Landpomeranze

Das Leben als Landpomeranze ist auf den zweiten Blick ein doch recht Aufregendes.

Mein lieber Papa liegt immer noch in seinem selbst betiteltem Sanatorium im Klinikum Görlitz, aber keine Sorge, ihm geht es gut. Die beste Nachricht vorab: es wurde kein weiteres Karzinom gefunden und alles Übel wurde operativ entfernt.

Katze

Derweil halte ich hier im Häuschen als Landpomeranze die Fahne hoch und füttere die Katze. Bei genauerer Beobachtung passt das Input der Katze nicht zum Körpervolumen der Katze. Das Gegenteil eines Lecks. Irgendwo wird der Katze offensichtlich hochenergetische Nahrung zugeführt. Oder Energiemäuse, die Katzenvariante der Energieriegel. Aber vielleicht ist es nur ein gigantischer Bandwurm?

Das ist jedes Frühjahr dasselbe, die Katze verlässt kugelförmig nach Eingabe der Wurmkur das Haus und kommt einige Stunden später vollkommen erschlankt wieder. Irgendjemand wird unter irgendeinem Baum eine Osterüberraschung der besonderen Art finden.

Wie auch immer, die Katze hat mich mittlerweile als Befehlsgeber und Futterausgabe akzeptiert und meinen noch städtischen Lebenszeiten angepasst.

Nachdem meine große Liebe zu offenen Flammen, Feuern und Hitze in den letzten Tagen neu entfacht wurde, ist es im Häuschen ständig wohlig warm. Leider gibt es auch hier wieder eine Energieumverteilung: drinnen wird es warm, dafür verschwindet draußen beim Ofen das Holz. Also wurde es Zeit, neues Holz zu holen.

In meinem aktuellen Leben als Landpomeranze fühle ich mich gerade in etwa so, wie in diesem Video:

Die Realität sieht leider anders aus und hat dicke Pickel, haha und mich!

Holz

Heute Morgen musste ich nun also zwangsweise selbst Holz holen. Das Holz befindet sich auf einem Dachboden, welcher nur über eine Stahlleiter zu erreichen ist. Am Ende der Leiter muss man sich wie ein kleines Äffchen in den Dachboden hinein schwingen.

In meinem Fall: Gorilla.

Schon bei meinem ersten Versuch, mich locker in den Dachboden zu schwingen, stelle ich den massiven Unterschied in der Beweglichkeitsrange meines Bewegungsapparates von vor 20 Jahren zu heute fest. Die Koordination zwischen Hirn und den ellenlangen spillerigen Beinen versagt. Das war damals alles wesentlich einfacher!

Bedrohlich knacken die Kniegelenke. Ich stelle fest, dass Butterkrem nicht die Gelenkschmonze in den Knien ersetzt.

Während ich einen gutturalen Laut von mir lasse, wuchte ich meinen unegalen Körper in die Luke. Geschafft. Durchatmen.

Auf dem Dachboden befindet sich ein großer Holzkorb, in welchen ca. 10 Kilo Holz hineinpassen. Ich sortiere das benötigte Holz in den Korb und trete den Rücktritt an.

Nun muss ich neben meinem massiven Körper auch noch das Holz in dem Holzkorb auf meinem Rücken irgendwie herausjonglieren und die Metallleiter herunter hieven. Kurz bleibe ich in der Luke verzagt hocken. Aber wer „A“ sagt, kann auch „Fuck you“ sagen.

Und siehe da, alles geht gut. Behend wie ein Eichhörnchen auf Valium kraxel ich mit dem riesigen Holzkorb auf dem Rücken die Leiter herunter. Schön ist das Ganze nicht. Den Landpomeranzenpreis gewinne ich so nicht.

Obwohl meine liebe Freundin Frau V. anmerkte, dass vielleicht das ganze im Sternenfängerkleidchen recht hübsch anzusehen wäre. Und ich mit Affenschaukeln im Haar. Allein im Haus. Währenddessen marodierende Oberlausitzer Jungburschen das Haus brunstig brüllend umzingeln.

Nein. So sieht es einfach nicht aus. Zurück zur Realität: Den weiteren Feuerexzessen steht nun nichts mehr im Weg.

Die Waschmaschine

Der Stolz befeuert meinen Tatendrang. Ja, was machen Landpomeranzen sonst noch so? Genau! Wäsche waschen.

Also kümmere ich mich um die Wäsche, denn ich weiß noch nicht, wann ich wieder in Berlin bin und die Sonne scheint so schön – bei -2 Grad -.

Die Waschmaschine ist ein gutes und nahezu prähistorisches Stück – lieber Papa, ich hoffe, du liest das jetzt nicht im Krankenhaus! – meine Mama hat sie noch gekauft. Die Waschmaschine hat nun schon gute 22 Jahre auf dem Rücken und ist eine verlässliche Bauknecht. Ab und zu murrte und knurrte sie, aber mein Papa, der Ingenieur hat sie immer wieder zum Laufen gebracht. Bis jetzt.

Bis die Landpomeranze das Waschhaus betritt… BÄM!

Drehe links, drehe rechts. Wasserhahn zu, Wasserhahn auf. Drücke Knöpfe.

Waschmaschine dreht – kein Wasser kommt. Drehe weiter Wasserhahn und drücke Knöpfe.

Waschmaschine dreht – kein Wasser kommt.

Drücke Wasserstop an aus – Knopf kommt nicht mehr raus.

Knopf kommt nie wieder raus!!!!

Panik.

Gucke Youtube-Kanäle mit Knopfthematiken. Keine Lösung außer Atomschlag, Handwerker oder neu kaufen.

Drei Stoßgebete nach oben. Dinge drehen sich wieder, Knopf geht nie wieder.

Kreisch!

Die heilige Waschmaschine.

Was mach ich denn jetzt???

Egal. Nach 22 Jahren ist Zeit für was Neues.

Ich suche nach einem Waschmaschinenlieferanten, der eine neue Waschmaschine anschließt und die alte Waschmaschine gleich entsorgt. Gesucht und gefunden! Ich werde bei Quelle fündig. Es wird wieder eine Bauknecht. Vielleicht fällt es ja gar nicht auf, dass ich die Waschmaschine ausgetauscht habe? Und angeblich wird die Maschine morgen geliefert – sagen sie.

An die Lieferung zu morgen glaube ich noch nicht so recht, aber hey, let´s give it a try.

Vogelhochzeit

Steffen hat sich immer kaputtgelacht, wenn ich ausnahmsweise ganz heimlich und nur für ihn in unseren vier Wänden mit meinem Oberlausitzer Dialekt losgepoltert habe. Ja, richtig gehört: losgepoltert. Der Oberlausitzer Dialekt klingt beim Aussprechen so, als würde ein voller Kohlenkasten die Treppe herunterfallen. Oder die Milchkanne mit Steinen drin. Aber da sind wir ja schon fast wieder in der Mongolei und dort direkt bei der Zubereitung einer Delikatesse mit Pferdeinnereien. Ich schweife ab.

Denn heute geht es um die Vogelhochzeit. Um Brauchtum also.

Brauchtum in der Oberlausitz

Meine Kindheit war geprägt von einer feinen Aneinandereihung von feisten Fressterminen.

Gerade eben war noch war Weihnachten, verbunden mit Kalendertürchenöffnen und Tonnen von verputzter Schokolade, dazwischen hatte Nikolaus am 06.12. die sauber geputzten Stiefel mit harten DDR-Lebkuchen gefüllt.

Alle drei Weihnachtsteller (meiner und die beiden Weihnachtsteller meiner Brüder) waren noch nicht ganz von mir heimlich leergefressen worden, lediglich die furchtbaren DDR-Orangengelee-Bonbons lagen überall auf allen drei Tellern immer noch gleichmäßig verteilt herum. Keine Sorge, das Orangengelee würde auch noch bis Ostern aushalten, mindestens. Kein normaler Mensch konnte das essen.

Und schon stand das nächste wichtige Fressdatum auf dem Plan:

Die Vogelhochzeit

Jedes Jahr am 25.01. wird Vogelhochzeit gefeiert. Im Kindergarten zogen wir lustige Vogelkostüme an … jaja, dafür bezahlt man jetzt Eintritt, kauft vorher noch ein „ö“ und geht in den Kitkat-Club. Noch. Aber eure schmutzigen Gedanken schweifen ab, denn die Vogelhochzeit im Kindergarten war zutiefst unschuldig und wir trällerten dazu im Chor „ein Vogel wollte Hochzeit feiern, in dem tiefen Wahaaldee… tirilalala tirilalala usw. usf.“.

Am Vorabend musste man einen leeren Teller auf das Fensterbrett stellen und oh Wunder! Am nächsten Tag war dieser gefüllt mit kleinen Zuckervögelchen, Baisernestern, Baiservögeln und Crémeringen.

Diese Leckereien hatten über Nacht die verrückten Hochzeitsvögel gebracht. Die Baiserdinge heißen bei uns Schmätzl oder Schmoizl. Wichtig ist, dass sie innen noch kaugummiartig und klebrig sind, nicht so furztrocken, wie das Industrie-Baiser. Meine Mama hat mich übrigens immer Schmoizl genannt… . Und Schmätzl steht natürlich für Schmatz. Und was heißt „baiser“ auf Deutsch? Kuss, richtig! Wieder was gelernt!

Und jetzt stehe ich beim Bäcker in Oppach und die Auslage ist voller Vogelhochzeits-Zuckerzeug. Alter! Ich dreh durch! Und gut, dass ich jetzt eine Woche lang hier in der alten Heimat bin, denn in den nächsten Tagen werde ich mich daran dumm und dämlich fressen und meinen körperlichen Expansionskurs hart verfolgen.

Hier die beiden besten Bäcker, die ich bisher in meiner Umgebung gefunden habe:

Oppach

Bäckerei-Konditorei Münch
August-Bebel-Straße 12
02736 Oppach

Ebersbach-Neugersdorf

Bäckerei Steffen Scholze
August-Bebel-Str. 17
02730 Ebersbach-Neugersdorf

Das ist übrigens der sagenhafte Bäcker, von dem Steffen und ich ständig schwärmten und von dem der Kuchen bei der Beerdigung war. Der Backgott der Mohnzöpfe und Milchbrötchen…

Fassnacht!

Das nächste Event steigt dann schon wieder im Februar, denn dann ist Fassnacht.

Zur Fassnacht geht man morgens als erstes zum Bäcker und kauft frische Pfannkuchen, die es in dieser riesigen Auswahl und der einzigartigen Fluffigkeit nur zur Fassnacht selbst gibt. Die Pfannkuchen – anderswo Berliner genannt – sind stehts mit Marmelade gefüllt, bis auf diesen einen, der mit Senf gefüllt ist. Gute Laune!

Im Idealfall ist man bereits am Morgen verkleidet und schlägt so beim Bäcker auf oder man verkleidet sich im Anschluss.

Verkleidungsgeschichten

Meine Verkleidungsevergreen: ich als Indianer, Indianer oder Indianer.

Jedoch dieses eine mal wollte ich mich zu Fasching als Prinzessin verkleiden. Nachdem ich mir selbst irgendetwas weißes, leichtes, fluffiges als Kleid angezogen habe, was leidlich prinzessinesk war, fragte ich meine Mama, ob sie einen Lippenstift für mich hat. Leider wurde ich von ihr abgewiesen: „Lippenstift habe ich nicht. Geh mal zu Omi.“ Omi hatte eine ähnliche Antwort für mich: „Lippenstift? Beiß Dir doch einfach auf die Lippen, dann werden sie von allein rot“. Dabei kniff sie mir in die Wangen, damit die wenigstens etwas Farbe bekamen. So konnte offensichtlich nie eine Lady aus mir werden…

Und einmal ging ich als Russenmädel mit so einem Ding auf dem Kopf, wie im russischen Märchen. Dem sogenannten Kokoschnik. Meine arme Oma, bei der ich gerade in den Winterferien war… Manchmal wüsste ich gern, was sie sich dabei wohl gedacht haben mag, wenn man bedenkt, dass sie 1945 das Haus voller russischer Soldaten hatte…

Dann kommen die Freunde und holen einen ab. Die Freunde sind natürlich auch alle wild verkleidet. Denn jetzt ging es erst richtig los: man ist dann von Tür zu Tür gezogen und hat überall an den Türen geklingelt. Wenn die Tür geöffnet wurde, musste man diesen Vers vortragen:

„Foaßnachtsnoarrrn wulln oa woas hoan, wulln a Streefl Kuche hoan, wulln a Strefl Speck, denn murne is die Foaßnacht weg“

Oberlausitzer Mundart

…Das lass ich mal jetzt so stehen. Wer möchte lösen?

Steffen lacht sich bestimmt gerade wieder auf der anderen Seite kaputt… Polternder Kohlekasten. Sag ich doch!

Wenn man Glück hatte, bekam man dann vom jeweiligen Türöffner eine kleine Süßigkeit oder gar ein Stück Westschokolade! Große Freude.

Es war nicht alles schlecht…

09.12.2018 – 7 Grad – Tag 152

Es ist Sonntagmorgen. Wir sind noch bei Steffens Eltern. Noch. Denn später geht es nach Ebersbach. Heute essen wir die guten schlesischen Bratwürste bei Papa zu unserer vorgezogenen Weihnacht.

Frühstück in Dresden

Nachdem wir den beiden gestern unsere Sorgen über die wohl erneute Krebserkrankung und unsere ungewisse Zukunft lang und breit erzählt und unsere Herzen ausgeschüttet haben, ist beim heutigen Frühstück Stillschweigen über die Thematik angesagt.

Aber das tut auch sehr gut, wir haben uns schon wieder viel zu sehr Gedanken über die Zukunft gemacht und wie es jetzt wohl weiter geht, so dass Dresdner Banalitäten aus einer Welt ohne Probleme gerade sehr heilsam sind.

Gleich nach dem Frühstück fängt die Mutti auch schon wieder mit der Vorbereitung des Mittagessen an.

Mir sind ja solche Tagesabläufe komplett rätselhaft: aufstehen, Frühstück machen, wegräumen, sauber machen, Mittagessen machen, wegräumen, saubermachen – wahlweise hier bitte noch ein Kaffee mit Kuchen integrieren – und dann das Abendbrot vorbereiten, essen, wegräumen, saubermachen. Tagesschau. Einen Film schauen, vielleicht ein Buch lesen. Aber maximal eine Stunde. Dann ins Bett.

Erstens ist es mir unverständlich, so oft am Tag zu essen und zweitens, und noch viel wichtiger: wo bleibt da die Zeit für einen selbst? Für Hobbies? Aber, jeder nach seiner Fasson.

Mittags gibt es Sauerbraten mit Rotkraut und Klößen, für Steffen ohne Fleisch. Heute Abend gibt es noch mal Fleisch, da möchte er nicht schon mittags seinen Fleischkredit verschießen.

Nach dem Mittag gehts zu meinem Papa, dazwischen noch kurz dem Neffen zum Geburtstag gratulieren und weiter.

Oberlausitzer Weihnachtsessen

Da dies unser letzter Abend in diesem Jahr mit Papa ist, wenn, ja wenn wir nach China fliegen dürfen, ziehen wir Weihnachten vor. Um ganz genau zu sein, das typische Oberlausitzer Weihnachtsessen.

Entgegen des allgemeinen deutschen Weihnachtsabendessens am Heiligabend, dem Kartoffelsalat mit Würstchen, gibt es bei uns in der Region wo ich herkomme:

Schlabberwürste mit Sauerkraut, gebratenen Zwiebeln und Salzkartoffeln

Schlesische Bratwürste mit Sauerkraut und Kartoffeln

Das ist natürlich nicht im entferntesten eine krebskonforme Ernährung, aber heute ist für uns Heiligabend und diese Würste gibt es nur zu einer bestimmten Zeit frisch beim Fleischer zu kaufen.

Die Würste sind schlesische Bratwürste, also rohe Bratwürste, daher auch der Name „Schlabberwürste“, welche zu Weihnachten anders gewürzt werden. Hier kann man sie sich nach Hause bestellen, wenn ich Euch Appetit gemacht habe.

Hochkonzentriert werden diese gebraten, keine darf aufplatzen:

Konzentrierter Bratvorgang der Schlabberwürste

Nach dem Essen reden wir mit meinem Papa auch noch weit in die Nacht hinein und laden unsere Sorgen ab.

16.11.2018 – 9 Grad – Tag 129

Es ist Freitag, Steffen geht heute morgen das vorerst letzte Mal in die Ambulanz zum Blut abnehmen nach dem Nierenversagen am 08.11. Nun sind auch die Blutwerte vom Montag da.

Die Nierenwerte vom Montag, also genauer die Kreatininwerte, sind schon bei 1,4 mg/dl , ideal wären Werte zwischen 0,7 mg/dl bis 1,3 mg/dl,  aber offensichtlich sind wir auf dem richtigen Weg. Am Tag der Einlieferung stand der Kreatininwert bei 4,8 mg/dl. Im Arztbrief steht über den Impact des 07.11.2018 „Nierenversagen“. Jedes Mal, wenn ich das lese, wird mir schlecht.

Als Steffen wieder zuhause ist, packen wir unseren Koffer. Heute ist auch der erste Tag seit fast 10 Tagen, an dem ich mich nach dem Schock der letzten Tage wieder fähig fühle, irgend etwas für die Arbeit zu tun. Die Buchhaltung werde ich jedoch leider auf nächste Woche verschieben müssen, da wir jetzt zu meinem Papa in die alte Heimat fahren. Nach 4 Stunden Autofahrt sind wir endlich da. Natürlich sind wir am Freitagnachmittag in den Berufsverkehr gekommen.

Wir freuen uns unbändig, wieder zuhause beim Papa zu sein. Im Vergleich zum letzten Besuch im September ist es sehr kalt geworden, 2 Grad, in der Nacht gibt es sogar Minusgrade.

Papa hat den Kachelofen angeheizt. Steffen schmiegt sich an den Ofen, seinem Lieblingsplatz. Papa und ich trinken nach der langen Fahrt ein Begrüßungsbier, Steffen macht sich einen Tee. Nach wie vor sind die 3-4 l Flüssigkeit für Steffen täglich ein Muss. Wir reden, Steffen wird von Papa nachträglich zum vermaledeiten 40. Geburtstag gratuliert.

Seit Juli, seit der fürchterlichen Diagnose, haben wir keine Schaschliks mehr gemacht. Das war immer unser Ding. Bei jedem Besuch bei Papa haben wir Schaschliks gemacht. Vor drei Jahren hatten meine Brüdern und wir extra Geld zusammengelegt, damit wir meinem Papa zum Geburtstag einen Schaschlikgrill von Thyros schenken konnten:

Wenn es irgend etwas gibt, was unsere Familie verbindet, ist das Schaschlik:

Schaschlik: Schwein, Zwiebel und Speck  werden abwechselnd aufgespießt und mit Liebe über Holzkohle geröstet 

Nun also, das erste Mal seit 4 Monaten werde ich wieder die Spieße bestücken. Ausnahmsweise natürlich. Es ist ja noch mitten in der Woche und Fleisch gibt es erst am Wochenende. Aber: Steffen hatte Geburtstag, deswegen darf Steffen auch mal am Freitag Fleisch essen. Dafür habe ich auch extra Duroc-Schwein gekauft, in der Hoffnung, es hat fast Bio-Qualität, bzw. das Schweinchen hatte wenigstens ein schönes Leben.

Steffen, dem immer noch so sehr fröstelt, steht am Kachelofen und unterhält sich mit Papa, ich bestücke die Spieße abwechselnd mit einem Stück Schweinefleisch,einer fein geschnittenen Scheibe gutem tschechischem Speck und weißen Zwiebeln. Dieser Speck ist so unglaublich lecker, er ist nur noch mit dem italienischen Lardo zu vergleichen. Er ist so fein gereift, dass er einem auf der Zunge zerfließt. Das Schweinefleisch habe ich vorher mit Pfeffer, Salz, Knoblauch, etwas Zitronenabrieb und Olivenöl mariniert.

Papa und ich gehen hinaus in die Kälte, heizen den Grill an und legen die Spieße auf. Steffen ist das zu kalt, er macht jetzt dafür die Indoor-Küchendinge: Tisch decken, einen Salat aus Radieschen und Spitzkohl und den Gasherd zum Warmhalten der Schaschliks vorheizen. Papa und ich stehen draußen im eisigen Ostwind und grillen die Schaschliks, trinken Bier und genießen die klare, kalte Winterluft. Am Himmel funkeln die Sterne. Und wir genießen, dass wir hier sein können, beim Papa sein können, dass es Steffen gut geht. Achtsamkeit. Demut.

Die Schaschliks sind wunderbar zart und lecker, da das Fleisch eine leichte Fettmaserung hatte. Das Holzkohlearoma in Verbindung mit dem Knoblauch und dem Hauch Zitrone ist perfekt. Der Krautsalat passt wunderbar. Dazu gibt es eine auf dem Grill geröstete Graubrotschnitte mit Butter und Salz. Es ist so lecker!

Wir reden zusammen über alles, was in den letzten Tagen passiert ist. Ein schöner, perfekter Abend. 

18.09.2018 – 30 Grad – Tag 70

Steffen weckt mich, natürlich habe ich schlecht geschlafen und Kopfschmerzen. Alkohol 1, Dana 0. Aber der Schmerz wird gleich von der Aufregung weggedrückt. Wir gehen zum Bäcker! Zum magischen Eberhardt-Bäcker. Das ist lustig. Da wo ich herkomme, in der Oberlausitz, wird jeder durch seinen Nachnamen definiert. Also zum Beispiel: die Neumann-Ilse, der Schiefelbein-Erich, der Eberhardt-Bäcker.

Der Eberhardt-Bäcker heißt natürlich nicht mehr so. Es gab einen Besitzerwechsel, aber glücklicherweise auch einen Wechsel des Backrezeptebuches auf den neuen Besitzer. Und deswegen ist das DER Bäcker, der die besten Backwaren und Bauernkuchen macht.

Wir öffnen die Ladentür, dieser wunderbare Duft gebackener Semmeln und Brote und Mohnhörnchen schlägt uns entgegen. Wir verfallen in Kaufrausch. Und Steffen bekommt ausnahmsweise ein Stück Mohnkuchen „en Streefl Mohnkuche“. Ausnahmsweise, weil Zucker. Der Beutel ist schnell voll. Für gnadenlose 9,00 EUR. Beutel mitzunehmen ist übrigens Pflicht. Wenn man keinen Beutel hat, wird man gleich als Auswärtiger erkannt. Aber natürlich auch ohne Beutel. Und das ist die Ausbeute:

Milchsemmeln, Mohnhörnchen und Mischbrot

Wir frühstücken. Diese Semmeln sind so gut, man braucht dazu lediglich Butter und Salz. Alles andere verfälscht den Geschmack. Wir drehen völlig durch. Steffen isst auch gleich noch den Mohnkuchen und verfällt in Schwärmereien. Großes tiefes Glück.

Aber alles hat wie immer irgendwann ein Ende, wir müssen los. Ich muss in drei Stunden in Berlin sein, da ich mittags wieder meinen Pilates-Termin habe. Natürlich wird es wieder fürchterlich knapp, dank der Staus im Berufsverkehr.

Da ich natürlich während des rasanten Starts am Samstag nach dem Marathon-Wahnsinn meinen Turnbeutel vergessen habe, müssen wir kurz zuhause stoppen.

Ich öffne die Tür, es riecht komisch. Mal wieder. Nach Wasserschaden. Ok, wir öffnen vorsichtig die Türen, muss man ja machen, man muss ja wissen, was los ist. Aber eigentlich wollen wir es nicht wissen, weil, was man nicht sieht, ist ja nicht da. Und dann das:

Es plätschert richtig. Es tropft in der Küche von der Decke. Die Decke im Bad und im Schlafzimmer ist auch nass. Egal, ich muss zum Sport. Atemlos werfe ich Steffen ein paar Befehle hin, was nun zu tun ist. Hausmeister anrufen und so weiter. Ich fahre zum Sport. Mir ist auch das irgendwie egal. Regelt ja am Ende die Hausverwaltung und ich muss mich nicht wirklich darum kümmern und kostet mich auch kein Geld.

War wohl eine Woche lang zu ruhig, oder?

Das gute an richtig beschissenen Lebenserfahrungen, wie zum Beispiel Steffens Krebserkrankung, ist die Scheißegal-Haltung, mit der man am Ende durch das Leben fährt. Soviel kann man gar nicht kiffen, das einem das Leben und alles drumherum so egal wird. Bei Sätzen, die mit „Stell Dir mal vor, wenn … “ anfangen, fange ich schon regelmäßig an leicht hysterisch zu lachen. Ich brauch mir nichts vorstellen, das kommt von ganz alleine, dieser Dauerdrop aus dem Füllhorn aus Scheiße. Was irgendein verschissener Gott über mir offensichtlich für immer geparkt und vergessen hat. Wie die Dame ihr Auto weiland im Parkhaus 10 Jahre lang vergessen hat. Irgendwo im Westen.

Steffen der Gute regelt derweil alles mit dem Hausmeister. In meiner Küche steht das Wasser. Der Nachbar unter mir ist auch schon da und klingelt. Er hat durch unseren nassen Küchenboden auch einen Fleck an der Decke.

Der feine Herr über mir, der der die übel stinkenden Billigzigaretten den ganzen Tag quarzt und hustet, als hätte er eine alte Dampflok gefressen, ist völlig zugedröhnt im Wohnzimmer, also 5 m vom Epizentrum entfernt, eingepennt, während seine Spüle mit dem dreckigen Abwasch überlief. Und lief und lief. Der Hausmeister im Verbund mit meinem Nachbar unter mir hat ihn dann geweckt. Steffen hat das Wasser in der Küche bei mir dann aufgewischt, damit es nicht weiter nach unten tropft. Wasserhähne wurden gestoppt, die Wasserflut beendet. Steffen ist danach zu sich nach Hause gefahren.

Als ich dann nach dem Sport wieder nach hause komme, freue ich mich auf ein süßes Teilchen vom Bäcker, welches ich mir von heute früh gesichert habe und einen schönen Kaffee. Ich koche meinen Kaffee und gieße die Milch hinein.

Die Milch ist sauer. Fick Dich, Schicksal!

Hiermit kapituliere ich vor diesem Tag und gehe um 19:00 Uhr ins Bett. Mit sperrangelweit geöffneten Fenster. Damit die feuchte Schlafzimmerdecke trocknen kann.

17.09.2018 – 26 Grad – Tag 69

Halb Acht springen wir aus dem Bett und laufen zum Bäcker. In meinem Heimatort gibt es den besten Bäcker, den ich kenne. Da dieser Bäcker aber heute am Montag Ruhetag hat, müssen wir zum Alternativbäcker, der ist nicht ganz so toll, aber immer noch besser, als jeder Bäcker in Berlin.

Dann hurtig mit den Backwaren nach Hause, frühstücken, da wir heute mit der Bimmelbahn fahren!!!! Diese Idee wurde gestern Abend spontan geboren, die Zugabfahrtszeiten dank neuer Medien gecheckt und der Plan festgezurrt.

Als wir nun zum Zug laufen, ruft mich die Arzthelferin meiner Allgemeinärztin an, die Blutwerte sind da. Sie meint, bis jetzt habe ich nur Vitamin D Mangel, alles andere erfahre ich dann im Termin nächste Woche. Ich mache mich kurz verrückt aber anders herum betrachtet, solange ich den Termin nicht habe, habe ich auch nichts, weil ich ja nichts weiß. Und Steffen sagt den beruhigenden Satz, „wenn es etwas schlimmes wäre, würden die es Dir direkt sagen“. Das hat er jetzt gelernt. zwangsweise.

Zurück zu diesem wunderbaren sonnigen Herbsttag. Also: 10:15 Uhr geht der Zug nach Zittau. Der ehemals mondäne Bahnhof steht mittlerweile leer, man kann nicht mehr in das Gebäude.

Auf der Warteplattform wurde ein kleiner Wartepunkt für die nun kommende Mini-Bahn eingerichtet. Nach 20 Minuten sind wir auch schon in Zittau. Faszinierend. Früher brauchte man irgendwie für die Strecke ewig. Aber da war ich auch 15 Jahre alt und da war das Zeitgefühl wohl noch ein anderes.

Und in Zittau angekommen geht es zur Bimmelbahn. Wir fahren nach Oybin. Die Bimmelbahn ist eine alte Dampflok mit wunderbaren alten Personenwagen mit Austritt vorn und hinten. Wo man theoretisch sogar draußen stehen kann. Auf den Tischen stehen Blumenvasen. Alles ist aus Holz. Und ganz neu gibt es auch einen Cabrio-Anhänger, ohne Verdeck.

Nun, wir stehen in der Schlange und warten, um uns die Fahrkarten zu kaufen. In dem Moment raunt mir Steffen zu, als er sieht, dass der Herr vor uns 44 Tickets kauft, „Dana, reserviere uns Plätze auf dem Cabriowagen!!!“ im selben Moment drückt mir mein Vater drei Karten in die Hand, irgendwie aus Reflex. Ich renne mit den Karten in der Hand, ich denke nur, dass es Flyer sind, aus dem Kartenhäuschen und sprinte zum Zug und reserviere die letzte freie Vierergruppe für uns. Ah, die Vorteile als Stadtmensch… da schaltet man manchmal etwas schneller.

Irgendwann kommen dann auch Papa und Steffen dazu, wir sind happy über die Plätze und wir stellen fest, dass ich soeben drei Postkarten geklaut habe. Das fängt ja super an. Danke Papa!

Und dann geht die gemächliche Fahrt dampfend ins Zittauer Gebirge los. Es ist so wunderbar unglaublich schön.

Dann gehen wir auf den Oybin, Papa erzählt Geschichten aus meiner und seiner Kindheit.

Der Oybin ist ein altes Kloster, welches nach einem Blitzschlag ausgebrannt ist. Das Kloster steht auf einem Sandsteinfelsen und ist wahnsinnig malerisch. Caspar David Friedrich hat hier viele seiner Motive her.

Auf dem Oybin essen wir Mittag und sitzen und gucken. Ein Traum. Und es gibt Himbeerlimo. Wie früher!

Am Ende verbringen wir 4 Stunden hier oben und gucken und staunen. Das ist alles so wunderschön.

Dann gehen wir wieder runter ins Tal.

Die Bimmelbahn kommt in ca. 10 Minuten, ich kaufe uns allen noch ein Eis.

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Wir fahren wieder mit der Bimmelbahn zurück nach Hause und sind um 18:00 Uhr da.

Steffen und ich machen meinem Papa mexikanische Tortillas.

Nach dem Abendessen trinken Papa und ich einen Wodka auf Mama. Heute ist ein ganz besonderer Tag. Heute vor 20 Jahren hatte meine Mama genau an diesem Tag, um diese Zeit, einen Hirnschlag. Danach änderte sich das Leben unserer ganzen Familie für immer. Im Grunde genommen wurde das Familiengeflecht zerschlagen, da die Mama, die alles zusammengehalten hat, weggefallen ist und meine Brüder ob der Sache ohnmächtig wurden, darüber zu reden und in verschiedenen Formen flüchteten.

Ich rede das erste Mal mit meinem Papa richtig über diesen alles verändernden Abend im September. Wie das genau war. Wie er sich gefühlt hat. Bisher haben wir immer nur über das danach, die furchtbaren langen 13 Jahre der Pflege, den Kampf mit den Krankenkassen und Krankenschwestern geredet und waren auch selbst dabei.

Aber über den eigentlichen Abend des Impacts reden, das gab es noch nie. Die Hilflosigkeit, den Krankenwagen, die Ängste. Das tut gut, wir weinen zusammen.

16.09.2018 – 26 Grad – Tag 68

Nach der gestrigen Familienfeier schlafen wir bei Steffens Eltern in dem kleinen Puppenhäuschen. Puppenhäuschen, weil es ein Reihenendhäuschen ist und alles ist schmal und eng und das ganze Haus besteht nur aus Treppen.  Es ist wahrscheinlich das letzte Mal, also die letzte Nacht für uns in diesem Häuschen. Das Häuschen wurde verkauft und geht im November auf den neuen Käufer über. Die vielen Treppen sind im Alter nicht wirklich gut für Steffens Eltern.

Da Steffens Mama das ganze Haus ausmistet, da ja bekanntermaßen das Raumvolumen eines Hauses gewöhnlich nicht in eine Wohnung passt, bittet sie Steffen, durch alte Fotos und Dinge zu wühlen. Vielleicht kann er etwas brauchen, bevor es weggeworfen wird. Zusammengefaltet hocken wir nun zu dritt auf dem super engen Dachboden und durchwühlen alles Relevante. Das ist so spannend, durch Familiengeschichte zu wühlen, schnell geht so der Vormittag vorbei. Am Ende haben wir eine Tüte voll mit Bildern von Omi und schöne alte Vasen gesichert.

Mittags geht es zum Probeessen für die Familienfeier im Januar.  Unser Rat als Caterer ist nun gefragt. Steffen isst ausnahmsweise Ochsenbäckchen, ich vegetarische Knödel mit Rahmchampignons. Die vegetarischen Alternativen in klassischen Gaststätten sind nicht so prall, aber es geht ja nicht um unsere Feier, sondern die der Mama. Da das Essen handwerklich gut war, raten wir die Schwiegereltern dazu, dort die Feier auszurichten.

Nach dem Essen fahren wir noch weitere 80 km gen Osten zu meinem Papa. Das erste mal für Steffen ohne Kopfschmerzen. Steffen genießt so sehr diesen veränderten Moment. Das letzte mal waren wir vor dem Start der Chemotherapie im August da, vor einem Monat. Da hat Steffen noch doppelt gesehen und hatte täglich 24 Stunden lang Kopfschmerzen.

Papa hat Würste vom Fleischer besorgt, die haben wir uns der Einfachheit halber gewünscht, außerdem gibt es dort, wo ich herkomme eine besondere Wurstfülle. Ich meine nicht die Auswahl an Würsten, sondern die Füllung der Würste.

Schlesische Bratwürste

Die Bratwürste heißen schlesische Bratwürste und sind leicht mit Zitrone und Muskat abgewürzt. Diese gibt es wirklich nur in der Oberlausitz. Und heißen eigentlich „Schlabberwürste“, weil sie roh und ungebrüht, also „schlabberig“ sind. Am klassischsten sind sie bei uns eigentlich als Weihnachtsessen. Die Würste gibt es gebraten, dazu Sauerkraut, gebratene „geschmurgelte“ Zwiebeln und Kartoffeln. Und das Ganze dann zu Heiligabend, am 24.12., aber wir grillen sie heute einfach.

Weil wir bei meinem Papa sind, trinke ich ausnahmsweise auch ein Bier mit Papa.

05.08.2018 – 26 Grad – Tag 26

Es ist ein wunderbarer Morgen, endlich ist es etwas kühler. Nach dem anstrengenden Tag habe ich Hunger wie ein Wolf. Steffen hat leider jetzt auch schon morgens Kopfschmerzen. Er nimmt sich präventiv eine Kopfschmerztablette und dann machen wir uns ein ordentliches Frühstück mit Smoothies, Vollkornstullen und Käse und Rührei mit frischem Schnittlauch. Danach packen wir das Köfferchen, denn es geht in die Heimat. Wir wollen noch einmal die Eltern besuchen, bevor die Chemotherapie am 08.08. anfängt. Da wir ja nicht wissen, was uns dabei erwartet, ist es für die nächste Zeit vielleicht das letzte Mal, dass wir nach Hause fahren.

Landpartie

Da wir schon so zeitig munter sind, lassen wir uns bei der 300 km langen Fahrt diesmal etwas Zeit und fahren über Land und Städte. Aber Steffen hat jetzt immer öfter die Probleme mit dem Fokussieren. Das Nasopharynxkarzinom drückt auf die ganzen Nerven im Kopf. Die lange Fahrt strengt ihn an, er hält sich ein Auge zu oder klemmt sich ein Taschentuch vor ein Auge hinter die Sonnenbrille, dann geht es irgendwie. Also beeile ich mich doch auf die letzten Meter und wir sind schon verdammt zeitig in Ebersbach, es ist 14:00 Uhr. Wir laden das Auto aus und kein Papa kommt wie sonst vor die Tür gesprungen. Komisch. Die Tür ist zugeschlossen, hinter dem Haus ist auch niemand. Na gut, wir sind echt zeitig, wahrscheinlich ist Papa zu Mama auf den Friedhof gegangen. Also setzten wir uns auf die Treppenstufen vor dem Haus, was endlich wieder geht, da die fürchterliche Holzrampe, die für den Rollstuhl meiner Mama gebaut wurde und seit 9 Jahren nur als Memento Morbus vor sich hin existierte, endlich weggerissen wurde. Endlich kann man wieder auf den Treppen sitzen und den wunderbaren Ausblick genießen.

Auf einmal links ein Geräusch, mein Papa an der Wasserpumpe. Wie schön.  Er war im Hinterhaus, deswegen hatte ich ihn vorhin nicht gesehen. Große Freude, wir drücken uns alle und heulen. Der Gedanke, dass die Chemotherapie alles endlich macht, schwirrt noch über uns.

Gruseliges

Während wir so da stehen und reden, kommt ein Nachbar vorbei, gezogen von seinem Riesenhund. Während der Hund weiterzerrt, ruft er: „Woas ieeßn mit deinem Nubbor los?“ – auf deutsch „was ist mit deinem Nachbar los“. Keine Ahnung, wir gucken uns an und erfahren die neuesten Neuigkeiten. Der verschrobene Nachbar, der sich vor Jahren schon aus der Gesellschaft ausgeschlossen und sich von Strom, Wasser und Gas abgenabelt hatte, ist tot. Das ist nur aufgefallen, weil die Hecke vom Ordnungsamt gestutzt werden musste, diese Rechnung musste dem Nachbar nun zugestellt werden und dann öffnete keiner die Tür. Notöffnung und dann lag da nur noch eine mumifizierte Leiche. Wohl schon seit 6 Wochen. Whoa! Scary! Also wir vor vier Wochen schon mal da waren, hatte ich noch eine weiße Gestalt nachts auf dem Grundstück gesehen, vielleicht war es der Geist?

Nun, etwas bedrückt gehen wir ins Haus, machen Kaffee und essen Kuchen.

Später am Abends gibt es die feinen Cevapcici von Steffen vom Grill und wir trinken ein paar leckere böhmische Biere mit Papa. Steffen geht wegen seiner Kopfschmerzen eher ins Bett. Dauerkopfschmerzen schlauchen fürchterlich.

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Papa und ich genießen noch die Dämmerung weiter.