Indienreise

Ich habe es getan. In dem ganzen Übel von Steffens Krebserkrankung schenkte mir das Schreiben dieses Blogs neue Lebenslust, neue Energie, um diesen ganzen Wahnsinn irgendwie durchzustehen. So entstand dieses eBook über unsere Indienreise durch Südindien geschrieben.

Reise nach Südindien

Unsere Reise nach Südindien war ein langersehnter Wunsch von uns beiden.

Auf unserer Indienreise hatten wir die mit Abstand schönste und unbeschwerteste Zeit unseres Lebens.

Im Jahr 2017 feierten wir das 10jährige Bestehen unseres kleinen Caterings. Dieser Jahrestag war für uns Grund genug, diese Reise nach Südindien anzutreten. Eigentlich wollten wir mit dem Geld eine 10-Jahres-Feier für die Kunden unseres Caterings organisieren.

Dann dachten wir uns jedoch, dass wir UNS eigentlich feiern sollten, dass wir beide es überhaupt ganz allein soweit gebracht haben.

Das erste Mal lief in den 10 Jahren des Bestehens des Caterings bei uns beiden alles gut. Unsere Firma schrieb seit 2007 das erste Mal schwarze Zahlen und überraschenderweise gab es seit November 2016 das erste Mal keine außerplanmäßigen Vorkommnisse mehr.

Das erste Mal konnte sich das Catering wie ein ganz normales Unternehmen entwickeln. Es konnte wachsen, Werbung machen, neu investieren und neue Kunden anlocken. Und ich konnte bei meinen Rezepten kreativ sein.

Alles war perfekt.

Indien war ein absoluter Sehnsuchtsort von uns. Bei unserer ersten Reise nach Indien vor Jahren hatten wir uns in dieses Land verliebt, obwohl es etwas holprig begann:

Die erste Indienreise

Im Januar 2011 haben begaben wir uns schon einmal auf eine Reise nach Indien.

Vadodara

Wir haben in dem Jahr meinen Bruder besucht, der die Gelegenheit hatte, für ein Jahr in Vadodara bei Mumbai zu arbeiten. So hatten wir die Möglichkeit bei ihm und meiner Schwägerin für einen Monat zu wohnen.

Der erster Eindruck von Indien ist für uns Europäer meist extrem gewöhnungsbedürftig:

In Indien gibt es so viele Menschen, dadurch ist es hier ständig laut und der Schmutz ist allgegenwärtig. Nervend ist auch das ständige Angeglotztwerden.

Nach ein paar Tagen in Indien waren wir von dem allen so überfordert, so dass wir uns komplett in die Luxuswohnung meines Bruders zurückgezogen hatten. Aus Verzweiflung begannen wir, die teuer erworbene Liquor-Permission komplett auszureizen und die Alkoholvorräte meines Bruders aus zu trinken hatten.

Das Drama mit der Liquor-Permission

Mein Bruder arbeitete damals im Gujarat, das ist ein trockener Bezirk in Indien. Das bedeutet, in diesem Bezirk gibt es keinen Alkohol zu kaufen. Das wussten wir vor dem Antritt der Reise nicht. Nur für Touristen gibt es Alkohol und das auch nur mit einer die Liquor-Permission (Schnapsgenehmigung). Für diese Genehmigung konnte man pro Monat ca. 20 Flaschen Bier beziehen. Wisst Ihr Bescheid.

Das gab noch einmal richtig Ärger, denn mein Bruder war stinksauer, da sein ganzer Akoholvorrat aufgebraucht war, als er nach seiner Dienstreise heimkehrte. Zu Recht. Das tut mir immer noch sehr leid!

Delhi – der ungekrönte Höhepunkt der Indienreise 2011

Die Strafe folgte für uns auf dem Fuß. Was ist passiert? Am Abschluss unserer Indienreise in Delhi haben wir unseren Anschlussflug nach London verpasst, lest selbst:

Der verpasste Anschlussflug

In Delhi gibt es zwei Flughäfen: einen Flughafen für die Domestic Flights und einen für die International Flights. Um von dem einen Flughafen zu dem anderen zu gelangen, gibt es einen Transferbus. Wir hatten exakt 1,5 Stunden für den Transfer eingeplant, das sollte wohl reichen. Wir hatten nämlich den Flug für diese Indienreise selbst gebucht.

Zügig verlassen wir das erste Flughafengebäude und suchen den Transferbus. Schnell suchen wir uns einen freien Platz im Bus. Der Bus startet nicht. Die Zeit wird knapp. Nach 20 Minuten fuhr der Bus immer noch nicht los und einige Inder verließen fluchtartig denselben, um sich eine Rikshaw zum Flughafen zu rufen. Ich frage den Busfahrer, wann er denn losfahren würde. Daraufhin wackelte er nur sein höfliches nichtsagendes Indienkopfwackeln.

Gemächlich startete der Bus zehn Minuten später und wir kamen am Flughafen für die International Flights an. Beim Betreten des Eingangsbereiches checkten wir unseren Flug, und mussten Folgendes lesen:

DELHI-LONDON – NOW BOARDING

Oh mein Gott!! Das ist wohl das unrühmliche Ende unserer ersten Indienreise.

Panisch rennen wir zum Schalter unserer Fluggesellschaft und fragen nach unserem Flug. Uns wird mitgeteilt, dass wir das Flugzeug nicht mehr erreichen werden. Wir fallen aus allen Wolken.

Ängstlich fragen wir nach, ob man uns denn nicht direkt zum Boarding fahren könne, denn das Flugzeug startet doch erst in 40 Minuten?

„this is not possible“

sagte der Schalterinder, gefolgt von einem freundlichen indischen Kopfwackeln. Er teilte uns mit, es würde inklusive Security Check-In und der Immigrationsbehörde viel zu lange dauern, daher werden wir den Flug verpassen.

Nach stundenlangem Hin- und Her, und der Erwägung einen Lufthansaflug für 2000 EUR zu buchen, die wir natürlich nicht hatten, hatte uns der freundliche Flughafeninder glücklicherweise den selben Flug am Folgetag inklusive Anschlussflug am weiteren Folgetag in London gebucht. Alles kostenlos. Unsere Indienreise schien gerettet.

Gestrandet in Delhi

Wir sitzen in Delhi fest. Geistesgegenwärtig lässt Steffen sich noch schnell einen Stempel auf die neue Flugbuchung geben, so dass wir den Flughafen wieder betreten können. Warum? Wer in Delhi den Flughafen ohne Ticket verlässt, darf nicht wieder in den Flughafen hinein. Dafür sorgen die ganzen bewaffneten Inder mit ihren verrückten Waffen. Also niemals eine kurz rauchen gehen!!!!

So konnten wir den Flughafen verlassen und standen vor der nächsten Hürde. Wo übernachten? W-LAN gab es damals noch nicht, Roaminggebühren waren astronomisch, also konnten wir uns selbst kein Hotel für die Nacht aussuchen.

Also gingen wir zum Taxistand. Dort muss man angeben wer man ist, wo man hin möchte, wo man übernachtet usw. usf.. Dafür hat der Taxistandboss ein riesiges Buch aufgeschlagen und alle Reisenden notiert. Er schien uns vertrauenswürdig, also fragten wir nach einem Hotel. Wir würden 80 EUR für die Nacht ausgeben. Das schien uns für ein ordentliches Bett in Indien angemessen.

Daraufhin rief der Taxistandboss ein Taxi heran, sagte ihm irgendwas auf indisch und schon saßen wir im blitzblanken Taxi.

Die Unterkunft aus der Hölle

Wir fuhren und fuhren und fuhren, bis wir in einer heruntergekommenen Gegend ankamen. Der Taxifahrer führte uns zum Hotel, ein komischer fragwürdiger Kasten. Der Taxifahrer wartete in der Tür, bis wir endlich eingecheckt hatten. Der Hotelinhaber führte uns in unser Zimmer. Ein Loch. Im Gebäude gelegen, ohne Fenster. Die einzige Lüftungsmöglichkeit war ein Fenster zum Lüftungsschacht, der bei uns endete. Der Boden des Lüftungsschachtes bestand aus einem Teppich alter Zigarettenstummel. Es stank. Die Klobrille war zur Hälfte zerstört und eine Schraube bohrte sich in den jeweiligen Hintern des gerade darauf Sitzenden.

Also gehe ich wieder in die Rezeption und flippe aus. Auschecken geht nicht mehr, sagt er, aber er kann uns ein anderes Zimmer anbieten. Und immernoch sitzt der Taxifahrerarsch in der Ecke und ist sicher irgendein Cousin von dem Hotelinhaber. Ok, also anderes Zimmer.

Wir bekommen ein Zimmer mit Blick auf die lokale Fedex-Zentrale und schauen zu, wie die Pakete hin- und her geworfen werden. Es stinkt immer noch, aber wir haben ein Fenster.

Flucht in den Alkohol

Mit dem Zimmerservice bestellen wir Bier. Das ist der Vorteil von Delhi, hier gibt es auch Bier mit Alkohol. Das ist aber teuer. Also beschließen wir, das Hotel zu verlassen und irgendwo günstig Bier zu besorgen. Das muss doch möglich sein.

Wir laufen durch die enge Altstadt, links und rechts der Straße befinden sich Rinnen, in den Kacke schwimmt. Straßenhunde trinken daraus. Wir laufen und laufen und finden einen Shop. Kein Bier im Shop. Dann sehen wir ein Schild mit der Aufschrift: BEER. Erlösung. Wir kaufen uns sechs Flaschen und der Händler wickelt jede einzelne Flasche fein in Zeitungen ein, damit sie kalt bleiben. Stolz tragen wir unseren Schatz nach hause.

Im Zimmer angekommen stellen wir die Flaschen auf den Tisch. Voller Vorfreude packt Steffen die erste Flasche aus. Und jetzt sehen wir es:

alkoholfrei

Steffens Blick wird panisch. Die nächste Flasche wird ausgepackt, dasselbe! Nach und nach stellen wir fest, alle Flaschen sind alkoholfrei.

Ein kehliger, verzweifelter Schrei entfährt Steffens Mund. Das wars! Steffens stoische Ruhe ist beendet.

Er wickelt alle Flaschen wieder ein, packt sie in seinen Rucksack und trabt zum Bierhändler. Ich kann seinem wütenden Schritt kaum folgen.

Beim Bierhändler knallt er die Flaschen auf den Tisch, flippt aus und bekommt sein Geld wieder. So kenne ich Steffen nicht.

Wir laufen also weiter und finden eine Bierbar für Touristen – viel zu teuer. Und als wir es gar nicht mehr glauben, finden wir einen Laden, in dem der Verkäufer im Schneidersitz in der Auslage sitzt und er hat Bier im Kühlschrank. Mit Alkohol. Wir kaufen.

Zurück im Hotel bestellen wir nur noch das Essen per Roomservice und trinken unser Bier. Das Bett ist so keimig, dass wir in unserer Kleidung darauf einschlafen. Der Fernseher bietet nur grisselige Bilder mit indischen Soaps. Wir sind echt verzweifelt.

Es geht endlich nach Hause!

Am nächsten Morgen steht pünktlich der windige Taxifahrer bereit, der Hotelinhaber knüpft uns noch eine Fantasiesteuer ab, so dass wir jetzt gar kein Geld mehr haben und wir fahren zurück zum Flughafen.

Diesmal erwischen wir den Flug und kommen zwei Tage später auch wieder heil in Berlin an – Kingfisher Airlines sein dank. Die gibt es leider nicht mehr. Wahrscheinlich deswegen.

Aber mit den Jahren zeichnet die Erinnerung alles weich und was bleibt, ist die Erinnerung an dieses spezielle indische Licht, die wunderbaren Paläste und das unglaublich gute indische Essen, welches man einfach nicht in Deutschland bekommt.

2017 – Die zweite Indienreise

Immer mehr ploppte im Hinterkopf die Idee auf: Wir müssen noch mal dahin! Wir müssen Indien eine zweite Chance geben! Wir müssen unbedingt noch eine Indienreise machen!

Also beschlossen wir, noch einmal nach Indien zu fliegen. Ende 2017. Eine geführte Reise durch Südindien, Tamil Nadu und Kerala. Eine richtig teure Busreise die den satten fetten Touristen – also uns – von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit kutscht und auf welcher man den dichten indischen Menschenmassen etwas entgehen kann. Und wo man am Ende des Tages einen Rückzugsort hat und sich nie Gedanken ums Essen machen muss.

Und es wurde so viel mehr: wir waren bei unserer Indienreise eine 11-köpfige Gruppe in einem großen Reisebus, der Reiseführer ging auf all unsere Wünsche ein und man hatte die Möglichkeit, innerhalb kürzester Zeit so viel von Südindien zu sehen, dass man komplett geflasht war. Es war die tollste Reise unseres Lebens und ich würde sie immer wieder tun!

Der Reiseführer für Südindien

Mein erstes eBook

Wer uns also noch besser kennen lernen möchte und sehen möchte, wie es war, bevor alles geschah, kann hier alles über unsere Indienreise nachlesen:

Wenn es Euch gefällt, würde ich mich freuen, wenn Ihr eine kleine Bewertung bei Amazon hinterlasst. Habt Nachsicht, es ist mein allererstes eBook, es holpert sicher noch etwas. Ich habe die Indienreise es aus der Sicht der alten Dana geschrieben, also aus der Sicht der noch nicht durch den Tod von Steffen veränderten Dana.

Die Fotos zur Reise

Eigentlich wollte Steffen dazu einen Bildband fertigen, da er wunderbare Bilder in Südindien geschossen hat. Wir wollten eine Seite erschaffen, in welcher man die Bilder zu der verschiedenen Tagesetappen unserer Reise durch Südindien zuordnen kann. Leider ist

jedoch ist das Letzte, was Steffen in seinem Leben geschaffen hat, diese eine Homepage, die er am 09. Februar 2019 online gestellt hat, zwei Wochen vor seinem Tod:

https://www.steffenglaeser.com/galerie

Es zerreißt mir das Herz, wenn ich die Bilder unserer traumhaften Reise ansehe. Die Bilder hat alle Steffen fotografiert.

Herrje, was für ein feiner sensibler Mensch. Er fehlt so sehr! Ich werde noch mehr Wege finden, wie Steffen nicht für diese Welt verloren gehen wird. Die Welt soll erfahren, wie toll er war!

Genau an dem Tag, an dem ich Steffen das letzte Mal ins Krankenhaus gebracht habe, habe ich abends dieses Buch fertiggestellt.

Steffen hat immer zu mir gesagt:

Du musst schreiben, Du schreibst so schön! Ich belaste Dich nur mit meiner Krankheit. Ich möchte, dass Du schreibst!

Steffen

Daher wusste ich so klar, als ich an diesem fürchterlichen Morgen im Februar an Steffens Bett in der Charité stand und den erlösten Steffen sah:

Ich muss das weiter machen, das bin ich Steffen schuldig. Ich kann mich nicht hängen lassen.

Dana

Er konnte das Buch daher leider nicht mehr lesen. Ich wollte es ihm eigentlich noch vorlesen. Aber dazu sind wir leider nicht mehr gekommen…

düdümm….

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