Wenn man als Witwe nach 17 Jahren in einer fantastischen Beziehung wieder auf den Markt geschubst wird, ist das Thema toxische Männlichkeit ein großes Problem, mit dem man plötzlich konfrontiert wird.

Die schwarze Witwe

Dein Leben ist gerade mit Karacho gegen die Wand gefahren. Nur du hast das ganze leider überlebt. Allein. Du steigst komplett desolat aus dem zerstörten Cateringwagen aus und stolperst ganz langsam zurück auf den Heiratsmarkt, ohne jedoch genau zu wissen warum.

Fast ein halbes Leben lang warst du in einer fantastischen und gleichberechtigten Beziehung und unendlich dankbar, dich nicht mit dem Elend da draußen beschäftigen zu müssen. Man bekommt die strauchelnden Geschichten der Freunde mit und schaut sich als Paar in die Augen und ist so froh, dass einen das nicht betrifft.

Und hier stehst du jetzt. Mit versengten Haaren, ausgelaugt von den letzten Jahren, komplett im Arsch, seelisch und körperlich und musst Dich wieder angaffen lassen. Du bist wieder auf dem Markt.

Mit dem Crash wurde auch das Selbstbewußtsein zerstört, meine gedachte Realität kurz nach dem Crash sah so aus:

  • niemand kann mich je so lieben wie Steffen
  • ich bin so irre, das kann nur ein Mensch wie Steffen auffangen
  • meine ganze Person ist so masseninkompatibel, ich werde nie wieder jemand finden

In diesem kritischen Moment der Unsicherheit kommen da Männer. Einerseits ist man verwundert, dass überhaupt jemand mit einem reden will, obwohl man doch so komisch ist. Im nächsten Moment wird man auch gleich direkt mit der toxischen Männlichkeit konfrontiert.

Was ist toxische Männlichkeit?

Was ist diese toxische Männlichkeit, von der immer öfter Menschen reden? Wikipedia sagt dazu:

 Zu diesem (als toxisch verstandenen) Bild von Maskulinität zählen u. a.:

  • Männer dürfen keine Schwäche zeigen, sondern müssen hart sein.
  • Gefühle sollten weitestgehend versteckt oder unterdrückt werden, es sei denn, es handelt sich um Wut oder Aggression. Konflikte werden durch Gewalt gelöst.
  • Ein wahrer Mann artikuliert seine Ängste und Sorgen nicht, sondern behält sie für sich.
  • Männer sind nicht überfordert oder hilflos; sie packen Probleme an und bewältigen sie, ohne andere um Hilfe bitten zu müssen.
  • Verhaltensformen, die als verweichlicht oder weibisch gelten (Weinen, Schüchternheit, Angst, liebevolle oder zärtliche Gesten etc.), gehören sich nicht für einen richtigen Mann.
  • Männer sind im Umgang mit anderen grundsätzlich auf Wettbewerb und Dominanz ausgerichtet, nicht auf Kooperation.
  • Ein echter Mann will immer Sex und ist auch immer dazu bereit.
  • Männer und Frauen sind grundsätzlich nicht in der Lage, einander zu verstehen oder miteinander befreundet zu sein.
  • Männer, deren Körper nicht dem maskulinen Idealbild entsprechen (breitschultrig, muskulös, hochgewachsen, schmerzresistent), werden nicht ernst genommen oder verlacht.

Solch eine Erziehung durch die Eltern oder andere Verwandte, diese Prägung von außen in der Pubertät führt dazu, dass ein Großteil der Männer absolut identisch denken und funktionieren. Frei nach dem Motto, kennste einen, kennste alle. Mich widern diese Männer nur noch an und langweilen mich unheimlich.

Nach meinem wahrlich gepamperten Leben mit Steffen und unserem so besonderem Freundeskreis mit den diversesten Menschen werde ich jetzt wieder mit der hässlichen Realität konfrontiert. Besonders hier in der Reha wo die Gaußsche Glocke mit dem menschlichen Durchschnitt eine dicke Wölbung macht.

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Reha

Diese Realität hier in der Reha ist hässlich:

Die Männer die ich hier kennenlerne, und das sind noch die intelligenteren, mit denen ich rede, ticken immer gleich:

Die Hobbies, die Bedürfnisse, die Ziele, die Konfliktbewältigungsstrategien sind immer die gleichen. Ich kann mittlerweile schon die Sätze, die da kommen werden, vorab im Geiste vervollständigen. Ich weiß genau, was sie wollen und wofür sie stehen:

Haus, Kinder, treue liebe Ehefrau, Urlaube mit dem Wohnwagen in Skandinavien und den Alpen (aber nur dort, wo sie deutsch reden), aktives Dorfleben mit Vereinsgedöns.

Immer. das. selbe! Das kleine deutsche Glück.

Natürlich sind diejenigen, die nach Norwegen fahren wollen, nicht pauschal toxisch.

Aber ihr Leserlein seid schlau, ihr versteht das Prinzip. Und alles was ich zum Thema Wohnwagen zu sagen habe, steht hier drin.

Sätze der toxischen Männlichkeit

In solchen Aussagen kommt toxische Männlichkeit daher:

Heulst du immer noch wegen dem?

Jammer nicht so rum!

Du findest schnell wieder einen neuen.

Du kannst doch immer noch Kinder kriegen.

Hör auf über den Scheiß (Steffen) zu reden.

Was ist das für ein hässliches Auto/Fahrrad/Schuhe.

(Du erzählst irgendwas von dir) – es wird gar nicht erst zugehört, direkt abgewunken und als Scheiß abgetan und der nächste Satz beginnt mit: „Du musst…“

Berlin ist nichts für dich, du gehörst nach Sachsen.

Du brauchst einen richtigen Mann.

Ich kann dich versorgen.

Ich baue hier ein Haus und bräuchte jemanden wie dich.

Du kannst doch nicht dein Leben lang alleine bleiben.

Und diese Aussagen treffen tief, wenn man sich nicht abgrenzen kann. Das ganze gepaart damit, dass Menschen, die sowas sagen, nicht in der Lage sind einem anderen zuzuhören. Sie gehen nur von ihrer kleinen beschränkten Denke aus und bilden sich ein, das ist die einzige Wahrheit.

Generelle Wertungen von oben herab und diese dann einem ins Gesicht sagen, weil es nicht in das eigene Bild passt. Generell nie im Leben den Unterschied von Denken und Reden begriffen zu haben.

Und da wären wir schon beim nächsten Wort, dem

Mensplaining

Mansplaining bezeichnet herablassende Erklärungen eines Mannes, der davon ausgeht, er wisse mehr über den Gesprächsgegenstand als die – meist weibliche – Person, mit der er spricht. Der Begriff benennt die Machtasymmetrien in der Kommunikation zwischen Männern und Frauen.

Wikipedia

Diese beiden Begriffe: „toxische Männlichkeit“ und „Mansplaining“ musste ich hier in der Reha in Sachsen den Therapeutinnen erst erklären!

Opfer

Wenn man ständig und nur mit solchen Sätzen vollgemüllt wird, glaubt man irgendwann, dass die ja Recht haben müssen. Und so beginnt die Abwärtsspirale:

Mansplaining trifft auf mangelndes Selbstbewusstsein/Selbstliebe. Dies führt zu mangelnder Abgrenzung, diese führt wiederum zu falschen Zugeständnissen und dem eigenen Verbiegen. Dieses führt wiederum zu Krankheit (Psychosomatik, Depression) und neuen toxischen Beziehungen. In diese werden Kinder mit demselben Rollenverständnis geboren und das führt dann zu noch weniger Selbstbewusstein/Selbstliebe.

Wenn man in so einer Welt eine starke Frau werden will, braucht man ein großartiges Elternhaus und großartige Freunde und Freundinnen und sollte im Idealfall auch noch das Heimatdorf verlassen und in der Stadt aufwachsen.

Was hilft gegen toxische Männlichkeit?

Was kann man dagegen tun?

Gegen toxische Männlichkeit hilft nur Abgrenzung.

Mädels, hört nicht auf diese Männer! Kontert! Habt eine große Fresse! Werdet laut und sagt ihnen dass sie falsch liegen.

Werdet noch schlauer, bildet euch weiter. Lernt!

Springt nicht mit ihnen in die Kiste und wenn doch, verhütet!! Denn ihr werdet sehen, der Sex mit toxischen Männern ist auch scheiße, weil sie nur an sich denken. Bekommt Kinder mit den tollen Männern und erzieht diese gleichberechtigt.

Wenn einer sagt, du bist nicht richtig, dann hat er nur Angst vor dir, weil du gerade auf dem Weg zu deiner wahren inneren Stärke bist.

Wenn dich alle mobben, weil du angeblich nicht reinpasst, bist du in Wirklichkeit schon jetzt etwas ganz Besonderes.

Jedes Ziel, welches ihr verfolgt, ist richtig! Lasst euch nicht sagen: das macht man nicht, das gehört sich nicht, das kannst du nicht, das geht eh schief.

Warum sollte dir jemand Tipps geben können, der es selbst noch nie etwas anderes ausprobiert hat?

Lass Dir nur ungefragte Tipps von Menschen geben, die das erreicht haben, was du erreichen willst! Such dir Helden als Vorbilder, keine Opfer.

Sagt erstmal Nein und wenn du es dir doch noch anders überlegst, halt später ja.

Nein ist das neue Punk!

Wenn sich bei dem Gedanken an irgendwas dein Bauch verkrampft, sage „Nein“ zu

  • aber du musst dem gratulieren/das tun
  • wenigstens an Weihnachten …
  • ach komm, nur einmal
  • alle machen das so
  • das macht man so
  • das war schon immer so

Es kann sich nichts ändern, wenn man alles immer so macht, wie es immer war!

Selbstbewusstsein

Diese toxischen Männer sind aus irgendwelchen Gründen ganz vernarrt in mich. In meine verrückte Art und Offenheit. Weil sie so etwas wie mich nicht kennen. Weil so etwas wie ich unter ihnen nicht hätte wachsen können.

Denn ich verrate euch was: wäre ich auf dem Dorf geblieben und hätte ich Steffen nicht kennengelernt, wäre ich nie so geworden, wie ich heute bin.

Der Quantensprung meines Bewusstseins und Selbstbewusstseins kam mit dem Umzug nach Berlin und mit der Beziehung zu Steffen und leider auch mit dem Tod von Steffen. Denn zeigt mir diese Person, die mir das Wasser reichen kann, die Person, die sowas überstanden hat.

Steffen war ein emanzipierter, respektvoller, schlauer und sensibler Mann. So ein Typ Mann, der von diesen toxischen Männern gerne verlacht wurde. Er besaß eine Tiefe, die wiederum nur die wenigsten erkannten. Für die anderen war es der, der nie etwas auf die Reihe bekommt, ein kleiner Peiler. Aber dabei war er etwas, was die anderen nie sein würden: glücklich und zufrieden.

Und wir zwei waren Partner. Beste Freunde und dann Eheleute (damit uns die anderen endlich mal als Paar akzeptierten, auch ohne Kinder). Wir brauchten keine Kinder, da wir uns selbst genug waren.

Und sowas knallt dann noch mehr, wenn so ein Mensch stirbt. Wenn so ein Partner stirbt.

Bestimmt kann ich irgendwann auch wieder jemand anderes lieben. Aber immer parallel neben Steffen. Ich werde dann halt zwei Männer lieben. Ein Mé­nage-à-trois mit einem Geist.

Denn diese Liebe hier hört nicht auf. Und dieser neue Mann wird das akzeptieren müssen. Und es wird kein Mann mit toxischer Männlichkeit sein.

Steffen wird immer in meinem Herzen bleiben.

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