Hotel Imperial

Rynek 26 / Wiślna 2, 31-007 Kraków, Polen

Große Freude. Ich wohne jetzt im besten Hause direkt am für seine Tuchhallen berühmten Krakauer Marktplatz, dem Rynek. Das Hotel Imperial ist schön, sauber und klassisch. Die Wände sind dick und man hat seine Ruhe. Das WLAN läuft stabil.

Der Kühlschrank der Minibar ist zwar leer, dafür stehen da aber zwei Weingläser und ein Korkenzieher. Ein Fakt, den ich schon oft im Ostblock beobachtet habe. Man könnte sich also ohne weiteres in einem der unzähligen Żabkas– diese sind unseren Spätis oder den 7-Eleven Shops in Asien und Australien ähnlich, und man findet sie überall in der Stadt – einen Rotwein für sich ganz allein kaufen. Das Personal des Hotels ist unglaublich freundlich und hilfsbereit.

Also erstmal duschen und nach der Autofahrt wieder ein Mensch werden und sich etwas zu essen suchen.

Gastronomie in Krakau

Ein abendlicher Spaziergang gibt mir die Möglichkeit, einen kurzen Überblick über den Aufbau der Altstadt zu bekommen. Was mir sofort auffällt ist, dass die Gastroszene unglaublich gut aufgestellt ist. Direkt am Marktplatz gibt es wie überall an den Marktplätzen die teuren Restaurants mit Pommes und Steaks, daneben Pizzerien und auch klassische polnische Küche. Aber in den Nebenstraßen findet man wunderschöne kleine Bars und Cafés, niedliche Restaurants. In Berlin würde man Hipsterlokale sagen, aber hier ist alles hipster.

Alle sind unaufgeregt und unfassbar freundlich. In Polen sprechen fast alle englisch und man kommt so schnell ins Gespräch. Kaum einer spricht deutsch, dass ist wohltuend und richtig so, denn Krakau ist die heimliche Hauptstadt von Polen und war dies auch bis 1596, bevor Krakau den Titel an Warschau abgab.

Während das restliche Land wie eine Ziehharmonika zwischen Deutschland, Österreich und Russland hin- und hergezerrt, aufgeblasen und zusammengequetscht wurde, blieb nur ein winzigkleines Kernstück als einziges immer polnisch. Bei so einer Geschichte kann man den polnischen Nationalismus nachvollziehen, ob man es gut findet, steht auf einem anderen Blatt. Dies ist jedoch kein politischer Blog, dafür haben wir schlauere Menschen als mich auf dieser Welt. Ich beobachte hier lediglich Menschen, wie sie reagieren und wie sie sich anderen gegenüber verhalten. Man kann so viel aus den kleinen und großen Gesten herauslesen. Alleinreisend kann man auf diese Weise so einiges beobachten.

Was isst denn der Pole so?

Die Polen sind nicht nur kulinarisch den Deutschen recht ähnlich, die klassischen Männer essen gerne Haxe, Schnitzel und Rippchen, was es dann auch überall gibt. Die Frauen sind wunderschön und sich dessen auch bewusst. Selten wurde ich so oft von oben bis unten taxiert. Krakau ist halt nicht Berlin.

Alle haben Kinder, alle laufen als Pärchen herum. Hier ist noch alles „in Ordnung“. Die Mädchen sind alle durchschnittlich 1,65 m groß. Die Männer, nun. 1,75 m und der Hipsterbart ist hier auch noch nicht wirklich angekommen. Präpubertierende Jungs haben mitten auf dem Kopf eine Palme, ihr wisst schon, Zöpfchen mit Gummi. Das soll wohl mal ein Manbun werden wenn es groß ist. Ich schätze mal, es gibt irgendeinen Fußballspieler hier, der so etwas auf dem Kopf hat.

Aber beim Essen sind sie hier ganz weit vorne. Es gibt kanadische Burger und Poutine, Baobuns, chinesische und thailändische Küche, vegane und vegetarische Restaurants, Coffeeshops und vegetarische Döner.

Werbung
Kochbuch bei Krebstherapie

Ein britischer Ladeninhaber erzählte mir obendrein, dass die Inder hier in Krakau so gut wären wie in UK. Und das soll was heißen, denn wer schon in Indien war, weiß, dass die indischen Restaurants in Deutschland nichts mit dem Essen in Indien zu tun haben und man lediglich eine Chance auf gutes indisches Essen in Europa in Großbritannien bekommt…

Dann gibt es überall Piroggen in den verschiedensten leckeren Varianten, den Funnelcake, bekannt aus Prag, Budapest und Wien, gibt es auch hier. Und man sieht, dass die Polen ein Faible für die italienische Küche haben, überall gibt es Pizzerien und italienische Restaurants. Polen reisen gerne und viel und sind neugierig. Polen ist mit seinem Durchschnittsalter von 41 Jahren statistisch gesehen ein sehr junges Volk im Verhältnis zu den Deutschen mit ihren 46 Jahren im Durchschnitt.

Und das spiegelt sich in allem wider. Essen, Design, Mode. Wer auf nordisches und klares Design steht, wird in einem der unzähligen Läden fündig. Krakau gehörte überraschenderweise zur Hanse und hat selbst jetzt noch Schiffe unter seiner Flagge fahren. Daher die Verbundenheit zum Baltikum, welches man wiederum im Design wiederfindet.

Aber in diesem Blogeintrag soll es um die Gastronomie in Krakau gehen, also los jetzt:

Smakolyki Restaurant

Straszewskiego 28, 31-113 Kraków, Polen

Dieses Restaurant hatte ich mir schon vorher aufgrund der positiven Googlebewertungen ausgesucht, denn ich wollte am Tag der Anreise nicht noch lange herumstromern und nach einem passenden Restaurant suchen müssen. Das Smakolyki Restaurant liegt direkt an der Ringstraße, die die Altstadt von Krakau umgibt. Beeindruckend sind auch hier wieder die hohen Decken im Restaurant selbst. Alles wirkt hoch und weit. Das fällt mir auch in den Restaurants um den Marktplatz herum auf. Alles ist hoch und offen. Fast wie in Italien. Nichts ist eng und beklemmend. Schön.

Krakauer Restaurant
Im Smakolyki in Krakau

Standardritual in Zeiten von Corona ist: Maske auf, Hände desinfizieren. Dann kann man sich einen Tisch aussuchen und nimmt die Maske ab. Alle Tische sind desinfiziert, die Bedienung hat auch Masken auf. Ich suche mir den schönsten Platz direkt auf der Balustrade aus von welchem ich einen Überblick über das ganze Restaurant habe.

Funfact: Selbst in den Kirchen haben sie das Weihwasser durch Desinfektionsmittel ersetzt…

Ich bin hier in Krakau scheinbar die einzige Frau allein unterwegs. Allein sind nur junge Männer mit Laptops unterwegs, die alle wiederum unverschämt gut aussehen. Also bestelle ich einen halben Liter Rotwein nur für mich, Rindertatar und polnischen Barszcz mit Pieroggen darin. Die Serviererin zwinkert mir bei dem Rotwein verschwörerisch zu. Wir schmunzeln.

Das Essen ist lecker und sättigend und wird frisch in der Küche zubereitet. Der Barszcz hat als Basis eine schöne Rinderbrühe, die Teigtaschen sind wunderbar pink.

Pub Kuranty

Józefa Piłsudskiego 24, 31-109 Kraków, Polen

Am nächsten Tag falle ich in sämtliche in Krakau verfügbaren und geöffneten Gemäldegalerien ein. Im Krakauer Nationalmuseum werde ich darauf hingewiesen, dass 12:00 Uhr die Desinfektion des Museums stattfindet und alle das Gebäude für 45 Minuten verlassen sollen. Also suche ich mir eine unprätentiöse schnelle Essensmöglichkeit. Meine Wahl fällt auf diesen simplen Pub, auf dem ich über dem Hinweg gestolpert bin.

Offensichtlich gilt er als Kantine für die Angestellten in der Umgebung. In den gemütlichen Kellergewölben kann man sich fast verlaufen. Der Service ist super herzlich. Wieder esse ich den Barszcz mit den Pieroggen. Er schmeckt hier wieder anders, aber auch lecker. Man stellt fest, dass hier noch richtig selbst gekocht wird. Danach gibt es ukrainische Piroggen. Diese sind mit Kartoffeln, Sauerrahm und knusprigem Speck gefüllt. Darüber gibt es Butterzwiebeln. Superlecker und unglaublich preiswert.

Zalewajka

Wąska 2, 33-332 Kraków, Polen

Ich hatte eigentlich über Tripadvisor eine Fresstour direkt bei meiner Ankunft in Krakau gebucht. So wollte ich die Gastronomie in Krakau am besten kennen lernen. Leider wurde diese Tour aufgrund geringer Teilnehmerzahl abgesagt – der Lockdown saß der Stadt noch in den Knochen. Netterweise hatte mir jedoch der Tourleiter ein paar Tipps für Restaurants zukommen lassen.

Einer der Tipps für Gastronomie in Krakau war das Zalewajka.

Zalewajka ist der Name einer sauren Roggenmehlsuppe, welche es so nur hier in dieser Region gibt. Dafür wird eine Mehlschwitze aus fermentiertem Roggenmehl, welches an sich schon säuerlich schmeckt (siehe Sauerteig), gemacht und dann mit Rinderbrühe und saurer Sahne und Unmassen von Dill abgeschmeckt.

Da mir dieses Restaurant für seine typisch polnische Küche vorgeschlagen wurde, entschied ich mich kurzerhand für das fünf-Gänge-Probiermenü mit einem Glas polnischen Rotwein. Ja, richtig gehört. In Polen wird Rotwein gekeltert!

Diesen Tipp des Tourleiters kann ich so nur weitergeben. Frische polnische Küche, alles handmade, ein überaus aufmerksamer Service und das ganze in einem baltisch eingerichteten Restaurant.

Mitten im jüdischen Viertel in Kazimierz gelegen, kann der fußmüde Tourist sich im Zalewejka in angenehmer Atmosphäre ausruhen.

Pancake House

Dajwór 23/31-052, 33-332 Kraków, Polen

Als ich aus dem Museum für die galizischen Juden taumelte, hatte ich furchtbaren Hunger. Und genau gegenüber lächelte mich das Pancake House an. Zucker – genau das Richtige jetzt.

Pancake with Marshmallow Creme
Killer-Pancakes

Wer genau so sehr wie ich auf die dicken und fluffigen Pancakes steht und schon viel zu oft auf die Nase gefallen ist, nachdem sich die Pancakes auf der Speisekarte eines beliebigen Restaurants mal wieder als schnöde Pfannkuchen herausstellten, ist hier genau richtig.

Was gäbe ich für dieses Pancake House in Berlin…

Indus Tandoor

Świętego Tomasza 18, 31-020 Kraków, Polen

Und die schönste Geschichte am Schluss:

Ich wollte eigentlich einen weiteren Gastrotipp von der Liste abklappern, da ich nach der ganzen Fleischüberlast keine Lust mehr auf Fleisch hatte. Die Wahl fiel also auf ein vegetarisches Restaurant. In diesem angekommen, stellte ich fest, dass es hier „nur“ indische Samosas und Curries gab. So dachte ich mir: „kannste auch gleich zum Inder gehen, wenn diese hier so toll sein sollen“.

Gesagt, getan. Es regnete eh, also entschied ich mich für dieses Kellerrestaurant.

Und dann the magic began:

Ich bestellte mir Paneer mit Garlic Butter Naan und kam dann mit dem Kellner ins Gespräch, denn es schmeckte tatsächlich wie in Indien. Mein Herz ging auf.

indisches Essen in Krakau
beim Indus Tandoor

Er fragte, ob ich schon einmal in Indien gewesen sei und ich fragte daraufhin, wo er denn herkommt. Auf seine Antwort „aus dem Gujarat“ sagte ich „ich war in Vadodara“. Sein Gesicht fing an zu strahlen: „das ist meine Heimatstadt! Meine Frau und mein Kind sind noch da. Ich kann sie nicht besuchen wegen Corona, ich hoffe jedoch, es klappt im nächstes Jahr“. Also schwärmte ich von einer indischen Spezialität, die es so nirgends in Europa gibt: Manchurian Dry.

Er meinte zu mir: „das beste macht meine Frau.“ Wir unterhielten uns noch über das beste Restaurant in Vadodara, das Woodland in Alkapuri, welches er auch kannte.

Also fassen wir zusammen:

Ich treffe mitten in Krakau auf einen Inder aus Vadodara, der dieses eine Restaurant in der 2 Millionen-Einwohner-Stadt Vadodara auch kennt.

Kann man sich nicht ausdenken. Was für ein Zufall.

Mit ganz viel Glück im Herzen und einem debilen Grinsen im Gesicht marschierte ich an diesem Abend zurück in mein Bettchen.

Dein Restaurant mit schönem Text? Klick hier

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Werbung