Mein erstes eBook

Ich liebe das Schreiben. und Während Steffens Krebserkrankung war das Schreiben dieses Blogs, das Verarbeiten des Horrors und parallel das Schreiben dieses eBooks über unsere letzte Indienreise die einzige Sache, die mir noch Freude bereitete.

Das Schreiben gab mir neue Lebenslust, neue Energie, um diesen ganzen Wahnsinn irgendwie durchzustehen und einen Sinn darin zu finden. Und es gab ebenso meinem lieben Steffen Kraft, da es vielleicht noch eine Alternative zum Kochen gab, mit der ich für uns Geld verdienen könnte.

Als Steffen so plötzlich verstarb, füllte dieses eBook die riesige Lücke auf, die er hinterlassen hatte. Für ein paar Minuten hatte ich das Gefühl, er wäre noch bei mir und so lebendig. So lebendig, wie in diesem Buch:

Warum ein Buch über Indien?

… mögt Ihr Euch fragen.

Nun, dies entstand so: schon immer schreibe ich für meine Familie und mich Tagebuch über unsere Reisen. Und oft sagen mir Leute, Dana, Du solltest Bücher schreiben.

Also habe ich während unserer letzten Reise akribisch Tagebuch geführt und dieses dann an jedem Reisetag abends kurz notiert und Steffen hat parallel unglaublich schöne Bilder gemacht.

Noch mehr seiner atemberaubend schönen Bilder findest Du auf seiner Fotografen-Seite, welche er noch zwei Wochen vor seinem Tod fertig gestellt hat:

https://www.steffenglaeser.com/galerie

Und irgendwie haben wir beide an Indien unser Herz verloren, obwohl unser erster Besuch in Indien nicht so optimal war. Man möchte fast meinen, ein sehr holpriger Start:

Die erste Indienreise 2011

Im Januar 2011 begaben wir uns das erste mal auf eine Reise nach Indien und flogen nach

Vadodara

Wir waren gerade noch mitten im Unternehmensstart und hatten kaum Geld. Da jedoch mein Bruder in Indien arbeitete, hatten wir die Gelegenheit für einen Monat umsonst bei ihm und meiner Schwägerin zu wohnen.

Der erster Eindruck von Indien ist für uns Europäer meist extrem gewöhnungsbedürftig:

In Indien gibt es so unglaublich viele Menschen, das ist einer der ersten Schocks. Das ständige Gewusel und parallel wird man ständig angeglotzt, na klar, man sieht halt einfach anders aus. Es ist immer laut und es ist überall staubig und schmutzig.

Nach ein paar Tagen in Indien waren wir von dem allen so maßlos überfordert, dass wir uns komplett in die Luxuswohnung meines Bruders zurückgezogen hatten. Aus Verzweiflung begannen wir, die teuer erworbene Liquor-Permission komplett auszureizen und die Alkoholvorräte meines Bruders auszutrinken.

Das Drama mit der Liquor-Permission

Mein Bruder arbeitete damals im Gujarat, das ist ein trockener Bezirk in Indien. Das bedeutet, in diesem Bezirk gibt es keinen Alkohol zu kaufen. Das ganze Ausmaß der Restriktion hatten wir vor dem Antritt der Reise nicht erfasst: nur für Touristen gibt es Alkohol, und das auch nur mit einer die Liquor-Permission (Schnapsgenehmigung). Für diese Genehmigung konnte man pro Monat ca. 20 Flaschen Bier beziehen. Wisst Ihr Bescheid.

Das gab dann später noch einmal richtig Ärger, denn mein Bruder war stinksauer, da sein ganzer Akoholvorrat aufgebraucht war, als er nach seiner Dienstreise heimkehrte. Zu Recht. Das tut mir immer noch sehr leid, Bruderherz!

Aber, das ist noch nicht alles, was ich aus 2011 zu berichten hatte. Wie Gottes Strafe ob des Alkoholkonsums geschah dann in Indiens Hauptstadt das:

Delhi – der ungekrönte Höhepunkt der Indienreise 2011

Die Strafe folgte für uns auf dem Fuß. Was ist passiert? Am Abschluss unserer Indienreise in Delhi haben wir unseren Anschlussflug nach London verpasst, lest selbst:

Der verpasste Anschlussflug

In Delhi gibt es zwei Flughäfen: einen Flughafen für die Domestic Flights und einen für die International Flights. Um von dem einen Flughafen zu dem anderen zu gelangen, gibt es einen Transferbus. Wir hatten exakt 1,5 Stunden für den Transfer eingeplant, das sollte wohl reichen. Wir hatten nämlich den Flug für diese Indienreise selbst gebucht.

Zügig verlassen wir das erste Flughafengebäude und suchen den Transferbus. Schnell suchen wir uns einen freien Platz im Bus. Der Bus startet nicht. Die Zeit wird knapp. Nach 20 Minuten fuhr der Bus immer noch nicht los und einige Inder verließen fluchtartig denselben, um sich eine Rikshaw zum Flughafen zu rufen. Ich frage den Busfahrer, wann er denn losfahren würde. Daraufhin wackelte er nur sein höfliches nichtsagendes Indienkopfwackeln.

Gemächlich startete der Bus zehn Minuten später und wir kamen am Flughafen für die International Flights an. Beim Betreten des Eingangsbereiches checkten wir unseren Flug, und mussten Folgendes lesen:

LONDON – NOW BOARDING

Oh mein Gott!!

Panisch rennen wir zum Schalter unserer Fluggesellschaft und fragen nach unserem Flug. Uns wird mitgeteilt, dass wir das Flugzeug nicht mehr erreichen werden. Wir fallen aus allen Wolken.

Ängstlich fragen wir nach, ob man uns denn nicht noch direkt zum Boarding fahren könne, mit diesen lustigen Fahrzeugen, die die ganze Zeit Menschen mit Koffern durch das riesige Flughafengebäude fahren, denn das Flugzeug startet doch erst in 40 Minuten?

„this is not possible“

sagt der Schalterinder, gefolgt von einem freundlichen indischen Kopfwackeln. Er teilte uns freundlich mit, dass es viel zu lange dauern würde inklusive Security Check-In und der Immigrationsbehörde, länger als 40 Minuten. Daher werden wir sicher den Flug verpassen.

Nach stundenlangem Hin- und Her, und der Erwägung einen Lufthansaflug für weitere 2000 EUR zu buchen, die wir natürlich nicht hatten, hatte uns der freundliche Flughafeninder glücklicherweise den selben Flug am Folgetag inklusive Anschlussflug am weiteren Folgetag in London gebucht. Alles kostenlos. Unsere Indienreise schien gerettet.

Gestrandet in Delhi

Wir sitzen also in Delhi fest. Geistesgegenwärtig lässt Steffen sich noch schnell einen Stempel auf die neue Flugbuchung geben, so dass wir den Flughafen wieder betreten können. Warum? Wer in Delhi den Flughafen ohne Ticket verlässt, darf nicht wieder in den Flughafen hinein. Dafür sorgen die ganzen bewaffneten Inder mit ihren verrückten Waffen. Also niemals eine kurz rauchen gehen!!!!

So konnten wir den Flughafen verlassen und standen vor der nächsten Hürde. Wo übernachten? W-LAN gab es damals noch nicht, Roaminggebühren waren astronomisch, also konnten wir uns selbst kein Hotel für die Nacht aussuchen.

Also gingen wir zum Taxistand. Dort muss man angeben wer man ist, wo man hin möchte, wo man übernachtet usw. usf.. Dafür hat der Taxistandboss ein riesiges Buch aufgeschlagen und alle Reisenden notiert. Er schien uns vertrauenswürdig, also fragten wir nach einem Hotel. Wir würden 80 EUR für die Nacht ausgeben. Das schien uns für ein ordentliches Bett in Indien angemessen.

Daraufhin rief der Taxistandboss ein Taxi heran, sagte ihm irgendwas auf indisch und schon saßen wir im blitzblanken Taxi.

Die Unterkunft aus der Hölle

Wir fuhren und fuhren und fuhren, zugegeben schön in einem neuen Auto und nicht in der Rikshaw, bis wir in einer stark heruntergekommenen Gegend ankamen. Der Taxifahrer führte uns zum Hotel, ein komischer fragwürdiger Kasten. Der Taxifahrer wartete in der Tür, bis wir endlich eingecheckt hatten. Der Hotelinhaber führte uns in unser Zimmer. Ein Loch. Im Gebäude gelegen, ohne Fenster. Die einzige Lüftungsmöglichkeit war ein Fenster zum Lüftungsschacht, der bei uns endete. Der Boden des Lüftungsschachtes bestand aus einem Teppich alter Zigarettenstummel. Es stank. Die Klobrille war zur Hälfte zerstört und eine Schraube bohrte sich in den jeweiligen Hintern des gerade darauf Sitzenden.

Also gehe ich wieder in die Rezeption und flippe aus. Auschecken geht nicht mehr, sagt er, aber er kann uns ein anderes Zimmer anbieten. Und immernoch sitzt der Taxifahrerarsch in der Ecke und ist sicher irgendein Cousin von dem Hotelinhaber. Ok, also anderes Zimmer.

Wir bekommen ein Zimmer mit Blick auf die lokale Fedex-Zentrale und schauen zu, wie die Pakete hin- und her geworfen werden. Es stinkt immer noch, aber wir haben ein Fenster.

Flucht in den Alkohol

Über den Zimmerservice bestellen wir Bier. Das ist der Vorteil von Delhi, hier gibt es auch Bier mit Alkohol. Das ist aber teuer. Also beschließen wir, das Hotel zu verlassen und irgendwo günstig Bier zu besorgen. Das muss doch möglich sein.

Wir laufen durch die enge Altstadt, links und rechts der Straße befinden sich Rinnen, in den Kacke schwimmt. Straßenhunde trinken daraus. Wir laufen und laufen und finden einen Shop. Kein Bier im Shop. Dann sehen wir ein Schild mit der Aufschrift: BEER. Erlösung. Wir kaufen uns sechs Flaschen und der Händler wickelt jede einzelne Flasche fein in Zeitungen ein, damit sie kalt bleiben. Stolz tragen wir unseren Schatz nach hause.

Im Zimmer angekommen stellen wir die Flaschen auf den Tisch. Voller Vorfreude packt Steffen die erste Flasche aus. Und jetzt sehen wir es:

alkoholfrei!

Steffens Blick wird panisch. Die nächste Flasche wird ausgepackt, dasselbe! Nach und nach stellen wir fest, alle Flaschen sind alkoholfrei.

Ein kehliger, verzweifelter Schrei entfährt Steffens Mund. Das wars! Steffens stoische Ruhe ist beendet.

Er wickelt alle Flaschen wieder ein, packt sie in seinen Rucksack und trabt zum Bierhändler. Ich kann seinem wütenden Schritt kaum folgen.

Beim Bierhändler knallt er die Flaschen auf den Tisch, flippt aus und bekommt sein Geld wieder. So kenne ich Steffen nicht.

Wir laufen also weiter und finden eine Bierbar für Touristen – viel zu teuer. Und als wir es gar nicht mehr glauben, finden wir einen Laden, in dem der Verkäufer im Schneidersitz in der Auslage sitzt und er hat Bier im Kühlschrank. Mit Alkohol. Wir kaufen.

Zurück im Hotel bestellen wir nur noch das Essen per Roomservice und trinken unser Bier. Das Bett ist so keimig, dass wir in unserer Kleidung darauf einschlafen. Der Fernseher bietet nur grisselige Bilder mit indischen Soaps. Wir sind echt verzweifelt.

Es geht endlich zurück nach Hause!

Am nächsten Morgen steht pünktlich der windige Taxifahrer bereit, der Hotelinhaber knüpft uns noch eine Steuer aus seiner Fantasie ab, so dass wir jetzt überhaupt gar kein Geld mehr haben und fahren zurück zum Flughafen.

Diesmal erwischen wir den Flug und kommen zwei Tage später auch wieder heil in Berlin an – Kingfisher Airlines sein dank. Die gibt es leider nicht mehr. Wahrscheinlich deswegen.

Aber mit den Jahren zeichnet die Erinnerung alles weich und was bleibt, ist die Erinnerung an dieses spezielle indische Licht, die Gerüche, die Luft, die wunderbaren Paläste und das unglaublich gute indische Essen, welches man einfach nicht in Deutschland bekommt.

Und so kam es zu dieser Reise nach Südindien, denn im Jahr 2017 feierten wir das 10jährige Bestehen unseres kleinen Caterings.

Dieser Jahrestag war für uns der Grund, diese Reise nach Südindien anzutreten. Eigentlich wollten wir mit dem Geld eine 10-Jahres-Feier für die Kunden unseres Caterings organisieren, doch dann dachten wir uns, dass wir eigentlich UNS feiern sollten, dass wir beide es überhaupt so ganz allein soweit gebracht haben.

Denn das erste Mal lief es in den 10 Jahren des Bestehens des Caterings bei uns beiden richtig gut. Unsere Firma schrieb seit 2007 das erste Mal schwarze Zahlen und überraschenderweise gab es seit November 2016 das erste Mal keine außerplanmäßigen Vorkommnisse mehr.

Das erste Mal konnte sich das Catering wie ein ganz normales Unternehmen entwickeln. Es konnte wachsen, Werbung machen, neu investieren und neue Kunden anlocken. Und hatte die Freiheit, all meine Ideen und Kreativität auszuleben.

Alles war das erste Mal perfekt.

2017 – Die zweite Indienreise

Immer mehr ploppte daher im Hinterkopf die Idee auf: Wir müssen noch mal dahin! Wir müssen Indien nochmal eine zweite Chance geben! Wir müssen unbedingt noch eine Indienreise machen!

Also beschlossen wir, ein zweites Mal nach Indien zu fliegen. Ende 2017. Eine geführte Reise durch Südindien, Tamil Nadu und Kerala. Eine richtig teure Busreise die den satten fetten Touristen – also uns – von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit kutscht und auf welcher man den dichten indischen Menschenmassen etwas entgehen kann. Und wo man am Ende des Tages einen Rückzugsort hat und sich nie Gedanken ums Essen machen muss.

Und es wurde so viel mehr: wir waren bei unserer Indienreise eine 11-köpfige Gruppe in einem großen Reisebus, der Reiseführer ging auf all unsere Wünsche ein und man hatte die Möglichkeit, innerhalb kürzester Zeit so viel von Südindien zu sehen, dass man komplett geflasht war. Es war die tollste Reise unseres Lebens und ich würde sie immer wieder tun!

Der Reiseführer für Südindien

Mein erstes eBook

Wer uns also noch besser kennen lernen möchte und sehen möchte, wie es war, bevor alles geschah, kann hier alles über unsere Indienreise nachlesen:

Wenn es Euch gefällt, würde ich mich freuen, wenn Ihr eine kleine Bewertung bei Amazon hinterlasst. Habt Nachsicht, es ist mein allererstes eBook, es holpert sicher noch etwas. Ich habe die Indienreise es aus der Sicht der alten Dana geschrieben, also aus der Sicht der noch nicht durch den Tod von Steffen veränderten Dana.

Die Fotos zur Reise

Eigentlich wollte Steffen dazu einen Bildband fertigen, da er wunderbare Bilder in Südindien geschossen hat. Wir wollten eine Seite erschaffen, in welcher man die Bilder zu der verschiedenen Tagesetappen unserer Reise durch Südindien zuordnen kann. Leider ist jedoch das Letzte, was Steffen in seinem Leben geschaffen hat, diese eine Homepage, die er am 09. Februar 2019 online gestellt hat, zwei Wochen vor seinem Tod:

https://www.steffenglaeser.com/

Es zerreißt mir das Herz, wenn ich die Bilder unserer traumhaften Reise ansehe. Diese Bilder hat alle Steffen fotografiert.

Herrje, was für ein feiner sensibler Mensch. Er fehlt so sehr! Ich werde noch mehr Wege finden, wie ich dafür sorgen kann, dass Steffen nicht für diese Welt verloren gegangen ist. Die Welt soll erfahren, wie toll er war!

Genau an dem Tag, an dem ich Steffen das letzte Mal ins Krankenhaus gebracht habe, habe ich abends dieses Buch fertiggestellt.

Steffen hat immer zu mir gesagt:

Du musst schreiben, Du schreibst so schön! Ich belaste Dich nur mit meiner Krankheit. Ich möchte, dass Du schreibst!

Steffen

Daher wusste ich so klar, als ich an diesem fürchterlichen Morgen im Februar an Steffens Bett in der Charité stand und den erlösten Steffen sah:

Ich muss das weiter machen, das bin ich Steffen schuldig. Ich kann mich nicht hängen lassen.

Dana

Er konnte das Buch daher leider nicht mehr lesen. Ich wollte es ihm eigentlich noch vorlesen. Aber dazu sind wir leider nicht mehr gekommen…

düdümm….