Toskana und Livorno

Ein letzter Morgen in dieser wunderbaren Villa in Florenz bevor es weiter durch die Toskana nach Livorno geht.

Frühstück

Der Frühstücksraum ist voller Spanier. Das ist nicht weiter schlimm, kommt aber unerwartet.

Küchentischphilosophie

Während dieser Reise lerne ich den Zauber des ersten Moments sehr zu schätzen. Denn eine traumhafte Situation ist beim ersten Mal immer perfekt und lässt sich niemals steigern. Wiederholungen werden einfach meistens schlechte Kopien. Und so ist mein Nomadentum zwangsweise eine Aneinanderreihung von perfekten Momenten.

Wie man hier am Beispiel der Frühstückssituation sehen kann: gestern hatte ich den Raum allein mit mir, bekam die herzliche Begrüßung des indischen Gastes, den ich dann kurz näher kennenlernen durfte, mit und bin mit einem glücklichen Lächeln wieder zurück ins Zimmer.

Dieser Moment lässt sich nicht wiederholen. Heute ist es ein ganz normales Frühstück mit vielen Menschen im Raum.

Mit Steffen habe ich versucht, den perfekten Moment immer wieder zu erzwingen: es wurde mehrere Jahre hintereinander nach Teneriffa gefahren, dann nach Sardinien oder in ein ganz bestimmtes Hotel an der Müritz. Aber nie war es so besonders, so traumhaft, wie beim ersten Mal.

Diese Lektionen habe ich jetzt gelernt:

  1. Genieße das Jetzt im Moment. Wenn eine Stelle oder ein Ort schön ist, halte sofort an und steige aus oder esse hier. Nicht, wenn Du irgendwann nochmal hier vorbeikommen solltest. Später mal, mit irgendjemand. Nein, einfach jetzt machen!
  2. Erzwinge nichts, wenn es nicht funktioniert, ist es nicht für Dich. Ein Ort, der Dich abstößt, ist kein guter Ort für Dich.
  3. Wenn etwas zu Ende sein soll, soll es zu Ende sein.

Das macht alles etwas einfacher. Einfach auf den Bauch und die Intuition hören.

Vorteile des Alleinseins

Und das ist wiederum der Vorteil beim Alleinsein: man hat keine Verantwortung mehr irgendjemand gegenüber und man muss auch keine Kompromisse aufgrund einer Zweitmeinung finden. Und ja, ich lerne noch, und nein, ich bin da nicht perfekt. Aber hier, bei dieser Reise, komme ich dem Vertrauen in mich etwas näher.

Der Abschied

Irgendwann habe ich wieder meinen Koffer gepackt und muss diesen herzlichen Ort verlassen. Meinen tonnenschweren Koffer hievt der Sohn des Hauses ins Erdgeschoss. Ich verabschiede mich von meinem Gastgeber, wir drücken uns und ja, vielleicht sieht man sich ja doch wieder, trotz des oben Gesagten.

Und für Euch: ich kann diese Unterkunft wärmstens empfehlen. Für einen absolut annehmbaren Preis bekommt man eine wunderschöne und liebevoll eingerichtete Unterkunft, super herzliche Gastgeber und fast einen kurzzeitigen Familienersatz. Besser geht es kaum.

Als ich schon fast losfahren will, kommt der Hausherr zu mir gerannt und bringt mir mein Handyladekabel, welches ich im Zimmer vergessen habe. Was für ein Glück und wie aufmerksam!

Blick über Florenz

Zum Abschied fahre ich zu einer Kirche mit einem riesigen Friedhof in der Nähe. Von dort aus hat man einen atemberaubenden Blick über Florenz.

Mein Hausherr sagte zu mir, immer wenn er hier hin geht, erfüllt ihn dieser Anblick mit Stolz und Demut, ein Florentiner zu sein. Ich kann ihn gut verstehen.

Durch die Toskana

Bis zu meiner nächsten Unterkunft bei Livorno habe ich noch vier Stunden Zeit, aber nur 94 km Fahrstrecke. Also beschließe ich, etwas durch die Toskana zu mäandern. Ich genieße die Fahrt, die Landschaft ist atemberaubend und wunderschön. Man kann gar nicht so oft anhalten, wie man möchte.

Für Außenstehende wiederholen sich die Bilder bestimmt, aber ich bin fasziniert. Um die Zeit noch weiter zu dehnen, habe ich mir noch einen weiteren Zwischenstopp bis Livorno herausgepickt:

San Gimignano

Denn ich hatte im Internet gelesen, dass diese Stadt in der Toskana berühmt dafür ist, noch so viele gut erhaltene Geschlechtertürme zu haben. Reiche Patrizierfamilien fanden sich im Wettstreit, wer den Größeren hat. Immer dasselbe. Und nebenbei boten diese Türme bei Angriffen Schutz. Die gesamte Familie flüchtete sich in die Türme und konnte diese verriegeln und nach unten abschotten und so jede Etage einzeln verteidigen.        

Umso näher ich der Stadt komme, umso mehr Autos wälzen sich in diese Richtung. Und Busse, viele Busse.

Und das erste Mal seit den Dolomiten sehe ich wieder deutsche Nummernschilder. Oh, oh, das verheißt nichts Gutes, diese Ortschaft im Herzen der Toskana scheint beliebt zu sein.

Und ja, so ist es. Die Stadt quillt über vor Menschen, alle Parkplätze sind voll. Die sich im Kreisverkehr drehenden Autofahrer sind genervt.

Nein. Nein, das gebe ich mir nicht. Deswegen gibt es nur ein Foto aus der Ferne für Euch.

San Gimignano

Ich fahre weiter durch die wunderschöne Toskana und lasse jetzt einfach Google entscheiden. Ich klicke immer die jeweilige Route an, die länger dauert und ich bekomme Hunger.

In einer Kurve sehe ich einen riesigen Parkplatz und ein unglaublich schönes Restaurant. Ich drehe sofort um und parke dort und suche mir einen Platz aus.

Osteria del Castagno

Die Kellner sind super aufmerksam und der eine hat unglaublich schöne blaue Augen. Tststs, diese Italiener.

Die Speisekarte ist etwas teurer, aber ich entscheide mich einfach für ein preiwertes Pastagericht und ein Wasser. Nach und nach füllt sich das Restaurant und der Garten und Gäste werden weggeschickt. Da habe ich wiedermal richtig Glück gehabt, freu mir einen Keks und sitze mitten in der Toskana.

Meine Tagliatelle mit Steinpilzen kommen und sind auch sehr lecker.

Zufrieden bestelle ich mir noch zum Abschied ein Cappuccino und bezahle. Beim Verlassen des Restaurants drückt mir noch mal der hübsche Kellner die Hand, schaut mir ganz tief in die Augen und sagt, „Arrivederci, Signora“. Hach. Das tut schon ein bisschen gut.

Zurück im Auto mach ich das Radio an und es läuft „Felicità“ von Albano & Romina Power. Das ist zu viel. Ich muss kurz hysterisch aufschluchzen. Das hat der Steffen aber alles sehr schön eingebrockt.

Also heule ich einfach die nächsten Kilometer ein bisschen herum, weil alles so unfassbar schön hier in der Toskana ist. Die Weite, die Natur, die Häuser, die Bauernhöfe, die Weite, die frisch umgegrabenen Felder, die Wolken, der Himmel, die Natur, die Berge.

Toskana

Und irgendwann dann komme ich pünktlich 15:00 Uhr in meiner heutigen Unterkunft bei Livorno an.

B&B Villa Panicucci

Mir haut es fast die Beine weg, wie schön das jetzt hier auch noch ist. Die Inhaberfamilie wohnt hier auch in einem Teil des Hauses, hat jedoch ein paar Zimmer und diese beiden „Wohnbungalows“ vermietet. Man sitzt hier mit einem großartigen Blick auf das Meer und den Hafen von Livorno.

Ok, bei dem Ausblick brauche ich Wein, das ist fakt.

Nach dem Einchecken fahre ich noch mal kurz nach Livorno, da der Riesensupermarkt hier trotz Sonntag geöffnet hat.

Das liebe ich an allen anderen Ländern, dass sonntags die Supermärkte geöffnet haben. Und das, obwohl es ein katholisch regiertes Land ist.

Ich decke mich für mein Abendbrot auf der Terrasse ein: Salat, Schinken, Bresaola, Brot, marinierter Thunfisch, Oliven und zwei Flaschen Wein, alles für heute und morgen.

Und Mückenspray. Ich sehe schon wieder aus! Wahrscheinlich habe ich schon längst Malaria, haha. Meine Beine sind voller roter Punkte von den Mückeneinschlägen. Die Leute gucken schon immer so komisch an der Kasse.

Ich lerne es nie: Italien ist Mückenland. Und man vergisst es immer wieder…

Also raste ich mich mit meinem Rotwein und den essenwerten Schätzen auf meiner Terrasse ein und grinse debil. Also besser geht gerade gar nicht. Der Haushund kommt auch.

Hundi kriegt aber nichts

Irgendwann später, es wird schon etwas dunkel kommt der Hausherr mit einem Pärchen aus Deutschland um die 50, welches meine Nachbarn für diese Nacht werden. Sie sind den ganzen Tag von Würzburg bis hierher gefahren und sind entsprechend müde. Sie fahren gleich etwas essen und lassen mich wieder allein.

Das alles kommt etwas überraschend, ist aber nicht weiter schlimm, weil wir uns sofort verstehen.

Als sie nach dem Essen wiederkommen, teile ich mit ihnen noch meinen Weißwein, denn es ist gerade etwas wärmer draußen geworden und der Weißwein ist schön kühl und fruchtig. Scheinbar steigt die warme Luft vom Meer auf, dieses hat wohl eine Wassertemperatur von 23 Grad. Eine wunderbare laue Mittelmeernacht.

Nächster Morgen

Die beiden haben 7:30 Uhr schon ihr Zimmer verlassen, denn sie müssen um 8:00 Uhr bei der Fähre sein, die 10:00 Uhr Richtung Olbia ablegt. Sie haben dasselbe vor wie ich morgen. Und glücklicherweise haben wir uns unterhalten, sonst wüsste ich nicht, dass man

  • 2 h vor der Abfahrt da sein sollte
  • Die Stadt ab 8:00 Uhr für den Autoverkehr geschlossen ist
  • Man auf der Fähre während der Überfahrt nicht mehr ins Auto kommt, man muss alles mitnehmen, was man in den nächsten 8 h brauchen wird.

Extrem wichtige Informationen!

Als sie dann weg sind, mache ich mir mein Frühstück selbst. In meinem Zimmer sind Kaffeemaschine und alle Dinge für ein italienisches Frühstück, ich kann hier machen, was ich will. Also entschließe ich mich, heute einfach mal faul zu sein. Es gibt nur eine Sache, die ich noch sehen möchte:

Der weiße Strand von Rosignano

Dieser Strand ist surreal weiß, selbst das Wasser scheint milchig weiß. Seit über 100 Jahren wird hier von der naheliegenden Natron-Fabrik das Abwasser – angeblich ohne Chemikalien – ins Wasser geleitet. Andere Berichte schreiben aber von 2,6 t Arsen und anderen Schwermetallen, die hier pro Jahr ins Meer geleitet werden.

Die Fabrik

Angeblich sind auch die Krebssterberaten in den umliegenden Ortschaften erhöht. Nichtdestotrotz ist dies ein öffentlicher Badestrand und baden ist wohl ohne weiteres möglich. Ich lasse es lieber, denn man sollte ja nicht den Teufel am Bart zupfen. Und irgendwie ist die Energie hier schlecht, ich fühle mich nicht wohl.

In der Ferne turnt ein nackter kohlrabenschwarzer Mann. Das ist ein leicht verstörender Anblick, bei all dem weiß. Und warum ist er nackt?

Auf dem Parkplatz neben mir parkt gerade ein Audi aus Frankfurt. Eine Familie steigt aus, sie wollen auch den weißen Strand sehen. Wir unterhalten uns kurz.

Das reicht für heute für mich, ich fahre zurück in meine Unterkunft, kaufe unterwegs noch Salat und Wein und ein Brot, denn ich werde heute hauptamtlich faul sein.

Morgen bin ich den ganzen Tag auf der Fähre von Livorno nach Olbia, ich weiß noch nicht, wann ich dazu komme, den nächsten Blogeintrag zu schreiben, da ich erst einmal die Internetsituation auf der Insel auschecken muss.

Bleibt gespannt!

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