20.09.2018 – 29 Grad – Tag 72

Da ich Steffen noch mal eine Nacht bei sich zuhause gegönnt habe, stehe ich zeitig auf und kann meine Computerdinge in Ruhe machen. Er kommt dann gegen 9:00 Uhr zum Frühstück und wir machen uns frische Smoothies, LaVita und Schnitte mit Brot.

Frau H.s selbstgemachter, also der von ihren Bienen selbstgemachte Honig aus der Uckermark ist alle. Skandal. Wir brauchen neuen! Steffen packt seine Tasche, heute geht’s leider wieder in die Charité zur 3. Chemo. Ich nehme ihn mit auf dem Weg zur Metro, kaufe danach ein, un dann geht’s mit den Einkäufen in die Küche.

Man mag meinen, dass wir uns langsam mit den Umständen arrangiert haben.

DPD

Und da ist ja noch das DPD – Problem. Langsam brauchen wir die Pakete, da wir ja ab Mitte nächster Woche im Urlaub sind. Also setze ich das Nudelwasser für die BMG an. Bis ein Topf mit Wasser für 40 Mann kocht, dauert es eine gute Stunde. Ich habe also eine Stunde lang Zeit und fahre zu DPD gleich um die Ecke. Die armen Kerle, die dort am PickUpShop arbeiten, tun mir leid. Aufgebrachte Menschen stehen Schlange und fragen nach ihrem Paket und rauchen danach Zigaretten vor Wut, weil die Pakete verschwunden sind.

Der DPD-Bearbeiter sagt mir, dass heute oder morgen das Paket in den von mir benannten PickUpShop geliefert werden wird. Wenn nicht, ist es wohl weg. Dann müsse ich neu bestellen. Das ist eine schöne Sache, nur nicht, wenn man schon alles vorab bezahlt hat.

Ich frage ihn, was eigentlich das Problem ist, und er sagt, die Lagermöglichkeiten sind einfach zu klein, das riesige Lager ist jetzt schon zu klein kalkuliert für den ganzen Bestellansturm und es ist noch nicht mal Weihnachtsgeschäft… Die Leitung kalkuliert damit, dass man das Paket ja neu bestellen könne, wenn es verschwunden ist.

Merke: lass Dir nichts über DPD anliefern! Schon gar nicht zu Weihnachten!

Und wie immer trifft es die armen Würste an der Information bzw. dem PickUpShop. Ungebremst entlädt sich die Wut der Besteller über ihnen. Es gab mal wieder zu viele Umstrukturierungen und Optimierungen. Die wütenden Kunden sollten mit ihrer zu recht geballten Wut besser mal die Spitzen-BWLer treffen oder Wirtschaftsberater, die alles zu Tode optimieren und von fremder Leute Arbeit leben und profitieren. Dieser immer schneller drehende Kapitalismus ist nicht gut für uns Menschen.

Ich bedanke mich freundlich für die Auskunft und er meint nur, danke, dass sie die Woche lang schon Geduld mit uns hatten. Das war wohl der einzige Freundlichkeitshöhepunkt für den armen Kerl an dem heutigen Tag.

Zurück in der Küche mache ich fix das Essen fertig und liefere aus. Ich habe eine kleine Erkältung. Dafür mache ich mir abends eine leckere Reisbowl mit Sushireis.

19.09.2018 – 28 Grad – Tag 71

Ich wache auf, wie immer ist aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen der erste Blick aus verschlafenen Augen der Blick auf die Facebook-Erinnerungen meine erste Amtshandlung nach dem Aufwachen. Die Erinnerungen rücken alles irgendwie in irgendein obskures Verhältnis und zeigen einem, wo man ungefähr steht.

Heute vor einem Jahr hatte ich mein Gespräch mit dem Chirurgen in der Charité, der meine sinnlos weiterwuchernde Schilddrüse endlich ordentlich herausoperieren sollte. Da ging es mir richtig beschissen, da ich so eine Angst hatte, irgendjemand könne mir die Stimmbänder zerschneiden oder die Nebenschilddrüsen zerstören, da eine Zweit-OP immer mit Risiken verbunden ist. Im Gegensatz zu Steffens Impact natürlich Pipifax, aber vor einem Jahr hat es meine ganze Welt bedeutet.

Vor einem Jahr ging es mir also richtig beschissen. Super, also geht’s mir dieses Jahr doch schon mal besser.

Da ja Steffen über Nacht bei sich war, kommt er pünktlich um 9:00 Uhr zum Frühstück vorbei. Eigentlich soll er heute in die Charité kommen, damit die 3. Chemotherapierunde angepluggt wird, aber sie haben kein Bett für ihn frei, sondern erst wie geplant morgen, am Mittwoch.

Also wird es nächste Woche spannend mit dem Urlaub. Im Ernstfall muss er sich auf eigene Gefahr entlassen, damit wir den Flieger bekommen.

Des weiteren brauch er noch eine Bescheinigung für sein Cannabisöl, damit er es mit in den Flieger nehmen kann. Dafür brauch er einen Stempel vom Gesundheitsamt. Also telefoniert er den ganzen Morgen sämtliche Gesundheitsbehörden der Stadt ab, wo er denn diesen Stempel bekommt. Die Feststellung des Tages ist, das die Behörden total nett sind und ihn auch zurückrufen und helfen. Das ist nicht dass, was man erwartet.

Steffen braucht sein Cannabisöl, da er über den Tag mehr Appetit davon bekommt und nachts schlafen kann, wie ein Stein. Und wie wir alle wissen, ist Schlaf gut für die Genesung.

Eine weitere Baustelle ist ein Paket, auf das ich seit einer Woche warte. Es wurde längst versandt aber verlässt das Lager von DPD nicht. Der Fahrer war angeblich da, was nicht stimmt. Um es idiotensicher zu machen, habe ich die Pakete in einen Paketshop umgeleitet. Aber nichts passiert. In den Paketen ist die super neue Saftpresse für 350 EUR:

und Graviola Tee

Alles natürlich schon vorab bezahlt. Es bleibt spannend. Der Kundendienst antwortet nicht. Einfach abwarten.

Graviola-Tee hat angeblich eine krebshemmende Wirkung, auch das wollen wir ausprobieren.

Und ich habe so schöne Äpfel von Papas Apfelbaum mitgebracht.

Ich bin etwas genervt. Ich hasse es, wenn Dienstleister nicht Dienst leisten.

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