Venetien

Ich habe nach dem gestrigen Tag und dem fetten Burger ziemlich unruhig geschlafen. Da ich die Fensterläden zugeklappt ließ, wusste ich auch nicht, ob draußen Tag oder Nacht ist. Ich hörte nur an den Motorgeräuschen und den Reifenlauten draußen, dass es immer noch regnen muss. So lag ich da in meinem Kokon und beschloss dann doch irgendwann aufzustehen, es geht ja heute auch wieder weiter auf meinem Roadtrip, weiter nach Venetien.

Das Hotel selbst hat diesen typischen Charm der Hotels im venezianischen Raum, das bedeutet, das Interieur ist irgendwo in den 70ern oder 80ern stehen geblieben, aber alles ist in Würde gealtert. Man lebt wie in einer Zeitkapsel. Schränke aus dunklem Holz, keine Hebelarmaturen und Schlüsselanhänger für die Zimmer, die als Mordwaffe durchgehen.

Ganz eigentlich wurde ich aber durch das Husten des Mannes an der Rezeption geweckt. Der Hotelangestellte, vielleicht sogar der Inhaber, nichts Genaues weiß man nicht, spricht konsequent italienisch, ich englisch. Dennoch verstehen wir uns.

Das Frühstück

Im Frühstücksraum sitzt lediglich ein Handwerker. Ich suche mir wieder meinen schwarze Witwen-Platz in der Ecke aus und begutachte das Buffet. Alles dabei, was man braucht: Müslizeugs, Joghurt, verschieden gefüllte frische und knackige Croissants, Säfte und anderer Kuchen. Als Brot gibt es Toast und als Beilagen Schinken und Käse. Und einen Kontaktgrill. Fein.

Ich nehme mir zwei Toastscheiben, belege sie mit Schinken und Käse, klappe das Ganze zusammen und mache mir einen schönen Sandwichtoast. Hole mir noch leckere Croissants und bestelle mir Espresso doppio et latte. Yeah. Scheint langsam zu funktionieren. Der Toast ist auch sehr gut und der Espresso erst!

Instastory danaheidrich
Das Frühstück im Hotel Scala in Treviso

Irgendwann kommen noch zwei andere ältere Pärchen. Das riesige Hotel hatte also nur uns 5 Menschlein als Gäste. Das ist irgendwie toll. Alles ist irgendwie vor bzw. nach der Saison. Absolute Ruhe.

Schnell gepackt und ab gehts weiter Richtung Venedig durch Venetien.

Vorher fahre ich noch durch die Ebenen um Treviso, dem Anbaugebiet des Radicchio de Treviso. Ich fahre sogar auf der Radicchiostraße und muss leicht schmunzeln. Steffen hat Radicchio geliebt. Ständig musste ich im Herbst Risotto mit Radicchio, gebackenen Radicchio und Radicchiosalat machen.

Soll gut für die Leber und Niere sein… haben sie gesagt.

Aber heute ist mein Ziel für die nächsten zwei Tage ein Hotel am

Brenta-Kanal

Dieser verbindet Venedig mit Padua und Trient und durchläuft Venetien und hat in der Glanzzeit von Venedig die Sommerfrischler zu ihren Palazzi links und rechts des Kanales gebracht. Ein Palazzo ist hier größer als der andere. Manche sind verfallen, aus manchen wurden Hotels oder Museen.

Früher müssen hier die rauschendsten Feste stattgefunden haben. Ich möchte gerne zeitreisen können. Aus mehreren Gründen.

Also genau mein Ding. Also genau unser Ding. Es war genau unser Ding.

Aber vorher treffe ich mich noch mit lieben Freunden in Chioggia.

Bei Venedig

In Chioggia, einer kleinen Ortschaft südlich von Venedig, am Südende der Lagune bin ich heute mit meinen lieben Freunden R. und H. verabredet. Die beiden sind mit der kleinen Tilda rein zufällig auch gerade hier und wir haben uns gestern spontan zu diesem Treffen verabredet.

Ich freue mich sehr darauf gleich die drei zu treffen und das macht, dass mich der Dauerregen überhaupt nicht stört. Als ich endlich an der geliebten Lagune von Venedig ankomme, krallt sich Schmerz um mein Herz.

Landschaft in Venetien
Kurz bevor man über die Brücke nach Chioggia fährt

Venedig war unsere Lieblingsstadt. So morbide, so grau, so tot und so lebendig. Und die ganzen Palazzi mit ihrem alten unsanierten Charme, in denen man regelrecht die alten Zeiten spüren kann. Und diese Dekadenz.

Man könnte auch prima Horrorfilme hier drehen. Sehr schön dafür ist der Klassiker „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. In einem Hotel aus dem Film haben Steffen und ich schon einmal übernachtet.

Chioggia

Nun zurück nach Chioggia. Ich parke mein Auto beim Eurospin und hole mein Fahrrad aus dem Renault, denn ich kann nicht weiterfahren. Chioggia ist ein bisschen wie Venedig mit den Brücken und engen Gassen. Da macht sich ein Fahrrad wesentlich besser. Ich fahre also zu der Ferienwohnung der Drei. Das ist schön verrückt. Es ist wie in Berlin, wir sind aber nicht in Berlin. Wir sind in Italien.

Chioggia ist ein Fischerörtchen, klein und überschaubar und sehr normal, Es hat aber dieselben Gemüsestände, die Möwen, die Seeluft wie Venedig. Es ist aber nicht Venedig.

Chioggia
Ein Kanal in Chioggia

Das Wetter ist grau, kalt und windig, wie an der Nordsee halt. Ist aber nicht die Nordsee. Macht aber nichts.

Ich bekomme von Herrn R. erstmal einen Espresso auf der Dachterasse. Das ist sehr schön.

Danach fahren wir mit den Rädern direkt ans windige Meer. Die drei sind mit Rad und Zug hierhergekommen. Ja, alles ist wie in Berlin.

Der Strand von Chioggia im Herbst
Auf der Mole am Strand von Chioggia

Wir fahren zur Mole, dort soll es ein Fischrestaurant geben, welches wohl auch gleich öffnet. Aber so geschlossen, wie hier alles aussieht, öffnet hier nichts mehr. Also zurück in die Stadt und in die Schenke nebenan.

Wir quatschen, wir essen.

Ostaria la Forcola
Sarde e Saor in der Ostaria la Forcola
Ostaria La Forcola
Spaghetti mit Tintenfisch und Tinte in der Ostaria La Forcola
Ostaria La Forcola
Unser Mittagessen in der Ostaria La Forcola

So als hätten wir uns gestern gerade verabschiedet und nicht vor zwei Monaten. Das ist das totsichere Zeichen für eine sehr gute Freundschaft:

Zeichen für eine Freundschaft

Wenn man sich nach drei Jahren, drei Monaten oder drei Stunden wieder trifft und genau da weiter machen kann, wo man das letzte Mal aufgehört hat. Ohne Vorwürfe, ohne „warum hast du dich nicht gemeldet“, ohne irgendein schlechtes Gewissen. Ohne Unsicherheit, wie der andere wohl gerade drauf ist. Das ist Freundschaft.

Irgendwann müssen wir uns trennen, Klein-Tilda muss Mittagsschlaf machen und ich muss noch in mein neues Hotel.

Außerdem kommt die nächste Regenfront über Venetien angerauscht.

Dolo an der Brenta

Ich fahre zu meinem heutigen Hotel:

Villa Ducale

Es ist einfach beeindruckend.

Villa Ducale
Im Foyer der Villa Ducale
Villa Ducale
Bin in meinem heutigen Hotel angekommen!
verfallener Pferdestall
der alte Pferdestall
Brenta Kanal
Brenta Kanal vor der Villa Ducale
Villa Ducale
Das Treppenhaus in der Villa Ducale
Villa Ducale
Eine Badewanne!!!!
Villa Ducale
der alte Swimmingpool der Villa Ducale

In der ganzen Vorabplanung der Reise habe ich mich auf dieses Hotel, auf Venetien am meisten gefreut. Und ich werde belohnt.

Es ist sowas von schön, dekadent, riesig, morbid, unfuckingfassbar toll. Ich drehe ein bisschen durch. Und das Hotel hat eine Wanne!!!! Wie perfekt nach diesem Regentag!!!

Das Menü des Restaurants liegt im Zimmer aus, also brauche ich mir kein Restaurant für heute Abend zu suchen.

Die Location ist eigentlich eine Hochzeitslocation und berühmt für sein Essen. Ich bin gespannt.

Nachtrag:

Das Essen im angeschlossenen Hotel ist nicht der Bringer. Es fehlt der Pfiff. Die Kräuter. Irgendwas, das es rund macht. Es ist ok „kann man essen“… aber nicht den Preis wert. Schade. Für den nächsten Abend werde ich mir eine Alternative suchen.

Villa Ducale
Pasta mit Gambas und Tomaten zum Abendessen als Hauptgang
Villa Ducale
Räucherlachs als Vorspeise