Nur ein Jahr

Es ist gerade etwas ruhig um mich geworden, da nach all dem Stress der letzten Monate ein zartes nahezu jungfräuliches Gefühl der Ruhe eintritt. Umso bewusster wird mir, was vor nur einem Jahr geschah.

Unser gemeinsamer und wahnsinniger Höllenritt begann dieser Tage genau vor einem Jahr. Es ist für mich daher absolut faszinierend, was in so einer kurzen Zeit alles passieren kann.

Immer denken und hoffen wir Menschlein, dass alles so für immer sein wird. Das geliebte Menschen für immer da sind und dass wir eventuelle Risiken mit der richtigen Planung und Einstellung abwenden können.

Aber die eigentliche Kunst besteht darin, das Schreckliche auszuhalten, zu akzeptieren und darüber hinaus nicht verrückt zu werden.

Ich habe es nur teilweise geschafft und bin daher seit einer Woche krank geschrieben. Ich habe nach all dem Wahnsinn des vergangen Jahres einfach keine Energie mehr. Falls Ihr also einen guten Psychologen in Berlin kennt, der mit der gesetzlichen Krankenkasse zusammen arbeitet, schickt mir gerne den Kontakt.

Ich habe das Gefühl, eine Woche in meinem Leben ist so turbulent, wie ein Jahr im Leben der anderen. Ich brauche endlich einmal Ruhe.

Also bin ich wieder zu meinem Papa gefahren, bevor nächste Woche neue Abenteuer auf mich warten, habe mich mit lieben Menschen umgeben und musste sehr daran denken, was vor einem Jahr geschah:

Vor einem Jahr:

Vor einem Jahr hatten wir noch nicht die leiseste Ahnung, was alles mit uns geschehen würde. Das einzige was wir hatten, war furchtbare Angst.

der nächste Tag, der Tag der Nasenscheidewand-Operation sollte jedoch noch schlimmer werden:

Dieses Jahr:

In diesem Jahr bin ich also um diese Zeit bei meinem Papa. Immer wenn ich bei meinem Papa bin, lade ich Freunde und Verwandte ein, die nicht in Berlin wohnen und habe so die Gelegenheit, alle wieder zu sehen.

Und wie es der Zufall will, konnten alle nur am Mittwochabend. Am Abend des 10.07.2019. Genau am Jahrestag der Höllenfahrt. Genau ein Jahr, nachdem all das begann.

Als wöllte das Übel des letzten Jahres mit Liebe aufgefüllt werden.

Ich am Smoker
Nach über einem Jahr wird der Smoker endlich wieder aktiviert – Steffen hatte so große Pläne mit dem Gerät!

Seit 1,5 Jahren stand der Smoker unberührt in der Ecke. Wie Ihr Euch erinnert, hatten wir ja die Ernährung bei Steffen komplett auf vegetarisch umgestellt. Da macht so ein Smoker nicht wirklich Sinn. Auch machte es keinen Sinn, den Smoker für nur drei Personen zu starten – für Papa, Steffen und mich.

Aber diesmal waren wir sieben Personen und ich konnte endlich mal wieder auf dem riesigen Gerät grillen.

Wir haben an diesem Abend alle über Steffen geredet und an ihn gedacht. Wir haben in Erinnerungen geschwelgt und gutes böhmisches Bier getrunken.

Erst wenn man nicht mehr über einen Verstorbenen spricht, ist er wirklich gestorben. Durch das ständige Gespräch über Steffen lebt er jedoch für immer weiter.

Ich denke, Steffen hat das sehr gefallen. Uns hat es sehr gefallen.

So viel Liebe!

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