Durch Böhmens Hain und Flur

Die Nase macht mir die ganze Nacht zu schaffen. Also liege ich ab 20:00 Uhr 11 h im Bett, schlafe davon aber effektiv nur 6 h. Mit meinem Nasenschnodder könnte ich Dinge bauen. Es ist uferlos. Also schäle ich mich um 7 aus dem Bett und mache mich frühstücksfein.  Da es ja heute noch nach Cesky Krumlov geht, ist es nicht so verkehrt, zeitig aufzustehen.

Radium Palace

Wellnesshotel
Radium Palace in Jachymov

Das Zimmer im Hotel ist geräumig, das Bad ist riesig. Die Wände sind dünn. Aber das ist nicht mein Problem. Nur die Nachbarn werden von Elefanten geträumt haben.

Ich gehe hinunter zum Frühstücksbuffet. Dieselben Servicekräfte wie gestern Abend stehen schon wieder bereit. Respekt dafür.

Ich werde zu meinem Platz geführt und gehe das Buffet auskundschaften. Frisches Obst und Gemüse, frisches Brot, diverse Müsli, warmer Porridge und Buchweizengrütze. Rührei, Omeletts, Speck und Würstchen. Und als Krönung gibt es böhmischen Palatschinken. Fantastisch!

Ich haue mir nacheinander drei Teller voll, der letzte gekrönt durch einen Palatschinken mit süßer Sahne. Fantastisch. Der Kaffee in der Thermoskanne schmeckt sogar nach gutem Bohnenkaffee. Was will man mehr.

Es ist vielleicht ein bisschen einsam und man wird von den älteren Damen beäugt, aber nun ja. Vielleicht merken sie, dass ich jetzt auch irgendwie zum Club dazu gehöre?

Egal, ich bin satt, es ist Zeit aufzubrechen, ein neues Ziel wartet auf mich, welches ich mir aus dem Google gezuzelt habe:

Der Aussichtsturm von Krasnó nad Teplou

Die Fahrt dahin durch Böhmens Hain und Flur ist wunderschön. Der Weg führt mich an Flüssen und Staudämmen vorbei, durch tiefen Wald. Die Hauptstraßen sind wunderbar ausgebaut und laden zum zügigen Fahren ein. Aber nicht zu zügig, denn da ist die Radarüberwachung schnell. Eigentlich sollte man dazu Bedrich Smetana mit eben diesem Album hören. Aber ich nehme die Radiovariante.

Auf einmal fällt mir ein: heute ist ja der 17.09., ein prägendes Datum. Heute vor 21 Jahren hatte meine Mama einen Hirnschlag und unser aller Leben änderte sich. Und heute vor einem Jahr hatten wir den letzten halbwegs unbekümmerten Ausflug mit Steffen nach Oybin.

Und das Wetter heute ist schon wieder so unglaublich schön, nicht ganz so warm, aber schön.

Nach einer Stunde erreiche ich den Aussichtsturm. Dieser wurde als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zwischen 1930 und 1933 errichtet, damit die arbeitslosen Minenarbeiter des Örtchens Geld verdienen konnten und so ein weiteres Ausflugsziel für die Kurgäste der nahegelegenen böhmischen Heilbäder entstand. Da es noch ganz früh war, war ich ganz allein. Ein Träumchen.

Danach besuche ich noch kurz den kleinen alten Friedhof

und dann geht es schon weiter nach

Klattau

Die wilde Fahrt geht weiter und bringt mich zur Erkenntnis, dass böhmische Kurven und Niesen eine unschöne Kombination sind. Aber keine Sorge, nichts ist passiert.

Nach zwei weiteren Stunden komme ich in Klattau an und parke prominent auf dem Marktplatz, denn ich möchte die

Katakomben von Klattau

besichtigen. Ich fand Mumien und Grüfte schon immer spannend und deswegen wurde dieser Ort auf der Reisekarte markiert.

Hinter der riesigen Kirche am Marktplatz befinden sich die Katakomben, der Eintritt kostet lediglich 3 Euro Eintritt und schwupps, bin ich drin. Die Katakomben liegen unter der riesigen Kirche, einem ehemaligen Jesuitenkloster. Alles ist neu und leuchtend in Schautafeln erklärt, es fehlt ein bisschen der morbide Moment, den ich so liebe. Aber auf die Mumien ist Verlass.

Mumien in Särgen
Katakomben von Klattau

Am beeindruckensten fand ich jedoch die Mumie von

Jodokus Fabritius von Paderborn

Der arme Kerl ist nur 50 Jahre alt geworden und hatte einen Tumor am Steiß und eine Darmverknotung, deswegen konnte er nicht mehr auf die Toilette. Außerdem hatte er ein dickes Bein, welches bandagiert wurde und zum Aderlass musste er auch noch obendrein. Und jetzt ist er für immer der Nachweis, dass es auch korpulente Mumien gibt.

korpulente Mumie
Jodokus Fabritius von Paderborn

Anschließend gehe ich etwas gegenüber im Restaurace u Katakomb schnell etwas essen.

Vorzüge des Alleinreisens

Jetzt bemerke ich das erste Mal die Vorzüge des allein Reisens: der böhmische Kellner ist super bemüht, ich bekomme einen fantastischen Platz und er sieht mir an der Nasenspitze an, dass ich heißes Wasser mit Ingwer brauche.

Gestärkt geht es weiter zu meinem heutigen Tagesziel nach

Cesky Krumlov

Nach ungefähr zwei Stunden erreiche ich diese bezaubernd schöne böhmische, barocke Stadt an der Moldau gelegen.

Gestern Abend fiel mir ein, warum sich dieser Ort in meine Route gemogelt hat:

Meine Mama liebte es, sich „Die Moldau“ von Bedrich Smetana anzuhören und wollte immer an diesen Ort. Außerdem gibt es hier ein Egon Schiele-Museum, da der Maler hier seine letzten Lebensjahre verbracht hat, bevor er kurz vor seinem Tod aus diesem spießigen böhmischen Ort wieder nach Wien gezogen ist, um sich dort gemeinsam mit seiner schwangeren Frau an der spanischen Grippe zu infizieren und gemeinsam zu sterben. Mit 28 Jahren.

Da ich von meiner Mama das Interesse an Kunst, Gemälden und Geschichte geerbt habe, werde ich also den Besuch in Cesky Krumlov zum heutigen 21. Jahrestages ihres Hirnschlages ihr widmen.

Und außerdem gibt es – natürlich – wieder eine spooky Komponente:

Kann ich etwas über die Vampirprinzessin Eleonore von Schwarzenberg herausfinden? Mehr darüber erfahrt Ihr dann morgen!