Was denken eigentlich Menschen, die täglich mit Tod, Sterben und Trauer zu tun haben? Trauern Bestatter eigentlich selbst? Können sich Trauerberater eigentlich noch all die ganzen traurigen Geschichten anhören? Gibt es Dinge, die bei jedem Tod ähnlich sind?

In den letzten zweieinhalb Jahren habe ich über das Thema Tod, Sterben und Trauer so vieles gelernt, was ich alles gerne so viel eher gewusst hätte. Manche Dinge hätte ich im Rückblick bei Steffens Tod anders gestaltet, wie zum Beispiel die Sache mit dem

Herrenhemd, Linon, weiß, Fliege

Steffens Tod kam so plötzlich – ich hatte überhaupt keine Ahnung, was ich jetzt tun musste. Von außen hörte ich ständig nur: „du brauchst die Sterbeurkunde, die ist am wichtigsten!“ Glücklicherweise hatten die im Krankenhaus einen Bestatter, der sich um alles kümmerte. Es war aber eben ein Standard-Bestatter. Einer der größten hier in Berlin.

Als ich beschloss, Steffen in meinem Heimatort im Grab bei Mama bestatten zu lassen, musste die Leiche irgendwie überführt werden.

Nun war es Wumpe, ob Steffen als Asche in der Urne oder als Leiche im Sarg zum Kremieren vor Ort überführt wurde, denn am Ende lief es auf denselben Preis hinaus. Das sind halt so absurde Dinge, die man dann entscheiden muss. Die Verbrennung in Berlin fand ich sinnvoller, konnten sich auf diese Weise doch noch ein paar Berliner vor Ort von Steffen verabschieden. Schnell sollte ich das Angebot vom Großbestatter unterschreiben „dann würde alles in die Wege geleitet werden“.

Auf der Rechnung stand: Herrenhemd, Linon, weiß, Fliege – ich monierte das sofort: hatte doch Steffen noch nie in seinem Leben eine Fliege umgehabt! Schon das ganze Krawatten-Theater überforderte ihn stehts maßlos. Konnte er nicht einfach ein T-Shirt tragen oder wenigstens das Hochzeitshemd? Das war viel mehr er! „Nein, das Angebot ist nur so gültig, wie hier aufgelistet.“ Kein Weg führte an der blöden Fliege vorbei. Steffen wurde mit einer albernen Fliege um verbrannt.

Erst im Nachhinein erfuhr ich, dass das bei weitem nicht so sein muss, dass es so viele aufgeschlossene Bestatter gibt, die einen nach persönlichen Kleidungsstücken des Verstorbenen fragen.

Hätte ich das mal damals gewusst…

Was macht man mit Trauernden?

Dank meiner Umfrage weiß ich, wie viel Defizit noch in dem Bereich Trauer und dem Umgang mit dem Sterben besteht. Man schiebt das Thema so lange vor sich her, bis einer stirbt. Wer es schon einmal erlebt hat, weiß, wie oft man dann allein dasteht. Manche wollen nichts mit einem zu tun haben, da die „Trauer vielleicht ansteckend ist“ andere sind hilflos, weil sie nicht wissen, wie sie mit einem Trauernden umgehen sollen. Ach, wäre man doch bloß wieder so wie vorher.

Wie schön wäre es, wenn man in der Trauer einen kleinen Leitfaden zur Hand hätte, an dem man sich selbst aus den Untiefen des Trauertals hangeln könnte?

Andere des falschen Umgangs mit einem beschuldigen– und da nehme ich mich nicht aus – macht das Ganze für die anderen auch nicht einfacher. Auch die ungeschicktesten Polterer verstecken dahinter nur ihre Hilflosigkeit. Das Thema Trauer ist ein Minenfeld. Trauernde werden sicherheitshalber in Watte gepackt, weil sich alle umstehenden unsicher sind, wie sie mit diesem Schock selbst umgehen würden und so projizieren sie ihren eigenen Schmerz auf den Trauernden. Niemand weiß mehr, was man überhaupt noch sagen kann.

So oft werde ich gefragt, wie ich das hier durchstehe. Mit dieser Frage hast du also etwas Großes angestoßen!

Ein neues Buch

Seit zwei Jahren liegt eine Buchmanuskript in meiner Schublade, die ich nach Steffens Tod begonnen habe, welches nur noch überarbeitet werden will. Ein Buch mit all den Informationen, die ich mir hart selbst erarbeitet habe und die ich gerne so viel eher gewusst hätte und welche ich mit denen teilen wollte, die auch diesen Weg gehen müssen. Es würde so viel Fehlentscheidungen verhindern.

Schnell verschwand dieses Buch jedoch wieder in der Schublade, denn wer bin ich denn, mir anmaßen zu können, alles darüber zu wissen, fragt mein Imposter? Auch wollte ich nichts mehr mit Trauer und Schmerz zu tun haben.

Aber seit meiner Umfrage auf dieser Seite weiß ich – das Wissen über diese Erfahrung muss raus.

Da ich aber nicht der Nabel der Welt bin, möchte ich gerne noch andere zu Wort kommen lassen. Umso mehr wir über eine Sache aus verschiedenen Blickwinkeln wissen, umso eher verliert sie ihren Schrecken. Trauernde können endlich offen über ihren Schmerz reden und merken, dass sie nicht allein mit ihrem Schmerz sind und dass manche Probleme irgendwie doch sehr ähnlich sind. Und vor allem finden sie mit diesem Buch sofort Hilfe.

Also nerve ich euch mit einer vorerst letzten Umfrage:

Du hast schon einmal jemanden verloren?

Wie war das so? Die Fragen sind anonymisiert, ich werde nicht erfahren, wer es ausgefüllt hat. Es kann aber passieren, dass ich deine Antwort im Buch verwende, weil sie einfach so gut ist oder dass mir genau deine Antwort den richtigen Impuls gibt. Magst du mitmachen?

Du bist Dienstleister im Bereich der Trauer?

Ob Trauerredner, Trauerbegleiter, Trauercoach oder Bestatter – das ist euer Fragebogen. Da das Buch auch die Fragen, die vor dem Tod auftauchen, beinhalten soll, würde ich mich freuen, wenn der ein oder andere Mitarbeiter eines Hospiz Zeit fände, die Fragen zu beantworten.

Du bist Dienstleister im Bereich der Trauer und ärgerst dich, dass Tod und Trauer immer noch Tabu-Themen sind? Was wolltest du schon immer mal teilen?

Das perfekte Marketingtool für Dienstleister

Du möchtest im Buch mit deiner Antwort zitiert und gesondert hervorgehoben werden und dein Unternehmen soll namentlich genannt werden? So erzielst du ganz einfach Reichweite on Point und sprichst deine Zielgruppe direkt an. Schreibe mir eine kurze Mail an dana@danaheidrich.com, dann sende ich dir den Fragebogen mit den Konditionen zum Ausfüllen zu.

Anonym und kostenlos geht’s aber auch und zwar über einen Klick auf diesen hier. (Hier halte ich mir das Recht vor, Auszüge aus dem Fragebögen anonymisiert zu veröffentlichen (da ich den Urheber nicht zuordnen kann)

Du findest, auf diesem Blog ist in letzter Zeit wenig los?

Sieht fast so aus, aber unter der Oberfläche brodelt es. Damit du mit allem notwendigen Nonsence (Reserva) oder wichtigem (Champagner) versorgt bleibst, melde dich sicherheitshalber für diese beiden sehr guten Newsletter an:

Anmeldung zum Reserva-Newsletter

völlig überbewerteter Newsletter, kommt immer montags mit schwarzem Humor, unnötigem Halbwissen und manchmal gibt es vielleicht ein Rezept

Anmeldung zum Champagner-Newsletter

die nette Schwester vom Reserva-Newsletter, die dich aufbaut und dir jeden Montag einen neuen Impuls für ein schöneres Leben gibt.