Bazaar Berlin

Was für ein furchtbares Datum. Dieses Datum ist so schwer belegt, es fällt mir heute überhaupt nicht schwer, dieses Datum mit einem Besuch bei der Bazaar Berlin Messe zu überschreiben.

Morgen wird es dann anders furchtbar, dann haben wir unseren Hochzeitstag. Den 5. Hochzeitstag. …

Jeden Tag überschreibe ich ja mit irgendeinen Tag aus dem letzten Jahr neu. Es ist schwer, an schönen Tagen und sehr leicht, an furchtbaren Tagen wie diesem:

Der 07.11.2018

In keiner Sekunde will ich gerade zurück in mein altes Leben vor einem Jahr. Auch wenn da Steffen noch lebt. Aber dieser 07.11. vor einem Tag war der zweitschockierendste Tag während der ganzen Krebsbehandlung bis dahin.

Warum, lest Ihr hier:

Vor einem Jahr veränderte sich alles. Unsere Hoffnung bekam einen furchtbaren Schuss vor den Bug

Wie gut geht es mir dagegen heute. Das hätte ich mir vor einem Jahr nicht erträumen können, dass ich frei habe und einfach so über den Bazaar Berlin schlendern kann!

Das klingt jetzt furchtbar hart, ich weiß. Was würde ich alles für einen ganz normalen Tag mit Steffen geben. Aber einem gesunden Steffen bitte schön. Nicht mit diesem armen leidenden Steffen, Steffen mit diesen Schmerzen, die er einfach nicht verdient hat. Das zerreißt mir stetig und ständig das Herz. Was Steffen ertragen musste. Wie tapfer er war. Das hat diese gute Seele einfach nicht verdient. Das gibt mir Ruhe bei dem ganzen Drama. Er hat keine Schmerzen mehr.

Und nein, es gibt da keine Gerechtigkeit, wer was wie verdient. Den tieferen Sinn davon muss ich noch begreifen. Will ich jetzt aber noch nicht.

2019

Und heute bin ich mit mir einfach ganz spontan zur Bazaar Berlin Messe im ICC gefahren.

Ich wollte noch die Ruhe des Morgens genießen und diese Kunstinstallation am Brandenburger Tor im Rahmen der Feierlichkeiten zum 30. Jahr des Mauerfalls genießen:

Kunstinstallation mit Goldelse
Kunstinstallation am Brandenburger Tor im Rahmen der 30Jahr-Feier des Mauerfalls
Wunschfähnchen im Wind
Wunschfähnchen

ich hoffe, deren Wünsche werden wahr. Bei uns in China hatte es ja im Dezember 2018 mit den Wünschen nicht so optimal geklappt:

Wunschfähnchen in China
Unsere Wunschfähnchen im Tempel in China

„Gemeinsam alt und glücklich werden“ steht da in chinesischen Schriftzeichen. Hat ja super geklappt…

Mein Weg führt mich weiter Richtung Siegessäule, als dieser Kamerad meinen Weg kreuzt:

Krebs auf der Straße des 17. Juni in Berlin
Louisana Sumpfkrebs in Berlin

Einige rufen ja auf, die kleinen Biester einfach aufzuessen, da sie Eindringlinge ins Ökosystem des Tiergarten sind, weil irgendeine Pfeife irgendwann mal sein Aquarium in einen Tiergartenteich geschüttet hat.

Da ich aber nur meine kleine Handtasche dabei hatte, dachte ich mir so, dass so eine Krabbe in der Tasche höchstens Vorteile bei einem Handtaschenraub hat. Als Handtaschenkrebs quasi.

Weiter fahre ich mit dem Rad Richtung Funkturm und Messegelände. Zur

Bazaar Berlin Messe

Da ich vorher mit Karacho durch den Schlamm im Tiergarten gefahren bin, sehe ich jetzt aus wie eine Sau. So wird aus mir nie etwas Anständiges:

schmutzige Schuhe
Meine Lieblingsschuhe, nicht gerade damenhaft beschmutzt

Dann betrete ich die Messehallen. Das letzte Mal war ich hier mit Steffen bei der Grünen Woche. Aber das ist schon so lange her, dass es mir keine Emotionen entlockt.

Die Stände

Direkt im ersten Saal empfangen mich unendliche Stände mit Gold- und Silberschmuck, marokkanischen Lampen, Geschirr, gefilzten Dingen und Pullover aus Alpakawolle. Es ist ein bisschen eine Mischung aus Maybachufermarkt und dem Kunstmarkt auf der Straße des 17. Juni.

Stand bei der Bazaar Berlin
Indische Ketten und Anhänger bei der Bazaar Berlin

Aber es ist warm und trocken und einen Crèpestand gibt es auch.

Stand bei der Bazaar Berlin
Marokkanische Messinglampen bei der Messe

Das Publikum

Es gibt ein paar 4. Klassen, die hierhin unbedingt ihren Klassenausflug machen mussten. Das nervt, denn es ist nicht unbedingt mein Lieblingsalter bei Minimenschen. Ansonsten sieht man hier viele ältere Damen und Pärchen. Es gibt eine hohe Rollstuhldichte. Ab und an sieht man auch etwas Jungvolk. Eigentlich alles sehr angenehm und entspannt. Bis auf die Gören.

Außerdem fehlen die Weinvertreter, die normalerweise auf der grünen Woche ständig vertreten sind. Auf dem Bazaar gibt es diese nicht. Das fällt mir positiv aus.

Weindealerstory von ganz früher

Ich habe vor 20 (autsch) Jahren einmal in der Rechtsabteilung einer Wohnungsverwaltungsfirma gearbeitet. Dort habe ich Unmassen von Mahnbescheiden für saumselige Mieter erstellt.

Irgendwann stellte sich heraus, dass die meisten Mietschuldner wirklich kein Geld hatten und längst die Eidesstattliche Versicherung (EV) abgegeben hatten.

Wenn man sich dann diese zusenden lässt, steht oben immer die Firma, die die EV veranlasst hat. Und da stand immer wieder „Pall*****“ – da ich diese Firma jedoch nicht kannte, habe ich sie immer mit Palfinger – dem Kranhersteller – verwechselt und mich arg gewundert. Warum kaufen unsere Mieter Kräne?

Bis ich dann irgendwann auf der Grünen Messe war und überall die Stände dieses Weinlieferanten, der durchschnittlichen Wein zu überteuerten Preisen im Abo verkauft, sah.

Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen … Trinker, alles Trinker! Die ganze Miete versoffen!

Weiter im Text

Aber keine Sorge, es gibt überall einen Alkoholstand, an dem man sich gepflegt wegknallen kann.

In fußläufiger Entfernung des jeweiligen Alkoholdealers befindet sich meist ein Geldautomat, wo der arme Cashteller, der in der kleinen Kiste mit dem Geldautomaten drin wohnt, den ganzen Tag die Geldscheine durch den irrsinig engen Geldschlitz fummeln muss.

Am Ende des Tages kaufe ich mir ein paar Ohrringe. Es sind Replika von Ausgrabungsfunden aus der Inkazeit, genauer von den Sinu-Indianern. Die Ohrringe werden im Original im Goldmuseum von Bogota ausgestellt. Sie stellen einen Halbmond dar. Der Mond begleitet stets die Sonne auf ihrem Weg und lässt sie nie allein. Das fand ich schön und passend:

Inkaohrringe
Ohrringe der Firma www.galeriaeldorado.com

(Alle eventuellen Werbungen ist wie wie immer freiwillig und unbezahlt)