Zunächst ist für mich das Jahr 2019 eigentlich noch gar nicht da. Noch habe ich es nicht begriffen. Irgendwie bin ich immer noch gefühlt im Jahr 2018 und schon ist 2020 da. Das verstehe ich nicht.

Jahresrückblick 2019

Wie durch eine Milchglasscheibe beobachte ich im TV und in den Zeitungen all die Rückblicke auf dieses Jahr 2019, auf die politischen Ereignisse, Katastrophen, Kämpfe, Demonstrationen und Erkenntnisse, mit denen sich alle gerade herumschlagen.

Aber all das ist so weit weg, so irrelevant. So albern, so sinnlos. Es berührt mich nichts davon. Absolut gar nichts.

Denn das absolut Schlimmste, das ich mir vorstellen konnte, ist mir in 2019 passiert. Mein über alles geliebter Partner, meine Seelenhälfte, mein Freund, mein Mann ist gestorben.

Und gerade heute, in den wenigen Stunden nur mit mir selbst, wird mir schmerzlich klar, was es genau ist, was so schmerzlich fehlt:

Das gemeinsame Lachen

Wir hatten beide einen speziellen Humor, den der andere wie in einem wahnsinnigen Pingpongspiel aufnahm und beantwortete. Wir konnten auf Partys stundenlang kichernd in der Ecke sitzen, weil wir uns Wortwitze um den Kopf gehauen haben. Eine wahnsinnige Mischung aus Helge Schneider, Wortwitz und schwarzem Humor. Eine ganz edle und seltene Mixtur.

Wenn ich jetzt die ganzen WhatsApp-Videos, die wir während der Krankheit gemacht haben, ansehe, sehe ich da einen Überlebenswillen, einen Kampfgeist, eine Einheit, selbst in den schwärzesten Momenten, welche jetzt verloren ist.

Ich stehe jetzt da, ich mache meine Witze, und kaum jemand kann das zurück pingpongen. Da ist nur eine unendliche Leere. Wie die SOS-Rufe eines sinkenden Schiffes sende ich meinen Humor hinaus, in der Hoffnung, dass irgendjemand antwortet. Aber da antwortet niemand mehr. Das ist das Schlimmste jetzt gerade.

Zu realisieren, dass es mit Steffen nie wieder so sein wird. Zu begreifen, was wir Tolles hatten. Und ja, wir waren achtsam, wir waren uns der Endlichkeit stets bewusst. Und dennoch schmerzt es furchtbar.

Ich habe das Gefühl, ich bin 2019 aus der Höhe der größten Leichtigkeit, die man überhaupt in einer Beziehung haben kann, in das Tal der Tränen geklatscht. Ich liege irgendwo in einem dunklen Wald und sende meine Signale. Und es gibt keinen mehr, der da antwortet. Ich muss da ganz allein wieder hinausfinden. Das werde ich auch. Es ist aber scheiße hart.  

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Liebe

Aber in all der Dunkelheit gibt es auch Licht.

Dies war mit Abstand das intensivste Jahr meines Lebens. Ich habe von so vielen Menschen Liebe und Mitgefühl erhalten, dass ich es stellenweise kaum ausgehalten habe und mich regelmäßig zurückziehen musste.

Meine Wände aus Vorurteilen wurden komplett eingerissen.

Weisheiten, welche ich vorher schon ahnte, wurden bewahrheitet: Es gibt kein schwarz und weiß, gut und Böse, wenn und dann. Das Leben ist nicht Disneyland.

„Wenn / dann“ gibt es nur bei Computern, denn sie haben im Gegensatz zu uns keine Seelen. Das ist der Unterschied.

Alles ist miteinander verbunden.

Durch die Klarheit, mit der man in all den Schmerzen sieht, sieht man auf einmal die Liebe, die uns alle antreibt. Die Angst, die uns bitter macht, da wir uns sorgen, dass zu verlieren, was wir so sehr lieben. Der Klebstoff, der alles zusammenhält, ist die Liebe.

Es lässt sich leichter hassen, wenn man sein Gegenüber nicht kennt. Und wer kennt schon wirklich sein Gegenüber?

Neujahrswunsch

Lasst uns im nächsten Jahr weniger hassen, mehr verstehen als in 2019. Weniger herumätzen und sich über andere heben.

In dem Moment, wo sich der Gedanke zu einer Hassrede formt, einfach einmal kurz herausziehen und nachdenken. Wie fühlt sich das für den anderen an? Bewirkt es etwas? Wie würdest Du jetzt auf so eine Ansage reagieren?

Die Hölle bei den Buddhisten ist wohl der Moment, in dem man all seinen Taten gegenübergestellt wird. Man wird so empfinden, wie sein Gegenüber in dem jeweiligen Moment. Man wird sehen, was diese Äußerung mit dem anderen gemacht hat und zu welchen weiteren Taten das geführt hat. Und das ist die eigentliche Hölle.

Vielleicht denken wir einfach einmal darüber nach, bevor wir etwas unbedacht herauspoltern.

2020 wird wieder turbulent. Es werden krasse Dinge passieren. Lasst Euch nicht vom Hass, sondern vom Mitgefühl lenken. Wir sind alle nur Menschen und ticken am Ende alle ziemlich gleich.

Peace!

Photo by cottonbro on Pexels.com

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