Ich bin mal wieder bei meinem Papa in der Oberlausitz. Das Ileostoma wird zurückgebaut, ein reparierter Papa wird aus dem Krankenhaus zurückkehren. Also hüte ich wieder die mürrische Katze und das Haus und kämpfe mit der überbordenden Natur.

Lange Zeit war es um mich recht ruhig. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen will unser Blog schöner werden, zum anderen passieren so viele Dinge, die eigentlich nicht erwähnenswert sind oder auf einen viel theatralischeren Moment warten, um wirksam veröffentlicht zu werden. Lediglich Newsletter-Abonnenten hatten das Glück, von mir wöchentlich Post zu bekommen. Dies als kleiner Hinweis, falls du mein Geschreibse vermisst. Aber zur Abwechslung habe ich hier endlich wieder einen Blogeintrag für Dich. Es wird heute auch mal wieder lustig, ich gebe mir zumindest Mühe.

Urlaub in der Natur

Ja ich bin mal wieder bei Papa. Jedoch ohne Papa. Denn der treibt sich auch wieder im Krankenhaus herum. Nein keine Sorge, alles ist cool. Papa geht’s gut. Klar, es ist kein Zuckerschlecken für ihn, aber alles verheilt super. Wie ich schon damals angekündigt habe, muss der ganze Quatsch ja wieder zurückgestöpselt und zugenäht werden und das ist gerade passiert.

Und wenn dann nächste Woche Papa komplett runderneuert aus dem Krankenhaus kommt, werden wir den Darm aufbauen. Das klingt vielleicht eklig, aber wenn man bedenkt, dass der Darm unser Immunsystem steuert, für unsere Stimmung sorgt, gegen Depression hilft und unser zweites Gedächtnis ist, so sollte man doch das Ganze mit einer guten Strategie angehen. Und dafür bin ich dann in der zweiten Woche da. Leider fehlt es in unserem Umfeld an jungen properen Menschen, deren Mikrobiom wir meinem Papa einpflanzen können, daher versuchen wir es einfach mit gesunder ballaststoffreicher Ernährung. Hierzu gibt es noch einen separaten Beitrag.

Und irgendjemand muss sich um die mürrische Katze kümmern, während Papa im Krankenhaus liegt und sich mit feinen Leckereien aus der Krankenhausküche verwöhnen lässt. Ja, ja. Du hörst einen feinen Sarkasmus. Sarkasmus ist das, was wir in unserer Familie stets dick auf die Brötchen auftragen. Aber keine Sorge, nichts ist so furchtbar, wie das Essen in der Charité, wallah, ischschwör! 

Aber nein, es ist kein Urlaub – es nervt!

Das alles bedeutet: Dana muss mal wieder aufs Land. Und ich sage dir: umso älter ich werde, umso mehr hasse ich es. Ich habe fast geweint, als ich das Ortsausgangsschild von Berlin passierte, denn merke: die Oberlausitz ist nicht Italien. Und im Gegensatz zu Italien ist die Oberlausitz definitiv nicht mein Sehnsuchtsort. Dinge die man erstmal lernen muss… Und daher ist der Begriff „Heimat“ nicht mehr auf die Oberlausitz fixiert. Meine Heimat ist mittlerweile Berlin. Sorry not sorry.

Ich werde so schnell wie möglich, sobald mein Vater alleine klar kommt, zurückkehren.

Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich den Stereotyp von „Du bist das Mädchen, du musst dich um die Eltern kümmern“ hasse. Zutiefst hasse. Ich habe nicht umsonst keine Kinder, weil mir dieses „sich um andere kümmern“ total abgeht. Ich kann und will es nicht, und das Maximum war das, was ich für Steffen tat. 

Zu viel Natur

Winter ist recht nice hier, wäre das Heiz- und Schneeproblem nicht. Denn im Winter gibt es keine Tiere. Keine Spinnen, keine Mücken, keine Scheißhausfliegen von der Größe eines Meteors, die mit einem derartigen Subbass durch die Gegend summsen, dass sofort der Kreuzberger Partybassdetektor in mir startet. Der Kopf fängt an zu wippen, aber Fehlalarm. Es ist nur The Fly, ohne U2.

Spinnen

Aber das schlimmste sind für mich als Arachnophobiker die Spinnen. Wenn man so scheiße hochsensibel ist wie ich, spürt man die feinste Spinnenwebe. Und die sind gefühlt überall. Zum Beispiel findet man draußen auf dem Wäscheplan auf der Wäscheleine die gemeine Wäschespinne. Sorgfältig hänge ich die Wäsche um sie herum auf.

Nachts auf dem langen und finsteren Weg zum Klo, wo es aufgrund fehlender Lichtverschmutzung so finster ist wie im Katzenar..h, Neumond ist ja auch noch, ist die Angst am größten. Tief steckt die Panik, im Finsteren barfuß auf eine feiste Winkelspinne zu treten. Und ohne Scheiß, die sind hier riesig und verdammt schnell. Nicht umsonst sind Winkelspinnen die schnellsten Spinnen Europas. Und sie beißen. Und sie kommen niemals allein.

Nicht unbedingt zuträglich ist die Tatsache, dass ich von meinen Arschlochbrüdern (ja, das ist an dieser Stelle durchaus angebracht) geprägt wurde. Diese haben mir als 8jährige, als wir in dieses Spinnenhaus zogen, eingeredet, dass Spinnen mindestens einen Meter weit springen können. Die zweite Weisheit war: Weberknechte riechen nach Camembert und Buchweizen – auch das stimmt!

Halten wir fest. Spinnen sind absolut widerlich. Ich will jetzt nicht hören, wie nützlich sie sind. Sie können gerne nützlich sein. Da draußen. Irgendwo weitweitweg von mir.

Die gute Nachricht ist, dass die eigentliche Spinneninvasion erst Ende August/Anfang September beginnt, dann wenn es nachts draußen kühler wird, kommen diese Drecksbiester in die Häuser rein, weil Winter bald und so. Dann werde ich weitweitweg sein. Irgendwo im Beton. Zurück zum Beton! Deswegen liebe ich meine Wohnung im Xten Stock – Spinnen, die diese Höhe erreichen, bekommen eine Medaille aus purem Gold umgehangen und stürzen dann damit jämmerlich zu Tode. Hotelzimmer sind auch mega: irgendjemand macht, dass da keine Spinnen in meinem Zimmer sind. „Da, nimm all mein Geld“.

ich liebe diesen Rotwein!

Schnecken

(für alle zartbesaiteten Tierliebhaber gund Schneckenflüsterer – ab jetzt nicht mehr weiterlesen!)

Schnecken, ein weiterer prekärer Teil der Natur. Die glitschigen Biester hängen hier auf allem herum, was „-kohl“ in seinem Namen hat, außer Helmut. Letztens hatte ich mit meinem Nachbarn ein faszinierendes Gespräch über die besten Tötungsarten für Nacktschnecken, welches damit endete, dass wir beide abartige Schlabbergeräusche ob deren Konsistenz machten. Derartige Geräusche, die sonst nur in einschlägigen Kanälen mit anderem Subtext gehört werden. Wir haben sehr gelacht. Wie schön, wir haben denselben Humor. Aber wer Filme auf Tele5 nach 23:00 Uhr liebt, kann niemals ein schlechter Mensch sein.

Nachdem ich also in irgendeiner Ecke meines Zimmers die Reste meiner winterlichen Bestellung meines Lieblingsweines fand – huch, noch gar nicht ausgetrunken! – und mit der Katze auf den Kater wartete, kam mir diese nicht unbedingt tierfreundliche Idee:

Schneckengolfen!

Das bedeutet: Schnecken mal eben mit Karacho ins nahe liegende Monsanto-geschützte Maisfeld flexen (schnicken, zwirbeln, katapultieren). Wer hätte gedacht, dass die glitschigen Biester so stromlinienförmig durch die Luft schnapurpseln! Vielleicht sollte ich mir doch einen Low-Budget-Golfschläger bei Lidl schießen (ist gerade in der Werbung). Bis dahin tuts jedoch auch ein Ast…

Die armen Schnecken!

Aber: Nacktschnecken sind nicht schützenswert, denn sie haben keine natürlichen Fressfeinde (außer den Tiegerschnegel, der jedoch recht selten ist), sie leiden nicht (sagen ja auch nüschte), und sie finden im Monsanto-gestählten „Kinder-des-Zorns-Mais“ ihren gerechten Tod.

Nach meiner ganz persönlichen Reinkarnationsdefinition haben sie ihr letztes Leben fett vor RTL2 verbracht und bisher gar nicht den Übergang von Leben I zu Leben II bemerkt (fett, schleimig, fressen). Also kicke ich sie gerne in die nächste Metamorphose: vielleicht hin zum Blutegel. Da nutzen sie wenigstens etwas.

Wikipedia sagt: Schnegel sind Edelschnecken, warum sagt man nicht einfach Egelschnegel? Klingt doch viel besser. Und ganz einfach wird aus dem Schnegel der Egel, wenn man das „Schn“ substrahiert. Das macht der Mais übrigens.

Wenn du gerade schlechte Laune hast, lies dir den obigen Wikipedia-Artikel laut vor. Wunderbar. Welch Lyrik.