Heute geht es mit dem Auto nach San Remo. Die Ostgurken unter euch wissen Bescheid. Das ist der Ort, wo laut schon zu DDR-Zeiten „Felicita“ mitgeträllert wurde. Entlang an der Riviera genieße ich Italien hart.

Genua

Aber zunächst muss ich mich von meinem Hotel hier in Genua verabschieden. Der Hotelier ist unfassbar reizend, ein Gastgeber durch und durch. Nett, aufmerksam und hilfsbereit. Ich bekomme mein geliebtes Frühstück und eine propere Definition meines zuhause selbstkreierten hochkoffeinierten Gesöffs: Capucchino con doppio Espresso. Ja, das war einfach.

Dann fädelt er alle Autos aus der Parkmöglichkeit des Hotels aus – praktischerweise hat er alle Schlüssel dafür – und gibt meinen geliebten Renault Kangoo frei. Habe ich dir schon gesagt, wie sehr ich dieses Auto liebe? Völlig unprätentiös, alles passt hinein: Ein Fahrrad, eine Matratze zur Sicherheit, Schuhe für alle Gelegenheiten, Balsamicoessig für all meine Freunde und dann auch noch der Koffer. Von der Fahrerkabine möchte ich nicht reden, denn hier sieht es aus, als wäre eine Bombe explodiert. Aber wie schon gesagt, Warum sollte jemand wo einbrechen, wo es aussieht, als ob da schon wer gewesen ist? Also geht es jetzt los auf die

Strada Statale 1

Das ist die Hauptstraße, die sich für mich nun die nächsten 140 km entlang der traumhaften Riviera schlängelt. Die Zeitvorgabe lautet für die Tour vier Stunden. Kein Wunder, denn die Richtgeschwindigkeit pendelt zwischen 50 und 30 km/h. Es geht durch traumhafte Urlaubsorte und Landschaften, die man bisher nur aus dem Fernsehen kennt (kreisch) und wendelt sich in schönen Kurven nach oben.

Erste deutsche Kennzeichen mischen sich wieder unter die Autokolonne. Man erkennt sie daran, dass sie bremsen. Bremsen habe ich mir schon lange abgewöhnt. Wie sagte mir ein Freund letztens: „Schussfahrt nach San Remo“. Gebremst wird nur, indem man einen Gang runterschaltet…

Mittag

Nach zwei Stunden Autofahrt bei 30 Grad habe ich schon wieder Hunger. Es ist schwierig, mich beim Essen glücklich zu machen. Die Punkte, die es abzuhaken gibt, sind mannigfaltig:

  • lecker
  • typisch italienisch
  • nicht zu touristisch
  • da, wo die Einheimischen hingehen
  • nicht zu voll
  • mit Parkplatz
  • muß mir sofort gefallen

Nach einer Stunde Suche während der Autofahrt bin ich fündig geworden:

Grand Hotel Londra

Nach weiteren zwei Stunden Fahrt checke ich endlich 16:45 Uhr in meinem Hotel ein. Das Grandhotel des Londres ist ein wunderbares Hotel aus der guten alten Zeit des fin-de-siècle. Ich habe es bewusst gewählt, da ich ein Faible für das Mondäne habe, obwohl ich sonst nicht sehr weltlich unterwegs bin. Und dieses Hotel ist ein solches Kleinod, eine goldglitzernde Zeitkapsel voller Kristalllüster aus der Belle Epoche.

Grand Hotel Londra

Corso Matuzia, 2, 18038 Sanremo IM

 

Perfektionisten mahnten in der Hotelrezension an, dass es schon in die Tage gekommen und sanierungsbedürftig ist. Das sind genau die zwei Aspekte, die mich ein Hotel wählen lassen. Ich brauche dieses Flair des imperfekten, den Charme der alten Zeit des Peaks der Industrialisierung.

Die Dame am Empfang ist sehr freundlich und weist mich darauf hin, dass der Pool nur noch bis 18:00 Uhr geöffnet ist. Kreisch! Stress! Ich haste wie bekloppt in mein Zimmer, schmeiße mich in den Bikini und werfe mir meine fancy Tunika über, die ich nur für diesen einen Tag hier eingepackt habe.

Eigentlich wollte ich erst einmal vernünftig und erwachsen meine Kleider im Handwaschbecken waschen, aber das ist jetzt egal, der Pool!!!!

Als ich die Tür schließe, zerrammele ich das Schloss von außen. Auch egal, der Pool!

Unten am Pool schäle ich mich sofort aus der Tunika und gehe zum Pool, der Träger vom Bikini reißt ab. Überlast. Verdammt! Zurück und das Ding ganz gemacht. Der Opa auf der Nachbarliege wendet sich mir interessiert zu, während ich halbnackt und offensiv verbissen und verrenkt allein das Problem löse, denn die Öse ist hinten. Ist mir jetzt auch egal. Scheißegal, der Pool!

So hält. Ab ins Wasser.

Nur vier Menschen neben mir an diesem riesigen Pool. Wie geil ist das denn? Ich lasse mich wie eine faule fette Frucht ins Wasser fallen. Geil. Ich übernehme den Pool komplett und spiele toter Mann. Über mir die Schwalben und der Neumond. Blauer Himmel und Palmenwipfel. Oh, ist das gut. Nach ein paar Runden watschele ich aus dem Wasser und direkt zur Bar. Ich ordere einen Aperol Spritz, den mir der Angestellte dann direkt zur Liege bringt. Ich kann es kaum fassen, denn es ist wie im Film!

Ich werde dieses Hotel heute nicht verlassen. Scheiß auf Sanremo und die Welt. Ich pfeife mir dann das Abendmenü rein und bleibe hier drin, wie so ein doofer All-Inklusive-Tourist. Die letzten Tage bin ich einfach zu viel da draußen herum gestreunt, so dass so etwas, wie im Hause essen schon Luxus ist. Jammern auf sehr hohem Niveau.

Der Strand

Naja fast. Nach dem Abendessen bin ich noch mal zum Meer heruntergelaufen. Aber die italienische Urlaubsküste sieht etwas anders aus als an der Ostsee. Man kommt zum Strand, welcher kurz vor der Dünung stehts Restaurants und Umkleidekabinen hat. Dahinter reichen dann Strandliegen fast direkt ans Meer und das Ganze wiederum so weit, wie das Auge blicken kann.

Im Wasser liegen nah an der Küste Wellenbrecher, so dass nur kleine Poolwellen am fünfzehn Meter entfernten Ufer ankommen. In diesem schmalen Bereich ist kaum Platz zum Schwimmen und dann noch die Menschen auf den Liegen, die potenziell ins Wasser kommen könnten. Und als ich dann auch noch eine Runde direkt am Strand laufen möchte, kommen mir auch noch Kinderscharen entgegen. Nein danke, reicht. Ich ziehe mich wieder zurück in meine Salzpool-Bubble.