18.11.2018 – 0 Grad – Tag 131

Wir frühstücken mit Steffens Bruder und Familie. Es ist ein sehr idyllischer Sonntagmorgen. Nach den Missverständnissen der letzten Jahre ist das Balsam für Steffens Seele. Endlich kann er mit seinem Bruder reden und so dafür sorgen, dass keine Missverständnisse auftauchen, in die man sich dann hineinsteigern könnte. Er genießt es und füllt seinen „Familientank“ wieder auf. Das ist so wichtig, vor der letzten und wichtigsten Chemotherapie.

Gegen Mittag fahren wir los, wir wollen nicht zum Mittagessen zur Last fallen, zumal wir auch nicht eingeplant sind und haben auch schon ein Fischrestaurant bei Storkow auf Empfehlung von Frau J. als Ziel auf unserem Rückweg auserkoren.

Nach ca. 1,5 Stunden sind wir angekommen. Heute ist ein grauer Tag, es weht kein Wind. der See hinter dem Fischrestaurant liegt glatt wie ein Spiegel da. Wir bestellen Matjes und Zander. Alles ist frisch und solide Handarbeit. In der Fischerei Köllnitz eG kocht ein Koch noch ehrlich:

Matjes und Zander mit Apfelringen

Wir kaufen auch noch Räucherfisch dort. Rechts im Bild gibt es auch den Bückling. Ein Fisch, von dem mein Papa auf Nachfrage stehts eine unsägliche Geschichte aus der Nachkriegszeit auf Lager hat. Hier fußt seine tiefe Abscheu gegen Fisch.

Räucherfisch

Wir kaufen uns noch etwas Räucherfisch. Der passt super zum frischen Brot vom Bäcker. In der Nähe des Fischrestaurants befindet sich der Ort, in dem mein Kinderferienlager war, wir fahren kurz vorbei. In dem Gebäude befindet sich nun die örtliche Feuerwehr. Wir drehen eine Runde um den Appellplatz.

Dann geht’s nach Hause. Tee trinken, Netflix. Schnitte mit Räucherfisch.

26.08.2018 – 18 Grad– Tag 47

Sonntagmorgen 07:30 Uhr. Steffen hat unglaubliche Energie. Er springt direkt aus der Kiste, kocht sich seinen Chaga-Tee, macht sich einen frischen Smoothie, bereitet das Frühstück vor. Ich kann mich nicht so einfach vom Fleischmagneten lösen und wälze mich noch faul hin und her. Und diese Aktivität schon am morgen beäuge ich skeptisch.

Nun, jemand hat in der Lagerhaltung versagt, die Butter fehlt… Ok, Butter in Kreuzberg – eine kleine Odyssee, aber eine türkische Bäckerei auf der Wrangelstraße hilft uns aus. Endlich können wir frühstücken.

Wir wollen heute mit den Rädern ins Brandenburgische. Es ist wunderbar kühl und klar. Septemberherbstluft und Septemberwolken und Septemberhimmel. Mit dem Finger auf Google suchen wir uns Lindow aus, ca. 2 Stunden von Berlin entfernt. Wir fahren mit dem Auto hin, die Fahrräder haben wir hinten eingeladen.

Steffen fährt! Das ist die eigentliche Attraktion. Er kann endlich wieder klar sehen und fokussieren und hat große Lust Auto zu fahren und keine Kopfschmerzen mehr. Der Weg ist schon wunderschön. Angekommen, besuchen wir dort ein altes zerstörtes Kloster und beginnen mit den Fahrrädern die Seeumrundung des Wutzsees. Es geht über Stock und Stein, Treppen hoch, über Sandwege mit leichtem Wind und klarer Sonne. Es ist wunderschön.

Steffen hat sich energetisch so verändert, dass er plötzlich freundlich die Leute anspricht, sich Tipps geben lässt. Das ging früher nur auf Arbeit, nie privat. Ein wunderschöner Ausflug an den Wutzsee.

Nach weiteren zwei Stunden haben wir den See umrundet und belohnen uns mit Matjes und Bratkartoffeln in dem schnuckeligen Café am See mit dem Bootsverleih daneben. Alle anderen essen Torten, Eis und Kaffee, die Torten sehen fantastisch aus. Aber! Das ist nichts für Steffen (war es glücklicherweise noch nie) und Matjes ist schön fett und hat Omega 3 Fettsäuren.

Danach geht’s nach Hause, wir wollen ja noch zu unserem Lieblingsinder. Da wir aber gerade gegessen haben, lassen wir uns Zeit und nehmen einen extra großen Bogen über Neuruppin und Neustadt an der Dosse. So fahren wir aus dem Westen kommend nach Berlin.

Ich sage zu Steffen, wir fahren über Falkensee, wollen wir unsere Freunde dort spontan besuchen? Er findet die Idee super, also fahren wir zu den beiden. Auf dem Weg dahin schlafe ich, ich bin noch total von den letzten Tagen kaputt.

In Falkensee angekommen sind unsere Freunde in der Tat da und freuen sich tierisch. Freunde kommt vielleicht von freuen. Haha. Scherz. Nein, es ist wunderbar bei den beiden. Wir quatschen, besser gesagt, Steffen quatscht. Er redet schon den ganzen Tag, ich bin froh, dass andere es auffangen und sich sein Geschnatter anhören. Er brodelt über vor Energie. Unglaublich.

Plötzlich ist es um 7 und wir schaffen es nicht mehr zum Inder, also ab nach Hause, unterwegs im Auto übers Handy Sushi bestellt – ich liebe Berlin und die Technik.

Nachdem beide in der Dusche waren, klingelt pünktlich der Japaner und wir schauen uns das gestern ausgeliehene Video „Shape of Water“ endlich an. Sehr schön.

29.07.2018 – 29 Grad – Tag 19

Nach dem Gewitter des gestrigen Abends startet der heutige Morgen endlich mit frischer kühler Luft. Wir wachen schon um 7 auf. Wir reißen das Schlafzimmerfenster auf. Steffen möchte gern eine Radtour machen. Also nehme ich mein Handy und suche auf GoogleMaps einen Ort der Wasser, Schatten und Radwege hat. Die Wahl fällt auf Ketzin an der Havel. Also springen wir aus dem Bett und machen uns schnell ein leckeres Sonntagsfrühstück. Genau so schnell sind die Fahrräder im Auto verstaut und ab gehts mit lauter Musik durch die Stadt, über Felder und Wälder nach Ketzin.

Wir machen eine klitzekleine Radtour – aus dem Weltall sah das alles viel größer aus, aber es ist dennoch wunderschön.

Zurück am Auto sind wir noch lange nicht mit Brandenburg fertig. Schnell suche ich eine neue Route und wir fahren über Werder, Caputh und Beelitz zurück nach Berlin. Es ist wunderbar. Und wir bekommen Hunger. So gehts abends geht’s in unseren Lieblingsburgerladen.

Ein perfekter Tag. Man konnte einmal alles vergessen, was so los ist.