Herbst is coming – wir spüren es alle. Der Sommer liegt in seinen letzten Zuckungen. Und mit dem Spätherbst verbinden viele Menschen wiederum naturgemäß den Tod. Auch ändert sich die Ernährungsweise bei kühleren Temperaturen. Was ist also das ideale Essen bei Trauer? Vielleicht Comfort Food?

Trauernde kennen das: jede Jahreszeit aufs Neue werden Erinnerungen an den verlorenen Menschen hochgespült. Jeder erste Tag einer neuen Wetterkapriole bringt neue alte geliebte Erinnerungen mit sich:

  • der Geruch von Sommeregen auf Asphalt
  • der klare blaue und weite Septemberhimmel
  • raschelndes gefallenes Laub
  • Stürme, die das Haar zerzausen und der Mensch ist nicht mehr da, der mit dir in den nächsten Hausflur sprintet

Trauer kommt in Wellen

Ihr ahnt bestimmt längst, dass Trauer in Wellen kommt. Es gibt Tage, da ist alles so leicht, fast vergisst man, was passiert ist, weil alles so schön ist. Die Sonne scheint, man lacht, man atmet die geliebte Stadt-(oder Land-)Luft und fühlt sich plötzlich wieder als ganzer, heiler Mensch.

Und von einen Tag auf den anderen switcht das. Man weiß nicht, warum oder was der Trigger war, aber man liegt auf dem Bett und fängt einfach an zu heulen.

Gestern hatte ich wieder so einen Tag. Nichts wollte klappen, ich tigerte ziellos durch meine Wohnung, rausgehen war absolut keine Option – jetzt bloß keine Menschen – und etwas Vernünftiges machen ging mangels Konzentration und zu vielem Geheule auch nicht. Kreativsein war auch nicht drin. Ich war komplett wasted. Dann wenigstens Lehrvideos bewegungslos auf der Couch schauen – sechst Stunden lang. Somit war die Zeit nicht ganz vergeudet.

Auffanggedanken

An so einem Tag funktionieren die Auffanggedanken, damit man nicht in die trudelnde Abwärtsspirale aus Selbstmitleid gerät, nicht mehr richtig, die man von der Psychotherapeutin gelehrt bekommen hat.

Auffanggedanken sind kleine hilfreiche Gedankenspiele, wenn man neigt zu fatalisieren. Das kann ich sehr gut. Also man denkt so heulend vor sich hin:

So eine Aussage wie: „ich werde nie wieder richtig glücklich sein“ wird relativiert zu „ich bin heute nicht glücklich“.

Simpel ausgedrückt: ersetze „nie wieder“ durch „jetzt gerade“ oder „ich bin die Einzige, die“ durch „die Einzige, die ich gerade kenne“.

Und denke immer daran, dieser Zustand hält nicht ewig, auch der geht vorbei. Also jetzt häuslich einrichten im:

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Trauerkokon

Ergib Dich dem einfach, lass es zu. Lass es über dich ergehen. Du musst nicht stark sein und kämpfen. Für wen denn auch noch? Der ist doch schon tot. Also easy, relax, lass dich fallen.

Lass dich einfach ganz tief sanft in den Trauerkokon fallen. Widerstand ist zwecklos und verlängert das Leiden nur. Einfach mal tief leiden und heulen. Tut gut.

Aber ich kann doch nicht so einfach den Tag vergeuden?

Doch, kannste! Denn diese Zeit ist nicht vergeudet, denn sie ist so wichtig und gehört zum Heilungsprozess einfach dazu. Wer dies verdrängt, der wird einige Jahre später ein böses Erwachen haben, denn das Unverarbeitete ploppt irgendwann wieder auf. Schaut euch die ganzen traumatisierten Rentner an, die den 2. Weltkrieg nicht verarbeitet haben und bei jeder Sirene denken, sie müssten in den Bombenkeller. Fragt mal Altenpfleger was da so los ist, wenn demente Menschen nicht mehr ihre Gedanken kontrollieren können.

Gewisse Theorien gehen sogar soweit, dass unverarbeitete Trauer und Schmerz wiederum zu Krebs führen kann. In der TCM sagt man, wer zu viel weint, kann beispielsweise Lungenkrebs bekommen.

Aber wie krass sind wir doch auf diesen „Zwang zum leisten“ konditioniert. Scheißt drauf.

Und wie schon meine liebe Freundin M. schrieb – mit jedem Verlust verlieren wir mehr oder weniger Energiepunkte, die nie zurückkommen (obwohl ich noch ein bisschen auf 50% Regenerierung hoffe). Und im Gegensatz zu normalen Menschen, die bei 100 Punkten stehen, laufen wir mit doofen 60-80 Punkten herum. Wenn überhaupt.

Ein Zweifel, ein Misserfolg, eine Krankheit oder ein anderes unerwartetes negatives Erlebnis werfen uns komplett aus der Bahn.

Das einzige was mir dann hilft, ist Essen. Ok, ich bin Stier, bei mir dreht sich eh alles ums Essen und den Genuss, aber ich denke schon, dass Essen ein guter Tröster ist.

Comfort Food

Die Briten haben so ein schönes Wort für das, was wir Trauernden dann gerade brauchen: Comfort Food. Die deutschen Übersetzungen dafür sind leider zu sperrig: Wohlfühlküche? Trostessen? Nervennahrung? Trostmahlzeit?

Na dann, Trost Mahlzeit!

Pieroggen mit Kartoffel-Pilz-Füllung
Mein Comfort Food: Pieroggen mit Schmand und Butterzwiebeln

Cocooning und Comfort Food – das Beste bei einem Trauerflash.

Comfort Food ist alles, was dich gustatorisch – also geschmacklich – sanft und warm umarmt. Eine Schüssel voll warmen Glücks und wohliger Reminiszenzen. Und wir haben da alle verschiedene Trigger:

  • Hühnersuppe wie bei Oma
  • Spaghetti Bolognese
  • Risotto
  • Grießbrei mit brauner Butter und Zimt und Zucker
  • Fischstäbchen mit Kartoffelpüree
  • TexMex

Ein paar meiner Rezepte, die ideal als Comfort Food funktionieren , findet Ihr unter diesem Link.

Warum funktioniert Comfort Food?

Wenn ich langsam ins Tal schlittere, bekomme ich immer einen großen Appetit auf Lachs und anderem fetten Fisch. Die andere Trostspeise der Wahl ist immer irgendetwas mit Nudeln. Nudeln gehen immer.

Dann ist auch die Konsistenz im Mund wichtig: warm und weich muss es sein. Sanft. Vielleicht mit einem nussbutterigen Abgang. Oder auch ein großer Topf Eis. Als müsste die Seele tief in unserem Inneren besänftigt werden.

Warum sind es aber immer solche Speisen?

Kohlehydrate

Ja, wir Mädels kennen das sicher. Wenn sich wieder der Besuch aus Moskau, der roten Tante, Blutwurstsalat usw. usf. ankündigt geht der Heißhunger auf Schokoladen und Nudeln los. Und was wir vielleicht nicht wissen, wir machen instinktiv alles richtig:

Der Verzehr nur einer einzigen kohlenhydratreichen und eiweißarmen Mahlzeit führt gemäß einer Studie aus 1989 zur Verbesserung von Depressionen, Anspannungen, Wut, Verwirrung, Traurigkeit, Erschöpfung und mehr Gelassenheit bei Frauen mit PMS.

„How not to die“

Noch mehr findet Ihr hier:

Kohlenhydrate erleichtern den Transport von Tryptophan zum Gehirn. Tryptophan findet sich wiederum in

  • Samen und Nüssen
  • Sojaprodukten
  • Käse
  • Lamm, Rind, Schwein, Wild
  • Huhn, Pute, Eier
  • Fisch
  • Hülsenfrüchte

Oder ihr kauft euch Tryptophan hier:

Tryptophan war in der stressigen Cateringzeit unsere Geheimwaffe, trotz all der Sorgen und Bandscheibenschmerzen zu schlafen.

Omega-3-Fettsäuren

Eine Studie fand heraus, dass Menschen mit einem Omega-3 Mangel und einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel ein höheres Depressionsrisiko aufweisen. Ich merke auch, wenn ich Fischhunger bekomme, dass das Tief unterwegs ist. Aber wer bin ich schon? Den Bericht über die  Studie findet ihr unter diesem Link.

Omega-3-Fettsäuren findet ihr hier:

  • Leinsamen
  • Chiasamen
  • Tofu
  • Walnuss
  • Avocados
  • Rosenkohl
  • fetter Fisch (Lachs, Makrele)

Oder hier, wenn es schnell gehen soll mit Fischöl oder vegan:

wobei natürlich immer das echte Essen vorzuziehen ist, da der Körper natürliche Nährstoffe besser verarbeiten kann.

Vitamin D

Und natürlich Vitamin D – das Sonnenvitamin. Jetzt, wo der Sommer zu Ende geht, ist die Zeit reif für Alternativen. Letztens musste ich mir sogar von einer Ärztin erklären lassen, dass man theoretisch in der Mittagszeit sich mindestens 30 Minuten Sonnenlicht aussetzen müsste, um dieses in das nötige Vitamin D umzuwandeln.

2018 hatte ich trotz täglichen stündlichen Radfahrten am Mittag im Sonnenlicht im September einen Vitamin-D-Spiegel von 20, und dass das nicht gut ist, sieht man hier:

Klassifikation Vitamin-D Serumwerte
Klassifikation Vitamin D Serumwerte

Ich war erschüttert. Seitdem werfe ich zusätzlich Vitamin-D ein, um mich zu schützen, denn Vitamin-D sorgt für

  • Knochenbau
  • besseres Immunsystem
  • verringertes Krebsrisiko

Man findet es in:

  • Fisch (Lachs)
  • Pilze
  • Tofu
  • Joghurt

Ihr seht also schon, der Hieper nach Fisch kommt nicht von ungefähr.

Mein Vitamin-D habe ich hochdosiert auf Rezept von meiner Hausärztin bekommen.

Fazit:

Esst eure Kohlehydrate ohne schlechtes Gewissen, wenn die Trauerwelle über Euch zusammenschlägt. Esst Eis und Schokolade. Und ab und an einen fetten Fisch. Und wer Veganer ist, Tofu und Hülsenfrüchte ohne Ende. Verurteilt euch nicht für eure Gelüste, folgt ihnen. Euer Instinkt hat ein paar tausend Jahre mehr Erfahrung als ihr.

Lasst Euch einfach in den Trauerkokon fallen. Das geht auch wieder vorbei.

Instinktiv habe ich mich letztens im Heimweh-Russensupermarkt so für meinen nächsten Trauerkokon eingedeckt:

Einkauf im LEDO Ahrensfelde
Mein Einkauf im Ledo

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