Landpomeranze

Das Leben als Landpomeranze ist auf den zweiten Blick ein doch recht Aufregendes.

Mein lieber Papa liegt immer noch in seinem selbst betiteltem Sanatorium im Klinikum Görlitz, aber keine Sorge, ihm geht es gut. Die beste Nachricht vorab: es wurde kein weiteres Karzinom gefunden und alles Übel wurde operativ entfernt.

Katze

Derweil halte ich hier im Häuschen als Landpomeranze die Fahne hoch und füttere die Katze. Bei genauerer Beobachtung passt das Input der Katze nicht zum Körpervolumen der Katze. Das Gegenteil eines Lecks. Irgendwo wird der Katze offensichtlich hochenergetische Nahrung zugeführt. Oder Energiemäuse, die Katzenvariante der Energieriegel. Aber vielleicht ist es nur ein gigantischer Bandwurm?

Das ist jedes Frühjahr dasselbe, die Katze verlässt kugelförmig nach Eingabe der Wurmkur das Haus und kommt einige Stunden später vollkommen erschlankt wieder. Irgendjemand wird unter irgendeinem Baum eine Osterüberraschung der besonderen Art finden.

Wie auch immer, die Katze hat mich mittlerweile als Befehlsgeber und Futterausgabe akzeptiert und meinen noch städtischen Lebenszeiten angepasst.

Nachdem meine große Liebe zu offenen Flammen, Feuern und Hitze in den letzten Tagen neu entfacht wurde, ist es im Häuschen ständig wohlig warm. Leider gibt es auch hier wieder eine Energieumverteilung: drinnen wird es warm, dafür verschwindet draußen beim Ofen das Holz. Also wurde es Zeit, neues Holz zu holen.

In meinem aktuellen Leben als Landpomeranze fühle ich mich gerade in etwa so, wie in diesem Video:

Die Realität sieht leider anders aus und hat dicke Pickel, haha und mich!

Holz

Heute Morgen musste ich nun also zwangsweise selbst Holz holen. Das Holz befindet sich auf einem Dachboden, welcher nur über eine Stahlleiter zu erreichen ist. Am Ende der Leiter muss man sich wie ein kleines Äffchen in den Dachboden hinein schwingen.

In meinem Fall: Gorilla.

Schon bei meinem ersten Versuch, mich locker in den Dachboden zu schwingen, stelle ich den massiven Unterschied in der Beweglichkeitsrange meines Bewegungsapparates von vor 20 Jahren zu heute fest. Die Koordination zwischen Hirn und den ellenlangen spillerigen Beinen versagt. Das war damals alles wesentlich einfacher!

Bedrohlich knacken die Kniegelenke. Ich stelle fest, dass Butterkrem nicht die Gelenkschmonze in den Knien ersetzt.

Während ich einen gutturalen Laut von mir lasse, wuchte ich meinen unegalen Körper in die Luke. Geschafft. Durchatmen.

Auf dem Dachboden befindet sich ein großer Holzkorb, in welchen ca. 10 Kilo Holz hineinpassen. Ich sortiere das benötigte Holz in den Korb und trete den Rücktritt an.

Nun muss ich neben meinem massiven Körper auch noch das Holz in dem Holzkorb auf meinem Rücken irgendwie herausjonglieren und die Metallleiter herunter hieven. Kurz bleibe ich in der Luke verzagt hocken. Aber wer „A“ sagt, kann auch „Fuck you“ sagen.

Und siehe da, alles geht gut. Behend wie ein Eichhörnchen auf Valium kraxel ich mit dem riesigen Holzkorb auf dem Rücken die Leiter herunter. Schön ist das Ganze nicht. Den Landpomeranzenpreis gewinne ich so nicht.

Obwohl meine liebe Freundin Frau V. anmerkte, dass vielleicht das ganze im Sternenfängerkleidchen recht hübsch anzusehen wäre. Und ich mit Affenschaukeln im Haar. Allein im Haus. Währenddessen marodierende Oberlausitzer Jungburschen das Haus brunstig brüllend umzingeln.

Nein. So sieht es einfach nicht aus. Zurück zur Realität: Den weiteren Feuerexzessen steht nun nichts mehr im Weg.

Die Waschmaschine

Der Stolz befeuert meinen Tatendrang. Ja, was machen Landpomeranzen sonst noch so? Genau! Wäsche waschen.

Also kümmere ich mich um die Wäsche, denn ich weiß noch nicht, wann ich wieder in Berlin bin und die Sonne scheint so schön – bei -2 Grad -.

Die Waschmaschine ist ein gutes und nahezu prähistorisches Stück – lieber Papa, ich hoffe, du liest das jetzt nicht im Krankenhaus! – meine Mama hat sie noch gekauft. Die Waschmaschine hat nun schon gute 22 Jahre auf dem Rücken und ist eine verlässliche Bauknecht. Ab und zu murrte und knurrte sie, aber mein Papa, der Ingenieur hat sie immer wieder zum Laufen gebracht. Bis jetzt.

Bis die Landpomeranze das Waschhaus betritt… BÄM!

Drehe links, drehe rechts. Wasserhahn zu, Wasserhahn auf. Drücke Knöpfe.

Waschmaschine dreht – kein Wasser kommt. Drehe weiter Wasserhahn und drücke Knöpfe.

Waschmaschine dreht – kein Wasser kommt.

Drücke Wasserstop an aus – Knopf kommt nicht mehr raus.

Knopf kommt nie wieder raus!!!!

Panik.

Gucke Youtube-Kanäle mit Knopfthematiken. Keine Lösung außer Atomschlag, Handwerker oder neu kaufen.

Drei Stoßgebete nach oben. Dinge drehen sich wieder, Knopf geht nie wieder.

Kreisch!

Die heilige Waschmaschine.

Was mach ich denn jetzt???

Egal. Nach 22 Jahren ist Zeit für was Neues.

Ich suche nach einem Waschmaschinenlieferanten, der eine neue Waschmaschine anschließt und die alte Waschmaschine gleich entsorgt. Gesucht und gefunden! Ich werde bei Quelle fündig. Es wird wieder eine Bauknecht. Vielleicht fällt es ja gar nicht auf, dass ich die Waschmaschine ausgetauscht habe? Und angeblich wird die Maschine morgen geliefert – sagen sie.

An die Lieferung zu morgen glaube ich noch nicht so recht, aber hey, let´s give it a try.