Die Universität Koblenz-Landau hat mich bezüglich einer Studie zum Thema Trauer und die Rolle der digitalen Medien dabei angeschrieben. Gerne möchte ich mit euch diese Umfrage zum Thema Trauer teilen, da meiner Meinung nach digitale Medien eine so große Rolle dabei spielen und derzeit noch unterbeleuchtet sind.

hier geht es direkt zur Umfrage zum Thema Trauer:

Trauer

Jeder geht mit dem Thema Trauer anders um. Ich habe mittlerweile so viele verschiedene Trauernde kennengelernt, dass ich feststellen musste, dass es nicht die eine Trauer gibt.

Die Trauer ist eine Sache, die man leider erst selbst in diesem Ausmaß erfahren muss. Niemand kann sich darauf vorbereiten, wie er selbst mit einem Todesfall in direkter sozialer Nähe umgehen würde, denn mit dem Tag X ist plötzlich alles, aber auch wirklich alles anders.

Alte Glaubenssätze werden genauso wie die eventuelle Zukunft vom gemeinsamen Tisch gefegt. In einem selbst brodelt derweil eine schwarze Masse aus Wut, Hilflosigkeit und Fassungslosigkeit gemischt mit absoluter Orientierungslosigkeit.

Außenstehende können in diesem Moment meist nur Fehler machen und Trauernden fehlt dafür die Nachsicht. Ein idealer Schmelztiegel für rasende Wut und dem dauernden Gefühl, nicht verstanden zu werden.

Obendrein dauert der ganze Prozess ewig und manche haben schon nach Wochen oder Monaten die Nase von deinem Gejammer voll. Dem folgt dann Rückzug und gnadenlose Abgrenzung , um die eigene Psyche zu schützen und zu heilen.

Aber, wäre es einfach, wäre es einfach…

Digitale Medien

Mir haben direkt nach Steffens Tod die digitalen Medien in einer Art geholfen, wie es kein mir bekannter Mensch vermocht hätte. Denn um einen Trauernden halbwegs zu verstehen, muss man meiner Meinung nach selbst diesen Weg gegangen sein. Denn jeder Trauerfall ist anders und die Konstellationen darum ebenfalls.

Meine Art der Trauer als Witwe, gewollt kinderlos, Kreuzberg, um die 40, aus der Selbstständigkeit kommend ist eine andere Trauer als die Trauer einer Witwe mit Kindern und Eigenheim irgendwo in der Pampa, ggfls. noch mit den Schwiegereltern in der Einliegerwohnung hockend.

Und obendrein ist es eh nicht wirklich normal, mitten im Leben Witwe zu werden. Normalerweise ist man als Witwe/Witwer schon berentet, muss sich nicht mehr um den weltlichen Scheiß wie Job, Gehalt, Kindererziehung, Sex und wie ich den ganzen Scheiß finanziere, kümmern. Den normalerweise war man lange verheiratet, bekommt obendrein noch Witwenrente und weiß jetzt endlich, wo sich der Typ den ganzen Tag herumtreibt.

Instagram

Glücklicherweise halfen mir zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich amerikanische Profile auf Instagram. In den USA ist es üblich, offener mit diesen Themen im Netz umzugehen und die Menschen haben nicht so eine Berührungsangst mit dem Internet wie in Deutschland, was dafür sorgt, dass es für jedes Lebensmodell im weltweiten Netz eine Witwe gibt, mit der man sich irgendwie identifizieren kann.

Dies ist jedoch für all jene schwierig, die der englischen Sprache nicht mächtig sind oder keinen Zugang zu den diversen Portalen wie Facebook oder Instagram hat, oder nicht wissen, wie sie diese nutzen sollen. Glücklicherweise gibt es mittlerweile immer mehr Trauerangebote online. Ich persönlich mag viaanima.com sehr, da man hier aus den verschiedenen Angeboten das für einen Richtige aussuchen kann.

Und um das Online-Angebot besser auszubauen, hat die Uni Koblenz-Landau eine Umfrage zum Thema Trauer gestartet, zu der ich dich als Betroffenen und digitalen Menschen auch gerne einladen möchte. Hier findest du das Anschreiben:

 

Die Umfrage zum Thema Trauer:

Liebe Trauernde,

zunächst möchten wir Ihnen unser aufrichtiges Mitgefühl aussprechen. Einen geliebten Menschen zu verlieren ist sehr schmerzhaft. Noch schmerzhafter vielleicht, wenn eine globale Pandemie das allgemeine Leben, mitsamt hilfreichen Angeboten zur Überwindung der Trauer, zusätzlich einschränkt.

Wir, Forschende der Universität Koblenz-Landau, möchten herausfinden, wie Menschen mit ihrer Trauer umgehen und welche Rolle digitale Angebote dabei spielen. Die Erkenntnisse können anschließend an Fachpersonal der Trauerarbeit weitergegeben werden, um Angebote zur Trauerbewältigung zu schaffen und anzupassen.

Die Teilnahme an der Studie dauert etwa 20 Minuten und ist selbstverständlich anonym und kostenlos. Mit Ihrer Unterstützung würden Sie uns und anderen Trauernden sehr helfen.

Wie lange ein Todesfall zurück liegt oder wie lange Sie schon trauern, spielt für die Teilnahme keine Rolle.

https://www.soscisurvey.de/digitaleverarbeitung/

Wir bedanken uns und wünschen Ihnen viel Kraft und Zuversicht!