hätten nicht so schnell liefern können, wäre zu teuer gewesen und der Anschluss war inklusive. Ich wollte so wenig Stress wie möglich.“

„ACH, DANN IST JA GUT.“

„Aber sie wurde nicht geliefert.“

„DAS IST SCHLECHT. WANN WIRD SIE GELIEFERT?“

„Ich weiß es nicht, ich habe keine Informationen bekommen.“

Schnell war jedoch die Aufregung verraucht und nach einem Mittagessen fuhr ich wieder zurück nach Berlin.

Vorher sicherte ich noch Papa zu, dann da zu sein, wenn die Waschmaschine kommt und mich auch um alles zu kümmern. Wenn die Waschmaschine gerade nicht auf Lager war, würde es ja sicher noch ein paar Tage brauchen, bis sie wieder lieferfähig ist, dachte ich mir.

Hashtags retten Leben

Auch wieder so eine von diesen irren Geschichten, wie sie mir gerade ständig passieren:

Ich hatte bereits in Berlin Besuch von einer Freundin aus München, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Wir haben uns über Instagram kennengelernt, sie ist eine Schwester im Leid quasi.

Hashtags retten Leben: #witwe und #trauerbewältigung haben uns zusammengeführt. Auch sie brachte eine furchtbare Geschichte mit und gemeinsames Leid relativiert eigenes Leid.

Nun, ich kannte sie bis dahin also nur aus dem Internet und hatte ihr also bereits für drei Tage meine Wohnung in Berlin zur Verfügung gestellt, da ich ja ganz plötzlich zu meinem Papa musste – drei Wochen vor dem eigentlich angesetzten Termin. Papa geht immer vor.

So wollte ich sie an ihrem letzten Tag in Berlin wenigstens auch noch kurz kennen lernen, da sie ja am nächsten Tag schon wieder abreiste. Man will doch wissen, wer in seiner Wohnung sitzt. Außerdem hatte ich noch einen Arzttermin am Dienstag. Also ging es wieder zurück nach Berlin.

Montag bekomme ich dann am späten Nachmittag eine kurze SMS:

Terminankündigung Hermes
Die neue Terminankündigung von Hermes

Die Waschmaschine wird morgen Vormittag geliefert. FRISS ODER STIRB!

Am einzigen Tag, wo ich nicht bei Papa sein konnte, wurde das Scheißding natürlich angeliefert. Wut!

Also sprang ich nach dem Arzttermin direkt wieder ins Auto und fuhr die 300 km zum Papa, in der Hoffnung, noch irgendwie helfen zu können.

Was war inzwischen passiert?

Zunächst bekomme ich morgens den Anruf, dass die Anlieferung in der nächsten halben Stunde erfolgen wird. Die Anlieferung erfolgte über das Hermes Serviceteam.

Zwei starke Herren packten nun also die alte Waschmaschine und entsorgen sie. Dann packen sie die neue aus, popeln die Justierschrauben aus der Maschine und stellen diese dann einfach kommentarlos ins Waschhaus und verschwinden ohne ein Wort.

OHNE ANSCHLIESSEN, OHNE TESTLAUF, OHNE NICHTS!

DANKE FÜR NICHTS!

Und das ist das, was mich hier in Deutschland so anpiept. Service ist ein Fremdwort.

Papa hat die Waschmaschine dann selbst angeschlossen, er ist ja nicht auf den Kopf gefallen.

Aber Quelle hat auf ganzer Linie versagt. Offensichtlich hat wieder irgendein BWL-Fuzzi Human Resources wegrationalisiert, da Menschen am teuersten sind. Das Computer-Lager-Programm wird es richten. Tut es aber nicht.

Dann wird die eigentliche Dienstleistung mal wieder auf Hermes abgeschoben, die eh schon am Limit laufen, da sie an diesem Tag noch drölfhundert andere Auslieferungen haben und ganz sicher keine Zeit und Nerven, diese und all die anderen Waschmaschinen anzuschließen.

Das weiß man natürlich alles bei der Bestellung noch nicht.

Incredible China

Mein Fazit: so etwas würde es in China nicht geben. Sowas leistet sich ein Versand dort nur über einen kurzen Zeitraum, denn dann ist er weg vom Fenster.

Positive Online-Bewertungen sind dort schieres Gold, denn es gibt genügend andere Lieferanten in der Pipeline, die schneller, effektiver und serviceorientierter sind und nur auf ihre Chance warten.

Und natürlich hätte ich hier zum Händler um die Ecke gehen können, dann wäre die Waschmaschine genauso schnell geliefert worden und hätte aber auch 300 EUR mehr gekostet.

Meiner Meinung nach wird sich die Zukunft eh dahingehend wandeln, dass wir alle mehr online und weniger lokal kaufen. Da nützen alle guten Vorsätze nichts. #isso

Besonders in ländlichen Gegenden stoßen Inflexibilität

  • dem Anspruch der Angestellten auf Pausen, Urlaube, Richtlinien verbunden mit der Unfähigkeit, Verantwortung zu übernehmen
  • Sätze wie: „das haben wir schon immer so gemacht“ und „dafür bin ich nicht zuständig“
  • was soll ich mit diesem Internet?
  • das ging früher doch auch so, und keiner hat sich beschwert
  • Öffnungszeiten von 08:00-12:00 Uhr am Samstag! Wer schlau ist, kauft hier eh schon alles in Tschechien

auf ständige Verfügbarkeit im Internet.

Außer in der Uckermark, da gibt es nicht mal Internet.

Und wie das Ganze irgendwann funktionieren wird, sieht man anschaulich in China.

Mein Buch dazu kommt ganz bald raus, Cover ist schon fertig:

Reiseführer China
mein nächstes Buch über China